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Krise im Jemen "Wir schauen zu, wie die Bevölkerung an Hunger stirbt, und machen nichts"



Jemeniten warten auf Nahrungsmittelhilfe von lokalen humanitären Organisationen.

Jemeniten warten auf Nahrungsmittelhilfe von lokalen humanitären Organisationen.

(Keystone)

Trotz der katastrophalen Lage in Jemen glaubt Elham Manea immer noch an eine Konfliktlösung in ihrem Land. Die Schweizer Politologin mit jemenitischen Wurzeln ruft die Schweiz dazu auf, an der Geberkonferenz vom Dienstag in Genf eine Vermittlerrolle zu übernehmen. Laut Manea braucht es Verhandlungen auf lokaler und regionaler Ebene.

UNO verlangt 2,1 Mrd. Dollar

Die Geber-Konferenz für den Jemen, die am Dienstag in Genf stattfindet, wird gemeinsam von der Schweiz und Schweden organisiert. Damit reagieren die beiden Länder auf eine Anfrage von UNO-Generalsekretär Antonio Guterres. Aussenminister Didier Burkhalter und sein schwedischer Amtskollege sowie Repräsentanten von dutzenden weiteren Ländern und Nichtregierungs-Organisationen nehmen ebenfalls an der Konferenz teil.

Die Vereinten Nationen hatten zu Spenden in Höhe von 2,1 Mrd. Dollar für 2017 aufgerufen. Bis Freitag waren davon nach Angaben des UNO-Nothilfebüros (OCHA) erst 15,2% zusammengekommen.

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swissinfo.ch: Wie ist die Situation derzeit für die jemenitische Zivilbevölkerung vor Ort?

Elham Manea: Alle zehn Minuten stirbt ein Kind unter fünf Jahren an Mangelernährung. Wir schauen zu, wie die jemenitische Bevölkerung vor Hunger stirbt, ohne etwas zu unternehmen.

Alle Menschen leiden dort, aber wie immer sind Frauen und Kinder von der Krise am stärksten betroffen. Frauen leiden insbesondere unter Vergewaltigungen, die als Kriegswaffe eingesetzt werden.

Es ist auch laut der UNO und der EU eine der schlimmsten humanitären Katastrophen. Die Situation ist katastrophal, dessen ist sich die internationale Gemeinschaft jetzt bewusst.

swissinfo.ch: Haben Sie keine Hoffnung mehr auf Frieden?

E.M.: Die Situation ist nicht ganz hoffnungslos. Aber man muss auf zwei Ebenen handeln, regional und lokal, um eine Lösung zu finden. Auf regionaler Ebene muss man Saudi-Arabien und Iran dazu bringen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen, weil es ohne Unterstützung dieser beiden mächtigsten Staaten in der Region keinen Ausweg gibt. Es ist aber wichtig zu verstehen, dass der Konflikt nicht von diesen beiden Mächten ausgelöst worden war. Es gibt Probleme auf lokaler Ebene mit lokalen Akteuren, die sich bekämpfen. Auch diese Gegner müssen Verhandlungen aufnehmen.

Ohne internationalen Druck ist es sehr schwierig, eine Lösung für diese beiden Konfliktebenen zu finden. Wenn man nur auf regionaler Ebene handelt, gerät man immer wieder aneinander.

swissinfo.ch: Was erwarten Sie von der internationalen Gemeinschaft und insbesondere von der Schweiz?

E.M.: Die Schweiz ist in einer besonderen Situation, weil sie bei allen Konfliktparteien Vertrauen geniesst. Deshalb muss sie eine wichtige diplomatische Rolle als Mediatorin spielen. Von der internationalen Gemeinschaft erwarte ich, dass sie Druck auf die kriegsführenden Parteien ausübt, damit diese eine dauerhafte Friedenslösung suchen.

Ich hoffe, dass die internationalen Akteure den Blick nicht abwenden von einer Bevölkerung, die daran ist, an Hunger zu sterben. Sie müssen auf den Hilfeschrei der humanitären Organisationen antworten, die verlangen, dass endlich gehandelt wird.

Zwei Drittel leiden an Mangelernährung

Der Jemen ist etwa eineinhalb Mal so gross wie Deutschland und leidet seit Jahrzehnten unter Nahrungsmittel- und Wasserknappheit. Die von Iran unterstützten schiitischen Rebellen, die Huthis, nutzten die desolate Lage 2015 für einen Aufstand gegen die sunnitische Regierung.

Saudi-Arabien steht hinter der Regierung und fliegt Angriffe auf Huthi-Stellungen. Die USA unterstützen die saudi-arabische Militärkoalition.

Mehr als 7500 Menschen sind bereits ums Leben gekommen. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. 

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(Übertragung aus dem Französischen: Peter Siegenthaler)

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