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Coronavirus Schweizer Wirtschaft beginnt zu husten

Die Coronavirus-Epidemie hat negative Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft. Aber nicht alle sind gleichermassen betroffen, einige Sektoren leiden mehr als andere. Ein kurzer, nicht umfassender Überblick.

Asiatische Touristen mit Gesichtsmasken.

Chinesische Touristen, wie hier im Schloss Chillon, sind nicht ganz verschwunden, aber seltener anzutreffen.

(Keystone / Jean-christophe Bott)

Es ist klar, dass das Coronavirus auch Auswirkungen auf die Gesundheit der Wirtschaft haben wird. Vor einigen Tagen erklärte das BAK-Institut in einer Medienmitteilungexterner Link, dass sich die wirtschaftlichen Folgen nicht, "wie anfangs erhofft auf wenige kleine Effekte beschränken" werden. Das Wirtschaftsforschungs-Institut hat ausgerechnet, dass sich das Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) in der ersten Jahreshälfte deutlich verlangsamen wird. Für das laufende Jahr revidierte es seine Wachstumsprognose von bisher 1,5% auf 1,3%.

Die Forscher des BAK sind nicht die einzigen, die pessimistisch sind. So erwartet die Credit Suisse beispielsweise eine "signifikante Auswirkung". Die zweitgrösste Bank des Landes hat ihre BIP-Wachstumsprognose für das laufende Jahr von bisher 1,4% auf 1% gesenkt.

Abgesehen von diesen etwas abstrakten Zahlen herrscht in der Tat eine gewisse Nervosität in Wirtschaftskreisen. Und für mehrere Sektoren hat der Rückgang der Aktivitäten im Zusammenhang mit der Gesundheitssituation bereits sehr konkrete Folgen.

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reportage tv

Keine grossen Veranstaltungen mehr

Die Massnahme, welche die Schweizer Öffentlichkeit am meisten getroffen hat, ist das vom Bundesrat ausgesprochene Verbot von Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen. Die kantonalen und kommunalen Behörden haben auch die Möglichkeit, kleinere Veranstaltungen zu verbieten.

Das wohl sinnbildlichste Opfer dieser Verbotsmassnahmen ist der Genfer Autosalon. Aber viele andere Veranstaltungen wurden ebenfalls abgesagt. Dazu gehören die berühmte Basler Fasnacht und die Brandons de Payerne, die grösste Fasnacht der französischsprachigen Westschweiz.

Fasnacht TS

Tagesschaubeitrag zum Thema Verbot Grossveranstaltung

Diese Versammlungsverbote trafen auch die Kultur- und Sportbranche hart. So haben beispielsweise die grossen Schweizer Sportligen (Fussball, Eishockey und Basketball) ihre Spiele bis mindestens am 15. März ausgesetzt. An der kulturellen Front hat beispielsweise das Internationale Filmfestival Freiburg seine nächste Ausgabe ausgesetzt.

All diese Annullierungen können schwerwiegende Folgen für viele Vereine oder Unternehmen haben, die mit teilweise sehr knappen Budgets zu kämpfen haben.

Weniger Touristen

Noch vor ein paar Wochen berichteten Schweizer Medien, dass die Bevölkerung vom chinesischen Massentourismus die Nase voll habe. Zu Beginn dieses Jahres änderte sich die Situation radikal. Der Touristenansturm – nicht nur der chinesische – ist eingebrochen.

Darunter leidet das Hotel- und Gastgewerbe. "Die Situation ist sehr ernst. Wir haben viele Unternehmen, die zwischen 60 und 80% ihres Umsatzes verlieren", sagte Casimir Platzer, Präsident von Gastrosuisse, im öffentlich-rechtlichen Westschweizer Fernsehen RTS.

Hotels und Restaurants sind nicht die einzigen, die unter diesem Rückgang im Tourismus leiden. Einige Transportunternehmen sind ebenfalls stark betroffen.

Tagesschau Tourismus

TS Beitrag Tourismus

Exportewirtschaft leidet

Der weltweite Wirtschaftsabschwung aufgrund des Coronavirus trifft besonders die Schweizer Export-Wirtschaft.

Gemäss einer Studie der UNO-Konferenz für Handel und Entwicklungexterner Link (UNCTAD) ist die chemische Industrie in der Schweiz der am stärksten betroffene Wirtschaftssektor. Mit einem Gesamteinfluss von 1,08 Milliarden US-Dollar auf die Schweizer Exporte, gehört das Land zu den zehn am stärksten von der Corona-Epidemie betroffenen Ländern. Den Verlust für den Chemiesektor berechnet UNCTAD auf 283 Millionen Dollar.

Auch andere Schlüsselsektoren der Schweizer Industrie werden unter der Situation leiden. So zum Beispiel die Nahrungsmittelindustrie und der Maschinenbau. Ein Sektor scheint besonders bedroht zu sein: die Uhrenindustrie.

Seit einigen Jahren ist China der grösste Kunde der Schweizer Uhrmacher. Die Ereignisse im Reich der Mitte wirken sich somit direkt auf die Produzenten im Jura aus. Bereits die Anti-Korruptionspolitik der chinesischen Regierung, die Geschenke wie Uhren verbietet, und die Unruhen in Hongkong hatten negative Auswirkungen. Die durch das Coronavirus ausgelöste Gesundheitskrise ist somit eine neue Wolke an dem bereits ziemlich dunklen Himmel.

Vorsicht vor dem Franken

Ein letzter Faktor, der die Schweizer Wirtschaft im Zusammenhang mit der Coronavirus-Epidemie belasten könnte, ist die Aufwertung des Schweizer Frankens.

Die Schweizer Währung hat traditionell eine Funktion als sicherer Hafen (Fluchtwährung). Sollte die Situation in Europa langfristig angespannt bleiben, würde dies zweifellos zu einer Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro führen.

Ein starker Franken aber ist eine zusätzliche Belastung für die Schweizer Exportindustrie.


(Übertragung aus dem Französischen: Kathrin Ammann)

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