Your browser is out of date. It has known security flaws and may not display all features of this websites. Learn how to update your browser[Schliessen]

Winterspiele 2022: Warum nicht in der Schweiz?


Von Michela Montalbetti, Magglingen


Sportminister Ueli Maurer am Treffen in Magglingen: Sind Olympische Winterspiele in der Schweiz mehr als eine Utopie? (Keystone)

Sportminister Ueli Maurer am Treffen in Magglingen: Sind Olympische Winterspiele in der Schweiz mehr als eine Utopie?

(Keystone)

Nach der Enttäuschung von Sitten 2006 macht sich in der Schweiz erneut die Idee breit, Olympische Winterspiele auszurichten. Entfacht wurde die Flamme anlässlich des traditionellen Magglingertages, organisiert vom Schweizer Sportministerium.

Seit den Winterspielen in St. Moritz 1928 und 1948 war die Schweiz nie mehr Gastgeberin für Olympia.

Seither hatte sich das Land ein paar Mal für die Organisation solcher Spiele beworben und war mit der Kandidatur von Sion 2006 sogar unter die letzten zwei Finalisten gekommen.

Doch zur Überraschung der Schweizer Organisatoren sprach das Internationale Olympische Komitee (IOC) diese Winterspiele schliesslich Turin zu.

Für einige Zeit waren Olympische Winterspiele in der Schweiz kein Thema mehr. Die Enttäuschung der Kandidatur von Sion dämpfte den Enthusiasmus im Land.

Doch in den letzten zwei Jahren gab es einige Änderungen: Im Parlament wurden mehrere Vorstösse eingereicht, und die Schweizer Regierung hat kürzlich ihr Interesse bekundet, der Frage erneut nachzugehen.

Begeisterung wecken

Es war dann auch am Tag des nationalen Sportzentrums in Magglingen, als das Thema wieder aktuell wurde: Sportminister Ueli Maurer unterstrich, dass die Schweiz über die Möglichkeiten verfüge, Olympische Winterspiele zu organisieren, und dass die Regierung "je nach Rahmenbedingungen" eine Kandidatur unterstützen würde.

Der Bundesrat erinnerte auch daran, dass es besser wäre, eine "Schweizer" Kandidatur einzureichen, unabhängig davon, ob der genaue Standort erst später ausgewählt werden könnte. Zuerst gehe es alleine darum, in der Bevölkerung die Begeisterung für Olympia zu wecken.

Gian-Franco Kasper, Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS und Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees IOC, erklärte, das Komitee habe kürzlich seine Position betreffend Standorten der Spiele revidiert.

So sollen kleinräumigere Standorte zum Zug kommen, bei denen die Austragungsorte der einzelnen Sportarten nicht weit auseinander liegen. Dies käme einer Schweizer Kandidatur entgegen, zum Beispiel der beiden Wintersportorte St. Moritz und Davos.

Schweizer Image verstärken

Die Schweiz hat guten Grund, sich als Wiege des Wintersports zu bezeichnen. Laut Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus, wären Winterspiele eine Gelegenheit, dieses Image zu verstärken. Solche Spiele hätten auch positive Auswirkungen auf die Tourismusbranche, den drittgrössten Exportsektor der Schweiz.

Olympische Winterspiele in der Schweiz wären aber nicht nur eine grosse Marketing-Operation: Sie würden dem Wintertourismus auch erlauben, seine Infrastrukturen zu erneuern oder neue Anlagen zu bauen.

Viele Hindernisse

Der Weg dorthin ist aber lang und steinig. Das IOC wird im Juli 2015 die Spiele für 2022 vergeben. Bis zu diesem Tag der Entscheidung müssen verschiedene Ebenen der Vorbereitung durchschritten werden.

Eine erste ist bereits für Freitag, 19. November, vorgesehen: Swiss Olympic, die Dachorganisation der Schweizer Sportverbände, muss entscheiden, ob die für eine Kandidatur nötigen Vorarbeiten mit den verschiedenen Gruppen in Angriff genommen werden sollen. Jörg Schild, Präsident des Vereins, rechnet mit einem Ja.

