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Tourismus-Vision mit Fragezeichen


Sawiris beschwichtigt Kritiker von Andermatt-Projekt


Von Susan Vogel-Misicka


 (Keystone)
(Keystone)

Der ägyptische Milliardär Samih Sawiris ist überzeugt, dass sein Luxus-Tourismusprojekt Andermatt Swiss Alps zum Erfolg wird. Es gibt aber Fragezeichen. swissinfo.ch hat sich auf der riesigen Baustelle in den Urner Alpen umgesehen.

Nackter Beton, offene Leitungen und Staub, soweit das Auge reicht. Es lässt sich kaum erahnen, dass hier bald ein Luxushotel stehen soll.

Der Bauleiter führt die Gruppe Journalisten – das Schutzhelm-Obligatorium gilt auch für sie – eine enge und kaum beleuchtete Treppe hoch, die an einen Notausgang in einem Parkhaus erinnert. Die Überraschung ist gross, als wir oben um die Ecke in eine elegant eingerichtete Luxus-Wohnung kommen, die aufgrund des Kontrasts mit der Baustelle rundherum besonders glamourös wirkt.

Vor dem Baustellen-Rundgang haben Grossinvestor Sawiris und seine wichtigsten Partner über den neuesten Stand des ambitionierten Projektes informiert. So schoss der Initiant 150 Mio. Franken eigenes Geld ein, um die Finanzierung bis 2017 sicherzustellen. Der Resort wird Hotels, Chalets, Golfplatz und einen Wellness-Bereich umfassen. Nicht zu vergessen das grosse Skigebiet, das auf Sedrun auf der Bündner Seite des Oberalp-Passes ausgeweitet wurde.

Von swissinfo.ch gefragt, was im Falle eines Scheiterns für ihn das Schlimmste wäre, antwortet Sawiris, dass ein Fehlschlagen ausser Frage stünde.

"Ich bin niemand, der nur etwas tut, wenn es Profit abwirft", entgegnet der Ägypter. "Ich geniesse den Erfolg, und hier besteht er genau genommen darin, dass ich eine Schweizer Tourismus-Destination schaffe." Dies sei ihm viel Geld wert, und ob er dabei reicher werde oder nicht, sei nicht das Thema.

Es ist kein Geheimnis, dass es mit dem Verkauf der Luxus-Apartments harzt. Trotzdem beharren die Investoren darauf, dass sämtliche Arbeiten, sei es der Bau des Luxushotels The Chedi oder die Schaffung der Skiarena Andermatt-Sedrun, nach Plan verlaufen.

Projekt Andermatt Swiss Alps

Investitionsvolumen: 1.8 Mrd. Franken

Fläche: 1,4 Mio. Quadratmeter

Sechs Vier- und Fünfstern-Hotels mit rund 850 Zimmern

Rund 500 Apartments und 25 Privatvillen

35'000m2 Geschäftsfläche

Sport- und Freizeit-Zentrum

Kongress- und Konzerthalle für 600 Personen

Rund 2000 Parkplätze

Golfplatz mit 18 Löchern

Skiarena Andermatt-Sedrun

Das Hotel Chedi soll seine Türen im Dezember 2013 öffnen.

Die ersten Apartments sollen 2014 bezugsbereit sein.

(Quelle: Andermatt Swiss Alps)

Zu ambitiös?

Von Anfang an gab es Stimmen, die das Projekt Andermatt Swiss Alps als zu gross für die kleine und teure Schweiz bezeichneten.

Urs Hirt, Journalist beim Schweizer Reisemagazin Travel inside, hat die Entwicklungen in Andermatt von Anfang genau an verfolgt. Zu Beginn ein Kritiker, ist Hirt heute vom Gelingen überzeugt, auch wenn er davon ausgeht, dass es Jahre dauern werde, bis der Resort etabliert sei.

"Entscheidend ist nicht nur die Schaffung des Hotels, der Apartments und Villen. Es braucht auch die richtige Infrastruktur, und die Destination muss im Winter wie Sommer funktionieren."

Noch ist die Infrastruktur nicht parat. Dies bewog Simon Malster, Direktor des britischen Unternehmens Investors in Property, aus dem Projekt auszusteigen, in gegenseitigem Einvernehmen, wie Malster gegenüber swissinfo.ch betont.

"Grundsätzlich sollen die Käufer der Apartments auch die Infrastruktur bezahlen. Der Quadratmeter einer Luxuswohnung kostet 18'000 Franken, was sehr viel Geld ist. Damit werden die ganzen Einrichtungen finanziert", sagt der Immobilienhändler.

