10 Jahre nach dem EWR-Nein: Der Röstigraben hat sich verkleinert

Die Ablehnung des EWR am 6. Dezember 1992 trübte die Beziehungen zwischen der Romandie und der Deutschschweiz.

Dieser Inhalt wurde am 05. Dezember 2002 - 18:07 publiziert

Heute glaubt Christophe Büchi, ein Kenner der Beziehungen zwischen den beiden Landesteilen, dass sich der Graben weitgehend geschlossen hat.

Die Abstimmung vom 6. Dezember 1992 ging sehr knapp aus und führte in der Romandie zu ziemlichen Irritationen. Denn dort hatte man sich massiv für den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) ausgesprochen.

Dieser Schwung wurde jedoch vom negativen Ausgang der Abstimmung in der Deutsch- und der italienischen Schweiz gestoppt.

Der Graben schliesst sich

Christophe Büchi bestreitet nicht, dass sich in dieser Abstimmung ein Graben zwischen den Sprachregionen zeigte. Aber es gab auch andere Gräben, namentlich jenen zwischen Stadt und Land.

Im Übrigen war der Ärger der französischsprachigen gegenüber der deutschsprachigen Bevölkerung nicht ganz richtig, denn "wer in der Deutschschweiz für den EWR gestimmt hatte, fühlte sich verschaukelt", bemerkt Büchi gegenüber swissinfo.

Doch seither haben sich laut Büchi die feindlichen Gefühle abgeschwächt, obwohl in der Folge noch weitere Abstimmungen die unterschiedlichen Sensibilitäten zwischen den beiden Sprachregionen aufzeigten. "Es gab ein paar schwierige Jahre, aber seit 1996 ist eine Entspannung zu beobachten", meint Büchi weiter.

Zwar hat das GfS-Forschungsinstitut vor kurzem eine Umfrage veröffentlicht, wonach 30% der Leute in der Romandie eine Teilung des Landes nicht bedauern würden. Aber Büchi glaubt nicht an diese Art Umfragen.

"Ich habe da meine Vorbehalte", erklärt er. "Meiner Ansicht nach gibt es keine starke separatistische Strömung. Abgesehen davon: Wohin sollte man denn gehen? Man kann damit eine gewisse Verärgerung zum Ausdruck bringen, vor allem, da es keine Konsequenzen hat. Aber wenn man die Frage der Abtrennung genau stellte, würde die Antwort ziemlich anders ausfallen."

Trotzdem müssten Anstrengungen unternommen werden, damit sich die Kulturen stärker annähern. Man sollte die anderen Landesteile besser kennenlernen, namentlich in den Schulen.

Vor allem politische Auswirkungen

Am Abend des 6. Dezembers 1992 sagten einige voraus, dass die Ablehnung des EWR-Beitritts für die Schweiz katastrophale wirtschaftliche Folgen haben würde. Aber auch da relativiert Büchi, denn die Folgen des negativen Ausgangs der Abstimmung sind praktisch nicht abzuschätzen.

Die Antworten gehen je nach Standpunkt auseinander. "Jene, welche für Europa waren, sagen gerne, dass einige der heutigen Schwierigkeiten auf diese Ablehnung zurückgehen. Und im gegnerischen Lager denkt man, diese Schwierigkeiten kämen vielmehr davon, dass wir uns der EU schon zu stark angeglichen haben", stellt der Journalist fest.

Viel eindeutiger sind dagegen die politischen Auswirkungen. Und in diesem Fall hatte die Ablehnung der Schweiz, sich der EU anzunähern, klare Folgen.

"Die Schweiz ist unter Druck geraten, namentlich in der Frage des Bankgeheimnisses", führt Christophe Büchi aus. "Wir haben mehr Schwierigkeiten, unseren Standpunkt geltend zu machen als zum Beispiel die EU-Mitglieder Luxemburg und Österreich. Unsere besondere Situation macht uns schnell mal zum Sündenbock."

swissinfo/Olivier Pauchard

(Übertragung aus dem Französischen: Charlotte Egger)

In Kürze

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen