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Von der gegenständlichen zur abstrakten Kunst

Das Kunstmuseum Basel zeigt eine repräsentative Auswahl von Werken Wassily Kandinskys, einer Schlüsselfigur der abstrakten Kunst.

Die in Zusammenarbeit mit der Tate Modern in London konzipierte Ausstellung konzentriert sich auf die Jahre 1908-1921, einer entscheidenden Phase im Leben des russischen Künstlers.

"1908 kommt Kandinsky nach Murnau. Dort findet sein erster grosser Wandel statt", sagt Bettina Kaufmann, Ko-Kuratorin der Ausstellung. Das Ende der Werkschau fällt auf das Jahr 1921. Damals kehrte Kandinsky aus Russland nach Deutschland zurück, um auf Einladung von Walter Gropius am Bauhaus zu unterrichten. "In diesem Moment ist die wichtigste Entwicklungsphase zu Ende", so Kaufmann.

Ausgangspunkt der Ausstellung sind Bilder, in denen Kandinsky über die Grenzen des Expressionismus hinaus geht. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits 42 Jahre alt.

In den Gemälden von Murnau ist das Gegenständliche der Ortschaft noch sichtbar. Doch durch die Veränderung von Formen oder die Zuspitzung von Farben geht die malerische Umsetzung des Dorfes über ein reines Abbild hinaus.
Die Freiheit der Darstellung geht in den darauf folgenden Werken immer weiter. Murnau ist nach wie vor ein Sujet, doch Formen und Farben gewinnen an Autonomie und Intensität, während räumliche Elemente in den Hintergrund treten.

Musik und Farbe

Kandinsky ist auf der Suche nach einer Sprache, welche die in Formen und Farben enthaltenen geistigen Elemente zum Ausdruck bringen. Er glaubt, dies erreichen zu können, indem er naturalistische Elemente aus seiner Malerei entfernt.

Im vierten Kapitel seines theoretischen Werks "Über das Geistige in der Kunst" vergleicht er die verschiedenen Künste und schreibt: "Die grösste Lehre kommt von der Musik. Abgesehen von einigen Ausnahmen ist die Musik schon seit Jahrhunderten eine Kunst, die ihre Mittel nicht benutzt, um natürliche Erscheinungen abzubilden, sondern um die Psyche des Künstlers zu spiegeln und ein Klangleben zu erzeugen."

Genauso wie die Musik soll sich auch die Malerei gemäss Kandinsky von der Nachahmung der Natur lösen und abstrakt werden.

Geistige und künstlerische Wende

Zwischen 1910 und 1913 spitzt Kandinsky seine Theorie immer weiter zu. Seine Kunst gleicht zusehends der Musik, und die Farben ähneln Tönen.

Der Künstler entwirft drei Gruppen von Werken, die – analog zur Musik – Impressionen, Improvisationen und Kompositionen heissen. In der ersten Gruppe sind die Vorlagen aus der Natur noch sichtbar. Bei den Improvisationen kommt der Ansporn aus dem spontanen Inneren und Unterbewusstsein des Künstlers. Bei den Kompositionen greift der Maler wieder bewusst in die Darstellung ein.

In Basel ist "Komposition VII" aus dem Jahr 1913 zu sehen, laut Kandinsky eines seiner Schlüsselwerke. Auf den ersten Blick erscheint dieses grosse Gemälde abstrakt, doch bei genauerem Hinsehen wird eine detaillierte Ikonografie deutlich.

Die russischen Bilder

Die Ausstellung beleuchtet auch einige weniger bekannte Bilder, die Kandinsky während seines Russland-Aufenthaltes zwischen 1915 und 1921 realisierte. In "Roter Platz" (1916) wird das typische Feuerwerk der Farben mit der Wiederaufnahme einiger gegenständlicher Abbildungen angereichert.

In "Graues Oval", "Dämmerung" und "Verstörung" scheinen die Farben schwarz und grau sowie die Dynamik der Linienführung die eigene Orientierungslosigkeit des Künstlers angesichts der politischen Umwälzungen im Russland von 1917 zu spiegeln.

Ideale Lichtverhältnisse

Die Ausstellung in Basel ist zusammen mit der Tate Modern in London entstanden. Dort wurde sie bereits gezeigt.

Für die Basel wurden einige Änderungen vorgenommen. Während in London auch Zeichnungen und Aquarelle ausgestellt wurden, konzentrierte man sich in Basel auf die Malerei. "Die Lichtverhältnisse gaben den Ausschlag", sagt Bettina Kaufmann. Für Zeichnungen brauche man abgedunkelte Räume. "Doch hier in Basel haben wir helle Räume mit schönem Lichteinfall von oben."

Dazu kam die Aufteilung der Räume. Die durchgehenden, aneinander gereihten Ausstellungssäle erlaubten eine chronologische Anordnung der Bilder – von den Murnau-Bildern bis zur russischen Phase. "Die russischen Bilder werden ganz selten gezeigt und kommen hier besonders schön zur Geltung", so Kaufmann.

swissinfo, Paola Beltrame, Basel
(Übertragung aus dem Italienischen: Gerhard Lob)

In Kürze

Wassily Kandinsky wird am 4.Dezember 1866 in Moskau geboren. Er besucht das Gymnasium in Odessa. Nebenbei nimmt er Klavier-, Cello- und Zeichenunterricht.

An der Universität Moskau studiert er Rechtswissenschaften.

1896 zieht er nach München um und widmet sich vollständig der Malerei.

1911 gründet Kandinsky zusammen mit Franz Marc den "Blauen Reiter" und veröffentlicht sein theoretisches Hauptwerk "Über das Geistige in der Kunst".

Zwischen 1911 und 1913 verwirklicht er die ersten wichtigen abstrakten Werke.

1914 kehrt er nach Moskau zurück, um dieser Stadt 1921 definitiv den Rücken zuzuwenden.

Er zieht nach Deutschland um, unterrichtet am Bauhaus, zuerst in Weimar, dann in Dessau und schliesslich in Berlin.

Nachdem die Schule 1933 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde, siedelt er nach Neuilly-sur-Seine über. Dort stirbt er am 13.Dezember 1944.

Fakten

Die Ausstellung "Wassily Kandinsky: Malerei 1908-1921" im Kunstmuseum Basel ist bis 4. Februar 2007 offen.

Die Sammlung moderner Kunst im Kunstmuseum Basel befindet sich auf der gleichen Ebene wie die Sonder-Ausstellung zu Kandinsky.

Dies erlaubt es, das Werk des russischen Künstlers in das Umfeld der grossen Maler seiner Zeit einzubetten.



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