Zum Vergleich: In Engelberg, punkto Skigebiet und Distanz zu Zürich mit Andermatt vergleichbar, verkauft Malster Wohnungen, deren Quadratmeterpreis "nur" 8000 Franken beträgt.

Andermatts Struktur-Probleme

Nach Realisierung von Sawiris' Projekt wird der Ort in den Urner Alpen über doppelt so viele Gästebetten verfügen und die Destination neu im Mittelfeld der Schweizer Tourismusorte fungieren.

Vor dem Auftauchen des ägyptischen Milliardärs verzeichnete Andermatt eine Abwanderung, weil gute Stellen rar wurden. Dies nachdem die Schweizer Armee ihre traditionelle Präsenz im Ort reduzierte.

Obwohl das Skigebiet Andermatt im Winter wegen der guten Lage in den Zentralalpen beste Schneeverhältnisse garantieren kann, konnte der Tourismus die Abwanderung nicht aufhalten.

Andermatt galt als zu klein, um die nötigen Investitionen in die Modernisierung der Tourismus-Infrastruktur alleine stemmen zu können.

Die lokalen Behörden befürworteten deshalb Sawiris’ Pläne als "letzte Chance".

Qualität gefragt

Martyn Bell von der britischen Immobilienagentur Swiss Property dagegen sagt, dass eine Nachfrage nach mehr Luxus-Wohnungen in den Alpen vorhanden sei.

"In vielen Destinationen gilt die Qualität der Hotels als ein Problem. In Andermatt wurde dies erkannt, und ich gehe davon aus, dass es auch für die Schaffung touristischer Angebote eine Nachfrage geben wird, gerade in dieser Region der Schweiz", zeigt sich Bell überzeugt.

Es handle sich um ein wohlüberlegtes Projekt, das zwar nicht allen gefalle, aber für einige genau das Richtige sein könne. Etwa für jene, die ein Apartment ausserhalb der eigenen Ferien vermieten möchten. "Oder jene, die ihre Luxus-Ferienwohnung auch dann gepflegt haben möchten, wenn sie nicht da sind." 

Als Plus sieht der Makler auch die Ausnahmeregelung, die Sawiris für seinen Resort vom Gesetz zur Einschränkung des Grundstückerwerbs für Ausländer erhalten hatte.

Sawiris könnte auch von der Beschränkung des Anteils von Zweitwohnungen auf 20% profitieren, die vom Schweizer Stimmvolk angenommen und seit Anfang dieses Jahres in Kraft ist, glaubt Hans Peter Danuser, einer der Berater des ägyptischen Investors. Die gesetzliche Limitierung könne die Nachfrage in Andermatt stärken, weil das Angebot anderswo beschränkt werde.

Aus Fehlern lernen

Der ehemalige Tourismus-Direktor von St. Moritz glaubt auch an den Erfolg von Andermatt, weil Sawiris "alle die Fehler" vermeide könne, die St. Moritz und viele andere Schweizer Destinationen in den letzten 50 Jahren gemacht hätten.

Als grössten solchen Fehler bezeichnet der Tourismus-Profi den Bau von zu vielen Chalets und Apartments als Zweitwohnungen. Viele von ihnen stehen die meiste Zeit des Jahres leer, weil die Besitzer nicht verpflichtet sind, sie bei Nichtgebrauch zu vermieten. Danuser beziffert den Anteil an solchen Leerwohnungen auf 60%, was auch in den Restaurants und auf den Bergbahnen für Löcher in derselben Grössenordnung sorge.

Für die Apartments im Andermatt-Swiss-Alps-Resort dagegen gibt es eine Pflicht zur Vermietung. Mit anderen Worten: Eigentümer müssen die Dauer ihrer Aufenthalte angeben.

Sawiris ist überzeugt, dass sein "Kind" verschiedenen ökonomischen Stürmen trotzen kann. Im Gegensatz dazu haben Wirtschaftskrise und starker Franken der Schweizer Tourismusindustrie in den letzten Jahren empfindlich geschadet.

"Die Schweiz wird für Investoren, Käufer und Touristen weiter ein sicherer Hafen sein. Kriegen sie einen Schluckauf, wird es nur ein kleiner sein, der rasch vorbei geht. Die Schweizer Wirtschaft musste einen Einbruch hinnehmen, aber mit einem oder zwei Prozent ist er im Vergleich mit dem Rückgang von 80% in Ägypten keineswegs dramatisch. Die Leute anerkennen dies und sind bereit, den Preis für diese Stabilität zu zahlen."


(Übertragung aus dem Englischen: Renat Kuenzi), swissinfo.ch



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