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Sophie Taeuber-Arp


Aus dem Verborgenen heraus auf die 50-Franken-Note




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Wer eine 50-Franken-Note genau anschaut, findet darauf das Gesicht der Schweizer Künstlerin Sophie Taeuber-Arp. Lange verkannt, steht diese Pionierin der Moderne im Zentrum einer grossen Retrospektive in der Schweiz. Doch viele kennen den Namen der Frau auf der Banknote bis heute noch nicht.

Schweizer Banknoten: Giacomette, Taeuber-Arp, Honegger. (AFP)

Schweizer Banknoten: Giacomette, Taeuber-Arp, Honegger.

(AFP)

Diese Situation zeigt sich treffend bei einem Blick in den Polizeibericht zum Unfalltod von Sophie Taeuber-Arp, die im Schlaf an Kohlenmonoxid erstickte, das aus ihrem Ofen strömte: Als "Hausfrau" wurde sie in dem Polizeibericht beschrieben.

In der Tat war Taeuber-Arp Malerin, Bildhauerin, Designerin, Textilgestalterin und Tänzerin, sowie die Ehefrau ihres Künstlerkollegen Jean (Hans) Arp. Sie hatte ein meisterhaftes Auge für Form, Farbe und Material, in Kombinationen, die bis heute frisch und lebhaft wirken.

Dies wird deutlich in der grössten Retrospektive ihrer Kunst – mehr als 300 Werke, darunter farbenvolle Textilien, elegante Möbel und gewagte geometrische Figuren – im Aargauer Kunsthaus, das sie als "eine der wichtigsten Schweizer Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts" bezeichnet.

Doch wie der folgende Beitrag des Schweizer Fernsehens SRF zeigt, bleibt Taeuber-Arp für einen Grossteil der Schweizer Bevölkerung ein Enigma, obschon ihr Bild seit rund 20 Jahren die 50-Franken-Banknote ziert.

Thomas Schmutz, der Kurator der Ausstellung "Heute ist Morgen", hat einige Theorien, weshalb Taeuber-Arp weniger bekannt ist, als sie sein könnte. "Ein Grund ist, dass es zu jener Zeit, in den 1920er- bis 1930er-Jahren, von Bedeutung war, mit Öl auf Leinwand zu arbeiten, um als Künstler bekannt zu werden, so schuf man Meisterwerke. Sich hingegen mit Innendekoration zu befassen oder mit Textilien zu arbeiten, zog keine sofortige Anerkennung nach sich", erklärte er gegenüber swissinfo.ch.

Ansehen

So waren zum Beispiel die modernen Marionetten, mit ihren geometrischen Formen und exponierten Gliedern, die Taeuber-Arp für ein Marionettentheater schuf, zur damaligen Zeit kaum gewürdigt worden. "Heute gelten diese Marionetten als ausserordentlich", sagte Schmutz.

Ein anderer Grund, wieso sie relativ unbekannt blieb, war, dass sie solange sie lebte, in gewisser Weise im Schatten ihres Ehemanns Jean Arp stand, dem Dada-Mitbegründer und Pionier der abstrakten Kunst. Er trug auch nach ihrem Tod nicht viel zu ihrem Ansehen bei.

"Der Tod seiner Frau war sehr schmerzhaft für ihn, und so übertrieb er etwas damit, wie sehr sie eine Träumerin gewesen sei und alles intuitiv getan habe", erklärte Schmutz weiter.

In der Tat aber habe sie die Fähigkeit gehabt, das Richtige zum richtigen Zeitpunkt zu tun, und zwar qualitativ hochstehend, sagte Schmutz. Sie war es auch, die das Paar finanziell über Wasser hielt.

Aus dem Appenzell zu Dada

Sophie Taeuber-Arp wurde 1889 geboren und wuchs im Appenzell auf, in Trogen, in einem aufgeschlossenen Umfeld, in dem Unabhängigkeit und kulturelle Interessen gefördert wurden.

Nach Kunst- und Textilstudien in St. Gallen und in Deutschland liess sie sich in Zürich nieder, wo sie an der Kunstgewerbeschule als Lehrerin für textiles Entwerfen arbeitete.

Durch den in Strassburg geborenen Arp, den sie 1922 heiratete, kam sie in Kontakt mit der Dada-Bewegung und deren Basis im Cabaret Voltaire in Zürich.

Taeuber-Arp trat selber als Tänzerin im Cabaret Voltaire auf und entwarf eine Serie abstrakter "Dada"-Köpfe – kleine Holzskulpturen auf Stäben. Um ihre Stelle nicht zu verlieren, hatte sie allerdings ihre Verbindungen zu der rebellischen Kunstbewegung geheim halten müssen.

