ABB-Konzernführung von Presse scharf kritisert

Die geplanten Massen-Entlassungen von ABB haben in den Schweizer Zeitungen ein negatives Echo ausgelöst. Keystone

12'000 Stellen will der Technologie-Konzern ABB streichen, 8% aller Arbeitsplätze. Dabei kommt es zu 8'000 Kündigungen. Die Schweizer Zeitungen reagieren mit scharfer Kritik.

Dieser Inhalt wurde am 25. Juli 2001 - 10:26 publiziert

Für den TAGES ANZEIGER sind die geplanten Massen-Entlassungen ein "rabiater Befreiungs-Schlag":

"Gescheiter wäre es, in guten Zeiten für effiziente Abläufe und eine gesunde Profitabilität zu sorgen. Das hat ABB offensichtlich verpasst."

Von einer "Hauruck-Methode" schreibt die LUZERNER ZEITUNG. Das rein kostenseitig motivierte Abbau-Konzept der Firma sei "schockierend":

"Um die Finanz-Anlaysten und damit die Börsen-Player wieder in Laune zu bringen, müssen Tausende von Mitarbeitern über die Klinge springen. Das ist nacktes Rechenschieber-Management."

Bedenklich am Vorgehen der ABB sei, dass die 12'000 Stellen-Kürzungen offenbar nur über 8'000 Entlassungen zu erreichen seien, meint das ST.GALLER TAGBLATT:

"Dies deutet auf Versäumnisse in der längerfristigen Planung hin."

Für die BASLER ZEITUNG ist die Transformation der ABB zu einem auf Informations-Technologie gestützten Higtech-Unternehmen misslungen:

"...das Hauptproblem sind nicht so sehr 12'000 unrentable Arbeitsplätze als eine Führungsspitze, welche die Transformation des Konzerns nicht zu Ende zu führen mag."

ABB-Chef Jörgen Centerman stehe vor einer "gewaltigen Herausforderung", meint die AARGAUER ZEITUNG:

"ABB, die lange ... vom Ruf eines der am meisten geachteten Konzerne gezehrt hat, leidet plötzlich an Glaubwürdigkeits-Verlust."

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG kritisiert die Kommunikations-Politik von ABB. Wer nicht kommunizieren wolle, müsse fühlen, meint das Blatt in Anspielung auf die negative Reaktion der Börse:

"Wenn die Kommunikation - vor allem schlechter - Nachrichten hinausgezögert wird oder frühere Aussagen des Managments von Marktteilnehmern als beschönigend empfunden werden, folgt die Strafe auf den Fuss."

Die BERNER ZEITUNG ist der Ansicht, dass der "effektive Gesundheits-Zustand der Firma zu lange verschleiert worden ist". Einmal mehr müsse sich ein Verwaltungsrat schwere Vorwürfe gefallen lassen:

"Warum hat er nicht früher eingegriffen? Liess er sich vom Management gutgläubig hinters Licht führen?",

fragt die Zeitung. Wie auch immer, jetzt sei es am Verwaltungsrat, zu handeln:

"Diese Herren sind jetzt gefordert."

Der Blick setzt am selben Punkt an und titelt:

"Starbosse. Viel gelafert - nichts geliefert"

Kathrin Boss Brawand

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