In diesem Fall würde sich Sportminister Ueli Maurer im nächsten Januar mit Vertretern der interessierten Regionen treffen. Gemeldet haben sich bisher Graubünden, Genf und die Zentralschweizer Wintersport-Destination Andermatt.

Zu einem weiteren Hindernis für eine Schweizer Kandidatur könnte der für die Spiele 2018 auserkorene Austragungsort werden: Falls jene Winterspiele in Europa stattfinden würden (Kandidaten München oder Annecy), könnte dies laut Jörg Schild die Schweizer Chancen für 2022 verringern und eine Kandidatur möglicherweise bis 2026 verzögern.

Warten und hoffen

Am 6. Juli 2011 entscheidet das IOC in dieser Frage. Wird die dritte Kandidatur, Pyeongchang in Südkorea, die Spiele erhalten, stehen die Schweizer Chancen also wesentlich besser.

Im Oktober 2013 müsste die Schweiz dann ihre Kandidatur offiziell verkünden. Im Juli 2014 wird das IOC die für die Olympischen Winterspiele im Jahr 2022 ausgewählten Kandidaten ernennen. Kommt die Schweiz als offizielle Kandidatin in die Kränze, muss sie nur noch ein Jahr warten und hoffen.

Kritische Stimmen

Nicht für alle aber ist eine Olympia-Kandidatur erstrebenswert: Während in der Schweiz wieder über mögliche Winterspiele geredet wird, sehen mehrere Umweltverbände rot.

Neben erhöhtem Energieverbrauch, Umweltverschmutzung und Schäden an der Umwelt seien Olympische Spiele zu Monster-Anlässen mutiert, welche die Landschaft auf Dauer verändern würden, hiess es. So sind die Olympischen Dörfer und andere Einrichtungen in Städten wie Turin, Salt Lake City oder Vancouver bereits am auseinanderfallen.

Wie Lillehammer?

Wenn das IOC wirklich eine andere, konzentriertere Art von Olympischen Winterspielen will, dann könnte die Schweiz tatsächlich eine Kandidatur präsentieren. Kasper erinnert daran, dass dies technisch möglich sei. Es genüge, das wirklich zu wollen und von der eigenen Wahl überzeugt zu sein.

Alle haben noch die Bilder der Winterspiele in Lillehammer 1994 in Norwegen im Kopf: ein kleines, verschneites Dorf. Und Bundesrat Ueli Maurer fragt sich: "Wenn die Schweiz mit ihrem Standard die Spiele nicht durchführen könnte, wer könnte sie dann durchführen?"

Die interessierten Regionen

Der Kanton Graubünden ist mit mehreren Orten an einer Kandidatur interessiert.

St. Moritz und Davos verfügen bereits grösstenteils über die notwendigen Infrastrukturen: St. Moritz hat die einzige olympische Bob-Bahn der Schweiz sowie zahlreiche Ski- und Langlaufpisten, in Davos gibt es Kunsteisbahnen für verschiedene Disziplinen.

Eine weitere interessierte Region ist die Innerschweiz mit Andermatt, Kanton Uri: Der ägyptische Investor Sawiris hat sich bereit erklärt, die Kandidatur Andermatts zu unterstützen.

Die dritte Region ist Genf: Die Stadt am Genfersee ist seit mehreren Jahren an einer Kandidatur interessiert und unterstützt ihre französische Nachbarstadt Annecy für die Kandidatur 2018.

Gescheiterte Kandidaturen

Die Schweiz kandidierte mit Sitten, der Hauptstadt des Kantons Wallis, 2002 und 2006 sowie zusammen mit Bern 2010 für die Olympischen Winterspiele.

Die Kandidatur Berns musste zurückgezogen werden, weil die Stimmbürger in einem Referendum das dafür notwendige Budget ablehnten.


(Übertragung aus dem Italienischen: Christian Raaflaub), swissinfo.ch



Links

×