1929 zog das Paar nach Paris um, und Taeuber-Arp konnte sich endlich auf ihre Kunst konzentrieren: Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehören die wunderbar proportionierten Möbel und runden Holzreliefs, die während dieser Zeit entstanden.

Doch nachdem die Nazis 1940 in Paris einmarschiert waren, sah sich das Paar zur Flucht gezwungen, über Südfrankreich ging es zurück in die Schweiz. Taeuber-Arp starb 1943, kurze Zeit nach ihrer Rückkehr, im Alter von erst 54 Jahren.

Über die Schweiz hinaus – in den USA

Nach Jahrzehnten, in denen sie ziemlich in Vergessenheit geraten war, ehrte das Museum of Modern Art (MoMA) in New York Taeuber-Arp 1981 mit einer Retrospektive und brachte die Künstlerin zurück auf den Radar der internationalen Kunstszene. Das MoMA hat heute acht Werke der Künstlerin und ist, zusammen mit dem Centre Pompidou in Paris, die bekannteste Institution mit Werken von Taeuber-Arp.

In der Ausstellung im Aargauer Kunsthaus sind auch Leihgaben aus internationalen Museen zu sehen. Die Yale University Gallery , aus deren Sammlung die Gedrechselte Holzskulptur (1937) zu sehen ist, ist eine der wenigen anderen Institutionen in den USA mit einem Werk von Taeuber-Arp.

Pamela Franks, Kuratorin der Abteilung Moderne und Zeitgenössische Kunst der Yale-Galerie, erklärte, das Werk habe eine "kraftvolle skulpturale Präsenz" und sei ein wichtiger Bestandteil der renommierten Société-Anonyme-Sammlung Moderner Kunst der Galerie. Jean Arp hatte die Skulptur der Galerie 1950 in Erinnerung an seine verstorbene Frau geschenkt, nachdem er sich ein Jahr zuvor bei einem Besuch beeindruckt gezeigt habe von der oben erwähnten Sammlung, erklärte Franks.

… und auch anderswo in Europa

Andere internationale Museen haben ein einziges Werk und setzen dieses in Verbindung mit anderen Kunstbewegungen in Europa aus jener Zeit. So besitzt das Museum Kröller-Müller in Otterlo in den Niederlanden – das die zweitgrösste Sammlung von Van-Gogh-Bildern beherbergt – das weisse Relief Parasols (1938), das in der Schweizer Ausstellung nicht zu sehen ist.

"Dieses Werk ist ein schönes Beispiel für den freieren, expressiveren Stil, den Taeuber-Arp ab etwa 1938 zu entwickeln begann", sagte Lisette Pelsers, die Direktorin des Museums. "Dazu kommt, dass ihre enge Beziehung zu Theo van Doesburg und natürlich zu Jean Arp, die in der Sammlung ebenfalls vertreten sind, für unser Museum von Bedeutung ist."

Van Doesburg war ein Gründer der in Paris angesiedelten Künstler-Vereinigung Abstraction-Création, der auch Taeuber-Arp angehörte.  Das Paar entwarf die Dekoration für das Café Aubette in Strassburg, das als Sixtinische Kapelle der Abstrakten Kunst bezeichnet wird, ein Auftrag, der den Arps half, sich später in der Nähe von Paris niederzulassen.

Taeuber-Arp war auch eine der acht Frauen im Herzen der Ausstellung Women of the Avant-Garde von 2012 im Louisiana Museum of Modern Art in Dänemark. Das Louisiana besitzt die Arbeit "Equilibre" (1932), ein "bedeutendes Werk" in der Abteilung Konkrete und Konstruktivistische Kunst des Museums, erklärte Kristen Degel, Kuratorin und Leiterin der Sammlung.

Für Degel kann Taeuber-Arp als zentrale Künstlerin zwischen der Bauhaus-Kunstbewegung, die Handwerk und Kunst kombinierte, sowie der abstrakten De-Stjil- und Abstraction-Création-Bewegungen gesehen werden.

Und, um zurückzukehren in die Schweiz: Hier befindet sich Sophie Taeuber-Arp mit dem Künstler Alberto Giacometti auf der 100-Franken-Note und dem Architekten Corbusier auf der 10-Franken-Note ebenfalls in guter künstlerischer Gesellschaft.


(Übertragung aus dem Englischen: Rita Emch), swissinfo.ch

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