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Die Spur des Leoparden führt nach Hollywood


Von Françoise Gehring


2005 holte die damalige Direktorin des Festivals, Irene Bignardi (links), die amerikanische Schauspielerin Susan Sarandon nach Locarno. (Keystone)

2005 holte die damalige Direktorin des Festivals, Irene Bignardi (links), die amerikanische Schauspielerin Susan Sarandon nach Locarno.

(Keystone)

Quentin Tarantino, Sandra Bullock, Susan Sarandon, Anthony Hopkins, John Malkowich sind nur einige der Hollywood-Stars, die in den letzten 30 Jahren am Filmfestival Locarno weilten. Diese Tradition wird 2011 fortgeführt mit Harrison Ford und Daniel Craig.

Greift der Leopard, der "Locarneser Oscar", nach Hollywood? Folgen wir seinen Spuren mit Nadia Dresti, Chefin des Industry Office, Delegierte der Künstlerischen Direktion und, vor allem, Gedächtnis des Festivals.

Nadia Dresti kennt sich gut aus im internationalen Filmbusiness, einer komplexen Welt, in der Beziehungen zählen, wo verschiedene Interessen miteinander verflochten sind und wo viel Geld im Spiel ist.

Auf diesem Parkett muss man nicht nur wissen, wie man verhandelt, man muss vor allem sehr gute, überzeugende Karten in den Händen halten. Wenn nicht, kehrt man mit leeren Händen nach Hause zurück.

Das amerikanische Kino macht den Unterschied

Das Festival 2011 hat diese Probleme nicht. Es ist ein Symbol des Überflusses, aber auch der Fruchtbarkeit. Dies zeigt sich mit der grossen Rückkehr von Hollywood – mehrere Blockbuster – und der Präsenz von Stars wie Harrison Ford, Olivia Wilde und Daniel Craig, welche die Künstlerische Direktion des Festivals nach Locarno geholt hat.

"Der Auftritt von Hollywoodstars bei einem Festival wie Locarno", erklärt Nadia Dresti gegenüber swissinfo.ch, "ist äusserst wichtig, denn das amerikanische Filmschaffen ist weltweit führend. Hollywood bleibt der wichtigste Markt, das reale Business, das Star-System. Eine Piazza Grande und leere Zuschauerreihen wären ein trauriger Anblick."

Was muss man tun, um von Hollywood wahrgenommen zu werden? "Die Komplexität der ganzen Operation verlangte einen mehrjährigen Einsatz", erklärt Dresti.

"Auf diesem Weg ist auch die Handschrift von Olivier Père ersichtlich. Sie markiert einen Wandel, die Wiederherstellung eines spezifischen Festivalprofils. Als er seinen Jab anfing, sagte er sofort, dass diese Künstlerische Leitung weit gehen werde. Dafür erhielt er von der internationalen Presse viel Lob."

Mega-High-Tech-Bildschirm als Ass im Ärmel

"Im letzten November wurden wir beim American Film Market in Los Angeles gut empfangen. Wir haben die Studios besucht, die sich am Market präsentierten und Olivier hat seine Vision von der Piazza Grande präsentiert, mit einer klaren Vorstellung der Filme, die wir wollten."

Dieselbe Tour machten sie nach London zu den Europa-Sitzen der grossen Studios: Disney, Paramount, Universal, Fox, etc. "Wir kehrten zurück nach Zürich und trafen uns mit den Vertretern, welche die Rechte für die Schweiz besitzen. Diese waren bereits von Hollywood entsprechend informiert worden. So konnten wir beeindrucken sowie Wertschätzung und Vertrauen erwerben. Und dies hat uns die Konkretisierung unserer Projekte erlaubt."

Nadia Dresti zeigt sich realistisch indem sie zugibt, dass diese Operation auch vom Glück begünstigt wurde. "Einen Tag nachdem wir Cowboys & Aliens ausgewählt hatten, erhielten wir die Besuchszusagen von Jon Favreau, Harrison Ford, Daniel Craig und Olivia Wilde. Wir waren wie betäubt, denn wir hatten so etwas nie für möglich gehalten. Von diesem Moment an habe ich mich voll auf die Organisation der Ankunft der Stars in Locarno konzentriert. Inzwischen spricht die ganze Weltpresse darüber."

Mit welcher Trumpfkarte konnte das Duo Père und Dresti das Vertrauen der Amerikaner gewinnen? "In technischer Hinsicht gehört das Filmfestival Locarno zur absoluten Spitze. Einen Bildschirm wie auf der Piazza Grande, 26 mal 14 Meter gross, mit einer Auflösung von 4k High Definition (4000 Pixeln) werden Sie nirgendwo auf der Welt finden. Die Amerikaner haben auch unser Raubkopierschutz-System und die Anti-Piraterie-Kontrolle auf der Piazza Grande akzeptiert."

