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Umstrittene Herkunft des Aperitifs "Suze"

Werbeplakat für "Suze". 

(Pernod SA)

Über die Ursprünge des besonders in Frankreich beliebten Aperitif-Getränks "Suze" scheiden sich die Geister.

Für die einen ist es die Millionenstadt Paris, für die anderen jedoch ein kleiner Ort im Berner Jura, das 1000-Seelendorf Sonvilier.

Für die Franzosen ist klar: Das Rezept für das bittere Aperitif-Getränk "Suze" wurde 1885 in der Nähe von Paris erfunden. Daran lässt auch die heutige Destillerie-Besitzerin, die französische Pernod-Ricard-Gruppe, keinen Zweifel.

Das Rezept stamme von einem gewissen Fernand Moureaux, die Marke gehe auf das Jahr 1889 zurück, heisst es dort.

Enzianwurzeln

Der Pariser Industrielle Moureaux wollte einen Aperitif herstellen, der nicht auf der Basis von Wein produziert wird, wie viele Aperitif-Getränke am Ende des 19. Jahrhunderts. Deshalb verwendete er für sein Getränk die Wurzeln des gelben Enzian. Das Gebräu nannte sich zuerst "Picotin".

Ab 1898 wurde der Aperitif breiter vermarktet und 1922 die Destillerie "Suze" gegründet. Der Name "Suze" soll auf eine Schwägerin des Erfinders, Suzanne Jaspart, zurückgehen.

Gold der Alpen

Doch ganz so sicher sind die Ursprünge des beliebten Getränks möglicherweise nicht. Auch Sonvilier, ein 1000-Seelendorf im Berner Jura, erhebt Anspruch.

Alte Leute in Sonvilier erinnern sich, dass ein gewisser Hans Kappeler das Rezept erfunden habe. Kappeler habe das Getränk damals den Bauern in der Umgebung unter dem Namen "Gold der Alpen" verkauft.

Ruiniert und krank sei Kappeler schliesslich gezwungen gewesen, das Rezept einem französischen Industriellen zu verkaufen.

Verkauf um 1914

"Schwer zu sagen, wer Recht hat", sagt dazu der in La Plagne im Berner Jura wohnhafte Schriftsteller Raymond Bruckert, der sich eingehend mit dem Thema befasst hat. Er glaube aber dennoch, dass Kappeler der eigentliche Erfinder sei, auch wenn dies nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden könne.

Als Kappeler das Rezept verkauft habe, soll er zu dem Industriellen gesagt haben: "Sie werden sehen, ihr Getränk fliesst in Frankreich wie hier der Bach Suze vor unseren Füssen. Gemäss Bruckerts Recherchen soll der Verkauf um 1914 stattgefunden haben.

Auch andere Elemente könnten in Richtung Berner Jura weisen. Hauptbestandteil von "Suze" ist der gelbe Enzian, der auf den Weiden des Berner Juras prächtig gedeiht.

Ferner hat auch eine Tochter von Hans Kappeler 1995 im hohen Alter von 95 Jahren bestätigt, dass ihr Vater das Rezept einem französischen Industriellen verkauft habe.

Dokumente aus Museum verschwunden

Die Marke "Suze" datiert aus dem Jahr 1889, der Rezeptverkauf in Sonvilier soll um das Jahr 1914 stattgefunden haben. Dies lässt Raum für verschiedene Spekulationen.

Hat Moureaux allenfalls nach seinem Besuch in Sonvilier sein eigenes Rezept geändert? Oder hat er mit dem Kauf des Rezepts gar einen unliebsamen Konkurrenten ausschalten wollen?

Die Wahrheit wird wohl nie ans Licht kommen. Leider liess Kappeler seine Erfindung nicht registrieren. Und schliesslich ist auch ein Ordner mit Dokumenten zum Fall vor einigen Jahren auf mysteriöse Weise aus einem kleinen Museum in Sonvilier verschwunden.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Um die Herkunft des Apero-Getränks "Suze" ist ein Streit entbrannt.

Der französische Hersteller Pernod-Ricard beharrt darauf, dass das Getränk in Paris erfunden worden sei.

Auf der anderen Seite erhebt auch die Gemeinde Sonvilier im Berner Jura Anspruch auf die Idee.

Pikantes Detail: Der Bach, der durch Sonvilier fliesst, heisst ebenfalls Suze.

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