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Ideenwettbewerb unter Jungen Ein Bürgerdienst soll die Schweizer Lokaldemokratie retten

Nationalrat Marco Romano (Mitte) mit den zwei Jugendlichen, deren Idee er 2018 auswählte

Begegnung im Bundeshaus auf Augenhöhe: Nationalrat Marco Romano (Mitte) mit den zwei Jugendlichen, deren Idee er 2018 auswählte.

(Mannik Keng / DSJ)

"Freiwillige vor": In den 2212 Schweizer Gemeinden verhallt dieser Aufruf zunehmend ungehört. Tim Bucher, 21-jähriger Automatiker aus Schaffhausen, will die Krise in der Schweizer Lokaldemokratie abwenden – mit einem Bürgerdienst. Bucher ist einer von 16 Siegern des Ideenwettbewerbs "Verändere die Schweiz"externer Link.

Neben dem Beruf freiwillig einen Dienst für die öffentliche Sache, die Gemeinschaft leisten: Auf dieser Grundlage basiert die Politik in der Schweiz.

Das Prinzip hat einen Namen: Milizsystemexterner Link. Es prägt die politische Arbeit in den Gemeinden, aber auch die Tätigkeit der Parlamentsmitglieder auf Stufe der Kantone und des Bundes.

Doch es ist Sand im Getriebe. In den Gemeinden, der untersten der drei Staatsebenen der Schweiz, finden sich kaum mehr Personen, die zu ihrem Beruf noch ein öffentliches Amt ausüben wollen.

Darum hat der Schweizerische Gemeindeverbandexterner Link 2019 zum "Jahr der Milizarbeit"externer Link ausgerufen.

Auch Integration

Für Tim Bucher zählt das Milizsystem zum Wertvollsten in der Schweiz. Deshalb will er es stärken. Konkret denkt er dabei insbesondere an junge Männer, Frauen und Ausländerinnen und Ausländer.

Lebt sein Bekenntnis zum Milizsystem vor: Der Schaffhauser Tim Bucher.

(DSJ)

Bei den jungen Männern hat er insbesondere eine Gruppe vor Augen: Jene, die zwar dienstpflichtig, aber aus gesundheitlichen Gründen militärdienstuntauglich sind.  

"Zukünftig könnte man neben dem Militär- und Zivildienst auch in anderen Bereichen seine Diensttage absolvieren. Gerade in Institutionen wie der Feuerwehr, auf Gemeinden oder anderen politischen Posten fehlen zunehmend Personen. Was, wenn man dort seine Diensttage absolvieren könnte?", fragt also Tim Bucher.

Für jene rund 25% Mitbürgerinnen und Mitbürger im Land, die keinen Schweizer Pass haben, taxiert er den Bürgerdienst als gute Möglichkeit, sich stärker in die Gesellschaft einzubringen.

Tandem Schaffhausen/Tessin

Marco Romano, 37-jährig, Tessiner und Nationalrat der Christlichdemokratischen Partei (CVP)externer Link, hat Buchers Input ausgewählt und wird ihn in der Grossen Kammer auf die Agenda setzen. Ab dem 17. Juni, dem ersten Treffen im Bundeshaus in Bern, feilen Bucher und Romano gemeinsam, um die Idee sprachlich in einen politischen Vorstoss zu giessen.

Tim Bucher geht selbst mit gutem Beispiel voran: Für ihn ist freiwilliges Engagement eine Herzensangelegenheit, die er auch vorlebt: Der 21-Jährige ist im Vorstand des Jugendparlaments Schaffhausen, ist Leiter eines Netzwerks im Bereich Jugendarbeit sowie Mitglied im Rat seiner Kirchgemeinde. 

Dazu politisiert er bei der Jungen Grünliberalen in seinem Kanton. "Freiwilliges Engagement macht viel Freude, man lernt viel fürs Leben und begegnet interessanten Personen."

Bucher nimmt für sich nicht in Anspruch, den Bürgerdienst erfunden zu haben. Avenir Suisse etwa, der liberale Thinktank der Wirtschaft, brachte den allgemeinen Bürgerdienst 2013 ins Spiel. Neu ist aber die Art und Weise, wie die Idee in die Politik unter der Bundeshauskuppel in Bern eingebracht werden soll.

"Verändere die Schweiz!" 2019

Beim digitalen Ideenwettbewerb haben Jugendliche und Junge bis und mit 25 Jahre im Frühling fast 350 Ideen zur Veränderung der Schweiz eingereicht. Dies auf der Partizipationsplattform engage.ch.

Organisiert wird der Wettbewerb vom Dachverband Schweizer Jugendparlamente (DSJ).

Aus den Vorschlägen haben die 16 jüngsten Mitglieder des Schweizer Parlaments (National-/Ständerat) je einen Favoriten ausgewählt.

Am 17. Juni findet das "Matching" statt: Die jungen Siegerinnen und Sieger treffen im Bundeshaus in Bern "ihre" Nationalrätin oder "ihren" Ständerat. Zusammen formulieren sie die Idee zu einem politischen Vorstoss aus, so dass dieser die besten Karten hat, in der grossen oder kleinen Kammer debattiert zu und im bestmöglichen Fall umgesetzt zu werden.

Infobox Ende

 

*mit Material vom Schweizer Dachverband der Jugendparlamente. #DearDemocracy ist Medienpartner des unnabhängigen DSJ wie ebenfalls des Schweizer. Gemeindeverbands/"Jahr der Milizarbeit 2019"


Folgen Sie Renat Kuenzi auf Twitterexterner Link.

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