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Das grosse Gruseln in Neuenburg


Zombies und andere Dämonen lehren Neuenburg das Fürchten. Dort findet ab Dienstag zum fünften Mal das Internationale Festival des Fantastischen Films statt.

Als Stargäste werden Ex-Monty-Python Terry Gilliam und der japanische Meister des Horrors, Kiyoshi Kurosawa, erwartet.

Nach bescheidenen Anfängen hat sich das Festival des Fantastischen Films (NIFFF) in Neuenburg zum wichtigsten europäischen Treffen des Horror-, Science-Fiction- und Fantasy-Films gemausert.

Dieses Jahr wurde das Festival, das vor Blutorgien und Massakern nie zurückgeschreckt war, vom Bundesamt für Kultur (BAK) offiziell in den Stand der kulturellen Respektabilität erhoben und erstmals mit Bundesgeldern unterstützt.

"Wir mussten das Bundesamt für Kultur erst überzeugen, dass wir die Überbleibsel des alten Fantastischen Films hinter uns gelassen und tatsächlich moderne, auf künstlerischer und kultureller Vielfalt basierende Visionen haben, die auch längerfristig tragen", erklärte Festival-Gründer Olivier Müller.

Noch vor fünf Jahren hätten die Leute vom BAK geglaubt, dass das fantastische Genre nur aus Filmen wie "Scream" und "Star Wars" bestünde, so Müller weiter. "Nach und nach konnten wir sie davon überzeugen, dass diese Filme nicht das sind, was wir zeigen - und schliesslich glaubten sie uns."

Das BAK unterstützt das NIFFF dieses Jahr mit 40'000 Franken. Bei einem Gesamtbudget von 450'000 Franken eine willkommene Finanzspritze.

Internationale Anerkennung

Das NIFFF verleiht dieses Jahr die "Goldenen Méliès". Mit dem Preis ehrt die Europäische Föderation des Fantastischen Films (EFFF) den besten europäischen Film dieses Genres. Kandidaten sind die jeweiligen Gewinner der verschiedenen europäischen FF-Festivals, neben Neuenburg etwa auch die von Sitges (Spanien), Porto, Rom und Amsterdam.

Dass die Westschweizer Stadt plötzlich im Mittelpunkt europäischer Aufmerksamkeit steht, erschrecke viele Leute, sagt Müller. Auch er sei überrascht: "In Neuenburg hat es bisher kaum Ambitionen gegeben, irgendetwas zu tun, was über die Region hinaus von sich Reden machte", meinte er gegenüber swissinfo.

Wenn das NIFFF den Leuten zeigen könne, dass Neuenburg nicht nur ein Ort mit schönen grünen Weiden, sondern eine lebendige Stadt mit einer Universität und kulturellen Anlässen ist, sei das auch wichtig, so Müller weiter.

Er gesteht, dass das Festival von Anfang darauf ausgerichtet war, die Grenzen zu sprengen: "Deshalb haben wir es auch 'Internationales' Festival des Fantastischen Films genannt."

Zu Beginn sei ihr Programm sehr spezialisiert gewesen. "Wir wussten, dass wir nicht glaubwürdig wären, wenn wir um die Massen buhlten", sagt Müller. Zu Beginn hätten sie die Kenner anziehen wollen – die Journalisten und Fans. "Und diese machten das Festival schliesslich zu einem glaubwürdigen Anlass, allein durch Mund-zu-Mund-Propaganda."

Trotz allem, die Infrastruktur des Festivals ist bescheiden geblieben. Alle Filme werden in den drei Sälen des Kinos Apollo gezeigt. Nächstes Jahr ist eine Openair-Leinwand am Seeufer geplant.

50 Jahre Godzilla

Eröffnet wird das Festival mit der Europapremiere von "Godzilla Final Wars". 50 Jahre ist es nämlich her, dass Inoshiro Hondas Monsterklassiker erstmals die Leinwand heimsuchte. Ryuhei Kitamuras Sequel ist einer von drei japanischen Filmen im Wettbewerb.

Als Stargast wird Terry Gilliam, ehemaliges Mitglied der britischen Komikertruppe "Monty Pythons" erwartet. Der Amerikaner zeigt am 2. Juli "The Adventures of Baron Munchausen" von 1988 und wird auch seinen neuen Film, "Brothers Grimm", vorstellen.

Auf dem Programm steht zudem die Retrospektive "Invaders from Marx". Gezeigt werden rund 20 Filme aus der sozialistischen Epoche. "Kitschig-utopische Werke aus der DDR oder der UDSSR und düstere Science-Fiction aus der Tschechoslowakei " versprechen die Organisatoren.

Viele Preise, viele Gewinner

Kernstück des Festivals sind die Wettbewerbe. Am diesjährigen internationalen Wettbewerb beteiligen sich zehn Spielfilme aus acht Ländern zur Auswahl, die das gesamte Spektrum des Genres abdecken. Einer von ihnen erhält den "Goldenen Méliès", benannt nach dem französischen Filmpionier Georges Méliès (1861 – 1938). Er drehte 1902 "Le Voyage dans la lune", den ersten Science-Fiction-Streifen in der Film-Geschichte.

Mit dem Wettbewerb "Neues Kino aus Asien" gewährt das NIFFF zudem Einblicke in den fantastischen Film auf diesem Kontinent. Auf dem Programm stehen Filme aus Thailand, Japan, von den Philippinen und Süd Korea.

Einen weiteren Schwerpunkt bilden Kurzfilme, für die es gleich zwei Wettbewerbe gibt, einen für europäische und einen andern für schweizerische Produktionen.

"Das fantastische Genre ist in der Schweiz nicht sehr verbreitet. Da 'fantastisch' jedoch einen grossen Interpretations-Spielraum lässt, haben wir begonnen, auch Filme zu berücksichtigen, die nicht strickte ins Grusel- oder Sceince-Fiction-Genre gehören", sagt Mélanie Cornu, die für die Auswahl der Schweizer Kurzfilme zuständig ist.

swissinfo

Fakten

Das 5. Festival des Fantastischen Films in Neuenburg (NIFFF) dauert vom 28. Juni bis zum 3. Juli 2005.

Die Vorführungen finden im Kino Apollo und die Preisverleihungen im Théâtre du Passage statt.

Rund 70 Horror, Fantasy- und Science-Fiction-Filme sind in Neuenburg zu sehen.

Das Festival verfügt über ein Budget von 450'000 Franken und wird vom Bundesamt für Kultur (BAK) finanziell unterstützt.



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