Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Sankt Nikolaus unter den Bart geschaut

Spätgotischer Nikolaus ohne Bart, im Hintergrund blinkt ein moderner Santa Claus.

(swissinfo.ch)

Mit der Ausstellung "Santa Claus & Co." geht das Museum der Kulturen in Basel der oft vergessenen Herkunft des Weihnachtsmanns auf den Grund.

Dabei schreckt das Museum nicht davor zurück, auch die Entwicklung des heiligen Nikolaus zum Weihnachts-Vermarkter zu beleuchten.

Die Vorweihnachtszeit ist heute undenkbar ohne jenen Mann im roten Gewand mit den Bordüren aus weissem Pelz. Der Samichlaus, Santi-Klaus, Weihnachtsmann oder Santa Claus ist allgegenwärtig.

Fast aus jedem zweiten Schaufenster grinst er uns an, klettert die Hausfassaden hoch oder beleuchtet als Lichtgirlande ganze Hochhäuser. Im Fernsehen und in Zeitungen wird er von diversen Unternehmen als Werbeträger eingesetzt.

Santa Claus & Co.

Doch kaum jemand weiss heute noch um die Herkunft des heiligen Nikolaus. Dieser war ein Bischof, der um das Jahr 300 herum in Myra in der heutigen Türkei lebte und zahlreiche Wunder vollbracht haben soll. Ein Mann, der in jüngster Zeit fast nur noch als Galionsfigur des Weihnachtsgeschäfts wahrgenommen wird.

Von daher war es für Kurator Dominik Wunderlin kein grosser Schritt, den heiligen Nikolaus und seine Irrwege zum Thema der diesjährigen Weihnachts-Ausstellung des Basler Museums der Kulturen zu machen.

"Das lag irgendwie in der Luft", sagt er im Gespräch mit swissinfo. "Auch aus einem gewissen Unbehagen heraus, dass man da und dort gehört hat, die Weihnachtsmänner würden das Christkind verdrängen."

Licht ins Dunkel

Mit rund 350 Exponaten will Wunderlin nun die Wandlung "vom grossen Heiligen zur Ikone des Weihnachtskommerzes" beleuchten, wie der Untertitel der Ausstellung andeutet.

Er beginnt bei den Anfängen der Verehrung in alter Zeit. Die meisten Objekte stammen aus der museumseigenen Sammlung. "Wir haben etwa 100'000 Objekte im Haus, darunter auch vieles aus der religiösen Volkskunde und zum Jahreslauf-Brauchtum", erklärt Wunderlin.

Nachdem die Wunder-Geschichten mit der Überführung der Gebeine des heiligen Nikolaus nach dem italienischen Bari auch in Europa bekannt wurden, wandelte sich das Bild des Heiligen bereits erstmals Richtung Weihnachtsmann, begleitet von Figuren wie Knecht Ruprecht.

Keine Berührungsängste

Dann, vor etwas mehr als hundertfünfzig Jahren, erschien in Deutschland ein Bilderbogen mit Herr Winter, der dem heutigen Weihnachtsmann bereits täuschend ähnlich sah. Eine rundliche, gemütlich und nett wirkende Figur mit prächtigem Bart.

Auch die weitere Entwicklung der Figur in Amerika und Europa zeigt die Ausstellung. Sie macht dabei nicht Halt vor dem heutigen Santa Claus in allen Varianten und Auswüchsen, die zum Teil Augen und Ohren beleidigen. Bewusst provoziert Wunderlin hier und verleitet zum Nachdenken.

"Ich muss als moderner Kulturwissenschafter natürlich offen sein, auch gegenüber diesen 'Absonderungen' unseres Volksgeschmackes", schmunzelt er. "Wobei es sehr subjektiv ist, wo der Kitsch beginnt oder aufhört."

Die grösste Herausforderung an ihn als Ausstellungsmacher sei gewesen, "diesen Spagat zu machen zwischen dem religiösen Teil mit dem Nikolaus und dem profanen, säkularen Teil mit dem Santa Claus".

Kein Zeigefinger

"Das ist schon ein Ziel, den Blick hinter diese Fassade, hinter diesen heutigen Weihnachtsmann zu werfen. Um wieder zu erfahren, woher diese Figur eigentlich kommt", sagt Wunderlin.

Es kommen denn auch viele Schulklassen in die Weihnachts-Ausstellung, die dem Mythos Weihnachtsmann auf den Grund gehen will.

Doch Wunderlin betont: "Ich möchte nicht den Pädagogen mit dem Zeigefinger spielen. Diesen Prozess sollen die einzelnen Besuchenden selber machen."

swissinfo, Christian Raaflaub, Basel

Fakten

Der heilige Nikolaus wurde um 270 in der heutigen Türkei geboren.
Zwischen 330 und 350 soll er als Bischof in Myra bei Antalya tätig gewesen sein.
1087 wurden seine Gebeine nach Bari (Italien) überführt.
Um 1100 wird eine Finger-Reliquie nach Lothringen (Frankreich) gebracht; der Anfang des Kults um den heiligen Nikolaus in Nordeuropa.
Zwischen 1847 und 1863 veröffentlichen verschiedene Zeichner dies- und jenseits des Atlantiks Versionen des Weihnachtsmanns in rot-weiss, die das heutige Bild prägten.
Seit 1931 ist der Weihnachtsmann Werbeträger für Coca-Cola.

Infobox Ende

Neuer Inhalt

Horizontal Line


Externer Inhalt

Warum fehlt die weibliche Kunst in den Schweizer Museen?

SWI plus Banner

  • Relevante Meldungen kompakt aufbereitet
  • Fragen und Antworten für die Fünfte Schweiz
  • Diskutieren, mitreden und vernetzen

Mit einem Klick ein Plus für Sie!


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.