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Zwischen Traum und Wirklichkeit

Stilleben von Erich 'Rico' Wassmer. (Bild: kunstmuseumbern.ch)

(swissinfo.ch)

Das Kunstmuseum Bern zeigt die Retrospektive "Ricco - Inszenierte Wirklichkeiten" mit gut 50 Bildern von Erich "Ricco" Wassmer.

Zudem hat der Dokumentarfilm "Ricco - Das Porträt des abenteuerlichen Malers" von Mike Wildbolz Premiere.

Die "Ricco"-Ausstellung im Kunstmuseum Bern ergänzt eine Retrospektive des Kunsthauses Aarau von 1988 über den künstlerischen Aussenseiter Erich "Ricco" Wassmer (1915-1972).

Kombinationen

Der Industriellensohn Erich Wassmer wuchs im Schloss Bremgarten bei Bern auf. Seine Eltern führten als Mäzene ein offenes Haus für Musiker wie Othmar Schoeck, Dichter wie Hermann Hesse und Maler wie Louis Moilliet.

Wassmers Eltern unterstützten auch die künstlerische Ausbildung ihres Sohnes in München und Paris. Diese damaligen Kunstmetropolen hinterliessen beim jungen Wassmer allerdings mehr kunstgeschichtlich als malerisch anregende Spuren.

Erich Wassmer signierte seine Bilder stets mit "Ricco". Als "Ricco" pflegte er seinen individuellen Stil. Er kombinierte Versatzstücke aus der Kindheit - etwa Ball und Segelschiff - mit der Darstellung von melancholisch ins Leere blickenden Jünglingen.

Als "Ricco" malte er in dunkeltoniger, altmeisterlicher Manier.

Melancholische Traumwelten

Bevor er seiner Sehnsucht nach dem irdischen Paradies nachgeben und nach dem Zweiten Weltkrieg Weltreisen machen konnte, malte "Ricco" hauptsächlich kleine Stilleben.

Dichte Arrangements mit ausgestopften Kolibris und gesammelten Schmetterlingen zeugen von einer Liebe für die vollkommene Schönheit der toten Natur.

"Riccos" Malerei ist insofern unpolitisch, als sie nicht zeitgemäss ist - auch da nicht, wo sie zeitgenössisches Kunstschaffen im Bild zitiert. Mit einer Art von magischem, statt sachlichem Realismus schildert "Ricco" seine idealen Traumwelten oft in melancholisch dunklen Farben.

Lebensstil des Industriellensohns

Seiner Herkunft gemäss wohnte der Maler in den 50er Jahren in einem französischen Schloss und in den 60er Jahren in einem Waadtländer Herrschaftshaus.

Die Ausstellung in Bern dokumentiert, dass "Ricco" Jünglinge der Umgebung Foto- und Malmodell standen.

Dokumentarfilm



Mike Wildbolz (1947-2002) drehte über Ricco und sein Schaffen einen Dokumentarfilm. Er lässt eine versunkene Welt wieder aufleben - etwa mit Bildern aus Tahiti oder mit Interviews mit "Ricco" nahe stehenden Zeitzeugen.

Der Film, der parallel zur Ausstellung im Kino des Kunstmuseums gezeigt wird, rückt homoerotische Aspekte in den Vordergrund - und evoziert damit "Riccos" Sehnsucht nach einem Zustand androgyner, jugendlicher Vollkommenheit.

swissinfo und Barbara Miesch (sda)

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