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"Steh am Mittelmeer, habe keine Mittel mehr"

Kassenbuch eines Schweizer Schriftstellers.

(Schweizer Landesbibliothek)

In der Schweiz kann nur jeder zehnte Schriftsteller vom Schreiben leben, oft mit zwischen 2000 bis 3000 Franken "Monatslohn".

Die Schweizerische Landesbibliothek beleuchtet das Thema mit der Ausstellung "brotlos? - Vom Schreiben und vom Geld".

"Dickleibige Dichter sind etwas wie ein Ding der Unmöglichkeit", schrieb Robert Walser. Er kannte Friedrich Dürrenmatt nicht. Der brachte es ohne Lehre und Studienabschluss zum Millionär - wenn auch erst nach einer langen Durststrecke.

Denn in der Schweiz muss ein Buch etwa 10'000 Mal verkauft werden, um auf die Bestsellerliste zu kommen. Bei einem Preis von 40 Franken pro Exemplar verdient ein Autor an einem Bestseller etwa 40'000 Franken.

Bei durchschnittlich 2 bis 4 Jahren Entstehungszeit ein nicht gerade fürstliches Gehalt. Dabei ist der Buchmarkt, wie an der Ausstellung zu erfahren ist, mit 2 Mrd. Franken Umsatz der einträglichste Kunstbereich.

Wie kamen und kommen Schweizer Schriftsteller zu Geld, fragt die Ausstellung? Wieviel Literaturförderung ist erhältlich? Und sind Subventionen der künstlerischen Freiheit abträglich? Etwa weil explizit oder implizit Moralgebote damit verbunden sind, wie es in der Affäre Hirschhorn den Anschein machte?

Freiheit und/oder Subvention

Wenige Wochen, bevor das Kulturförderungsgesetz in die Vernehmlassung, die Beurteilung durch politische, wirtschaftliche und kulturelle Organisationen, geht, bietet die Ausstellung einen erhellenden und facettenreichen Diskussionsbeitrag dazu. Denn anders als manch einer denkt, sind Literaten nicht einfach Schmarotzer, die für ihre nutzlose Tätigkeit Steuern absahnen wollen.

Der Lyriker Fabio Pusterla etwa - einer von sechs Schreibenden, von denen Videointerviews zu sehen sind - möchte seinen Brotberuf Lehrer nicht missen. Dank ihm bleibe er geerdet, sagt er. Stipendien und Preise findet er "sympathisch, aber nicht notwendig", es seien gleichsam Diplome, die motivieren.

Laut einer Umfrage von 1994 wollen nur etwa 25% der Schweizer Schriftsteller vom Schreiben leben können. Die aber, die es wollen, bringen es mit einem Tantiemenanteil von 10% am Verkaufserlös selbst mit viel Fleiss selten auf einen grünen Zweig.

Multimedial

Die wenigen pekuniären Freuden und weitaus häufigeren Nöte der schreibenden Zunft werden in der Ausstellung anhand von exemplarischen Beispielen aus allen vier Landessprachen erzählt.

Zu sehen sind Originalmanuskripte, Fotos und Gegenstände, eine Diashow über die mehr oder weniger feudalen Fortbewegungsmittel der Literaten, zu hören sind Bettelbriefe und in zwei Nischen werden eigens für die Ausstellung gedrehte Filmbeiträge abgespielt.

An den Wänden prangen zudem mehr oder weniger ernste Zitate zum Thema, wie "Ich stehe hier am Mittelmeer und habe keine Mittel mehr" von René E. Mueller oder "When bankers get together they talk about art. When artists get together they talk about money" von Oscar Wilde.

100 Jahre Schillerstiftung

Ein Teil der Ausstellung ist der Literaturförderung gewidmet. Denn nicht jeder war und ist mit seinen Betteltouren und Selbstvermarktungs-Strategien so erfolgreich wie der Missionarssohn und Nobelpreisträger Hermann Hesse, dem ein Mäzen ein Haus im Tessin bauen liess.

Die erste Institution, die gegründet wurde, um die ärgsten Nöte der Schreibenden zu lindern, war die Schweizerische Schillerstiftung. Ihr 100-Jahr-Jubiläum, das Ende April begangen wird, war der Anlass zur Ausstellung, die Ende 2006 auch im Zürcher Strauhof zu sehen sein wird.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

In der Austellung "brotlos? - Vom Schreiben und vom Geld", sind Materialien zu Hermann Hesse, Annemarie Schwarzenbach, Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt, Blaise Cendrars, Charles-Albert Cingria, Corinna Bille, Alice Ceresa, Andri Peer und anderen ausgestellt.

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Fakten

Die Ausstellung "brotlos? - Vom Schreiben und vom Geld". ist bis 22. Mai in der Schweizerischen Landesbibliothek in Bern zu sehen.

Sie ist täglich geöffnet, auch an Sonn- und Feiertagen.

Führungen gibt es in deutscher Sprache jeweils Sonntag 11.30 Uhr, in Französisch und Italienisch für Gruppen auf Anfrage.

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