Hollywoods Auf und Ab am Lago Maggiore

Hollywoods Präsenz in Locarno hat Höhen und Tiefen erlebt. Viele erinnern sich noch heute der internationalen Kinostars und Filmdiven, die das Grand Hotel von Locarno bis in die 1970er-Jahre erstrahlen liessen.

Nach der Übernahme der Künstlerischen Leitung durch David Streiff konzentrierte sich das Festival mehr auf die Realitäten in der Dritten Welt und auf das europäische Kino.

Das US-amerikanische Kino kehrte in den 1990er-Jahren unter der Domäne von Marco Müller zurück. Er zeigte auf der Piazza Blockbuster wie Mulan, Speed oder Pulp Fiction und präsentierte Stars wie Sandra Bullock und Quentin Tarantino.

Unter der Leitung von Irene Bignardi beherbergte Locarno einige Hollywood-Berühmtheiten zu Preisverleihungen, aber nicht im Rahmen aktueller Filmproduktionen. Unter anderem waren das John Malkovich und Susan Sarandon. Und in der Ära Frédéric Maire gab es ein Schwergewicht: Anthony Hopkins.

Die wahren Stars sind die Filme

Dresti versteht, dass das Publikum nicht nur den Festivaldirektor oder Präsidenten auf der Piazza Grande sehen möchte, sondern auch Filmstars.

"In all diesen Jahren haben wir gesagt: Die wahren Stars sind die Filme. Das ist wahr, aber Locarno kann es sich nicht leisten, auf die grossen Protagonisten des Kinos ganz zu verzichten." Und dieses Jahr wird das Publikum in dieser Beziehung verwöhnt.

Hier noch ein Paar Bilder aus Nadia Drestis privatem Erinnerungsalbum: "Die Leidenschaft, welche die Piazza Grande erfasste bei Werken wie Forever Mary, Mulan, Speed und Full Monty, die wir in Europa als erste zur Aufführung bringen konnten. Ich erinnere mich noch an Peter Cattaneo [Regisseur von Full Monty], der mir freudebend gegenüber sass als er konstatierte, dass sich das Publikum vor Lachen bog."

So kann das Festival Locarno auch den Filmstars seine eigene, strahlende Magie bescheren: Das Licht der Show, die sich auf der Mega-Leinwand spiegelt. "Wir müssen einfach auf gutes Wetter hoffen", so Dresti.

Nadia Dresti

Die Locarnesin beginn ihre Karriere im Filmbusiness 1984 beim heimischen Filmfestival.

1988 Einstieg bei 20th Century Fox – Columbia Tristar in Genf als Marketing-Verantwortliche für die Schweiz.

1990 gründet sie ihre eigene Firma, Zero Problem, die sich auf die Filmpromotion und Public Relations konzentriert. Sie berät unter anderem unabhängige Produzenten und Verleiher sowie Filmfestivals.

Während 8 Jahren ist sie Mitglied der Kommission für Filmförderung des Bundesamts für Kultur.

1990 wird sie Mitglied der Auswahlkommission des Filmfestivals Locarno und Leiterin des "Industry Office".

1998 beginnt sie, für den Cannes Film Market und den European Film Market Berlin zu arbeiten.

2006 wird Dresti zur Delegierten der künstlerischen Leitung des Festivals Locarno berufen, wo sie für das "Industry Office" und "Open Doors" verantwortlich ist.

Sterne am Himmel von Locarno

Claudia Cardinale, Harrison Ford, Lesile Caron, Ingrid Caven, Kabir Bedi, Guy Bedos, Abel Ferrara, Mike Medavoy, Bruno Ganz, Adoor Gopalakrishnan, Olivia Wilde, Claude Goretta, Hitoshi Matsumoto, Kati Outinen, Nicolas Winding Refn, Daniel Craig, Pierre Richard, Maribel Verdú, Anri Sala e Daniel Brühl, Gerard Depardieu, Isabelle Huppert.

Locarno in Zahlen

64. Ausgabe, 3.-13. August 2011

260 Filme (rund 200 Langfilme und 60 Kurzfilme), darunter 40 Weltpremieren, 20 Filme auf der Piazza Grande und 32 Schweizer Filme

3 Karriere-Auszeichnungen: Claudia Cardinale, Claude Goretta, Bruno Ganz

3 Spezialpreise: Ehrenleopard für Abel Ferrara; Raimondo-Rezzonico-Preis für Mike Medavoy; Excellence Award für Isabelle Huppert.


(Übertragung und Adaption aus dem Italienischen: Etienne Strebel), Locarno, swissinfo.ch



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