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Schweiz feiert am Filmfestival in Sarajevo mit


Das Sarajevo Filmfestival, das in den Kriegswirren der 1990er-Jahre aus der Taufe gehoben wurde, hat zum 12. Mal seine Tore geöffnet. Zu sehen sind auch Schweizer Filme.

Das Filmfestival unterhielt von Anfang an besondere Beziehungen zur Schweiz.

Sarajevo im Jahr 1994: Es ist Krieg, die Stadt ist seit zwei Jahren belagert. Unter diesen widrigen Umständen reist Marco Müller, damals Direktor des Filmfestivals von Locarno, in die bosnische Hauptstadt und bringt Filme mit.

Vor Ort wartet Mirsad Purivatra, der ein Filmfestival plant. Die erste Ausgabe im Sommer 1995 wird ein Grosserfolg: 15'000 Menschen kommen und sehen 37 Filme aus 15 Ländern. Für Menschen, die jahrelang nur unter Todesgefahr auf die Strasse können, hat eine Filmvorführung eine besondere Bedeutung.

Schweiz wichtigste Partnerin

"Das Filmfestival ist heute eine der wichtigsten Kulturveranstaltungen der Region, wirkt weit über die Grenzen von Bosnien und Herzegowina hinaus und auch friedensfördernd", sagt Wolfgang Amadeus Brülhart, Chef der Sektion Menschenrechtspolitik im Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

"Die Kultur war von Anfang an Teil der Schweizer Wiederaufbauhilfe. Das Festival bestätigt die Richtigkeit dieses Ansatzes", erläutert Brülhart. Er war von 1996 bis 1998 Kulturrat der Schweizer Botschaft in Sarajevo.

Nach dem Friedensvertrag von Dayton 1995 wird die Schweiz eine der wichtigsten Partnerinnen des Festivals: "Mit der zweiten Ausgabe begann die Zusammenarbeit mit der offiziellen Schweiz", erinnert sich Festivalpräsident Purivatra.

"Die Schweiz finanzierte den Wiederaufbau des 'Obala Meeting Point' mit, damals das Zentrum und bis heute einer der Hauptschauplätze des Festivals."

Menschenrechtspreis initiiert

Zum zehnten Jubiläum initiierte die Schweiz den Menschenrechtspreis "Human Rights Award" für regionale Dokumentarfilme.

Der Preis liegt Brülhart besonders am Herzen: "Gemeinsam mit dem Festivalpräsidenten Mirsad Purivatra sind wir überzeugt, dass ein langfristiger Frieden nur unter der Förderung und Respektierung der Menschenrechte gelingt. Das Medium Film eignet sich dafür sehr."

Gerade Jugendliche würden angesprochen und Kinder aus der serbischen Teilrepublik mit Jugendlichen in Sarajevo zusammengebracht.

Auf dem Jugendprogramm steht auch der Schweizer Kassenschlager "Mein Name ist Eugen" von Michael Steiner.

Internationale Ausstrahlung

Das Filmfestival habe auch zum Filmschaffen im Land selbst beigetragen: Mit dem Oscar für "Niemandsland" von Danis Tanovic und mit dem goldenen Bären für "Grbavica" von Jasmila Zbanic erhielt es internationale Bedeutung.

Am Festival in der bosnischen Hauptstadt werden über 100'000 Gäste aus aller Welt erwartet. Auf dem Programm stehen 180 Filme.

Präsident der Dokumentarfilmjury ist dieses Jahr der Schweizer Filmemacher Peter Liechti. Er war 1997 mit seinem Spielfilm "Marthas Garten" in Sarajevo zu Gast.

Höhepunkt des diesjährigen Festivals ist aus Schweizer Sicht die Teilnahme von Andrea Staka im Hauptwettbewerb. Die Zürcher Regisseurin hat ihre Wurzeln in Ex-Jugoslawien. Ihr Film "Das Fräulein" hat am diesjährigen Festival in Locarno den Goldenen Leoparden gewonnen.

swissinfo und Reto Aschwanden (InfoSüd)

Sarajevo Film Festival

Die 12. Ausgabe des "Sarajevo Film Festival" (SFF) findet vom 18. bis 26. August 2006 statt.

2005 erhielt Marco Müller, ehemaliger Direktor des Filmfestivals Locarno, einen SFF-Ehrenpreis für sein Engagement.

Neben dem Bund hat auch die Wirtschaft das junge Festival unterstützt: Die damalige Swissair war einer der ersten privaten Sponsorinnen.

Auch die Schweizer Bevölkerung stand dem SFF zur Seite: Das Fernsehen brachte 1996 in einer Spendenaktion 70'000 Franken zusammen. Damit wurden Stühle für das Openair Kino auf der "Piazza Piccola" gekauft.



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