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800 Millionen Franken in der Schweiz gewaschen

Geldwasch-Transaktionen liefen über die Schweiz.

(Keystone)

Über Schweizer Banken und Firmen in Zürich, Genf und Lugano wurden Millionen gewaschen, welche die Firma Italgrani in Neapel unterschlagen hat. Italien hat in Bern um Rechtshilfe ersucht. Erste Hausdurchsuchungen wurden bereits durchgeführt.

Obwohl es sich um eine riesige Affäre handelt, blieb sie bisher praktisch unbemerkt. Erst letzte Woche, als die italienische Polizei ein Dutzend Verhaftungen vornahm, kam die ganze Sache ans Licht.

Die Geschichte spielt in Neapel. Der italienische Unternehmer Franco Ambrosio soll 1000 Mrd. Lire (rund 800 Mio. Franken) aus seiner Getreide-Import-Export-Firma Italgrani abgezogen haben, bevor diese im Oktober 1999 in Konkurs ging. Daraufhin wurde das Geld über viele Offshore-Unternehmen gewaschen.

Ein Teil der Unterschlagungen soll über einen Schweizer Mittelsmann, Markus D., Geschäftsführer von zwei Firmen in Zürich und Zug, gelaufen sein. Die Itex Italgrani und die Galaxia Maritime sollen für Material, das nie geliefert wurde, falsche Rechnungen ausgestellt haben. Die in Rechnung gestellten Summen sollen von Italgrani bis auf den letzten Rappen auf Schweizer Konten überwiesen worden sein.

Das Geld floss dann angeblich in die Taschen von Franco Ambrosio zurück, der Itex und Galaxia de facto kontrollierte. Ambrosio war ausserdem Präsident der Itex, welche sich zur Zeit in Liquidation befindet.

Wie das Nachrichten-Magazin "Facts" in seiner Ausgabe vom 18.2. berichtet, war Silvio de Capitani Mitgründer und Verwaltungsrat der Itex Italgrani und der Galaxia Maritime. De Capitani war von 1992 bis 1996 Präsident der Eidgenössischen Bankenkommission (EKB). Er spricht gegenüber "Facts" von einer bedauerlichen Geschichte, mit der er überhaupt nichts zu tun habe.

Die Staatsanwaltschaft von Neapel verdächtigt den neapolitanischen Unternehmer und seine Komplizen, in der Schweiz, Liechtenstein und weiteren Steuerparadiesen ein grosses Netz von Firmen aufgebaut zu haben, um den zweifelhaften Ursprung der Gelder zu vertuschen. Die Hauptanklagepunkte lauten auf Fälschung der Bilanzen, betrügerischen Bankrott und Geldwäscherei.

Zu den von Franco Ambrosio für den Transfer des Geldes benutzten Banken gehören die Filiale der Bank Anker in Lugano, welche zu 100% der Genfer Kantonalbank gehört. Die Bank Anker ist auf die Verwaltung von Privatvermögen spezialisiert, hat ihren Hauptsitz in Zürich und betreut nach eigenen Angaben rund 7'000 Kunden.

Es scheinen noch viele weitere Schweizer Institute von Franco Ambrosio missbraucht worden zu sein. In den Dokumenten der italienischen Polizei werden Zürich und Lugano erwähnt, die Banque de Dépôt et de Gestion, die Deutsche Bank, die Compagnie d'Investissement und die Lavoro Bank.

Das Bundesamt für Polizei in Bern bestätigt, dass Italien im Mai 1999 ein erstes Rechtshilfegesuch eingereicht hat, dem im Februar 2000 ein ergänzendes Gesuch folgte. Wie Swissinfo in Erfahrung brachte, verlangte das erste Rechtshilfegesuch Hausdurchsuchungen und Zeugenbefragungen namentlich in Genf. Das zweite betraf Zürich und das Tessin.

Einem Teil der italienischen Rechtshilfegesuche wurde bereits entsprochen, der Rest ist in Bearbeitung. Die transalpinen Ermittler interessierten sich vor allem für die Genfer Firma Novafin Financière. Die Gesellschaft, die heute über ein Kapital von fünf Millionen Franken verfügt und auf die Finanzierung von internationalen Geschäften spezialisiert ist, wurde im Mai 1989 von Vertretern der Italgrani gegründet.

Zur Zeit versuchen die italienischen Ermittler, den Weg der Gelder zurück zu verfolgen, um zumindest einen Teil der veruntreuten 800 Mio. sicherzustellen.

Luigino Canal und swissinfo

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