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AOC-Label für den Käse mit den grössen Löchern

Urspungsbezeichnung: die schmackhaftesten Löcher der Käsewelt werden geschützt. .

(Keystone)

Emmentaler wird die achte Käsesorte mit geschützter Ursprungsbezeichnung. Der Entscheid des Bundesamtes für Landwirtschaft kann noch angefochten werden.

Der Schutz des landwirtschaftlichen Schweizer Exportgutes Nummer 1 ist aber in der Europäischen Union (noch) nicht garantiert.

Uhren, Banken, Schokolade: In der Reihe der weltbekannten Schweizer Produkte und Dienstleistungen darf auch der Emmentaler Käse nicht fehlen.

Nachdem der "König der Käse" eine schwierige jüngste Vergangenheit aufwies, sollen jetzt seine Marktchancen im In- und Ausland nachhaltig gestärkt werden: Dazu hat das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) grünes Licht zur Registrierung des Emmentalers als geschützte Ursprungsbezeichnung (GUB/AOC) gegeben.

Sämtliche Einsprachen gegen die AOC-Eintragung (Appellation d'origine contrôlée) wies das Bundesamt ab. Der Entscheid kann allerdings noch angefochten werden, wie BLW-Direktor Manfred Bötsch am Montag in Bern vor den Medien sagte.

Qualität und Tradition

"Mit dem Entscheid wird die Qualität, die klare Herkunft und die Tradition des Schweizer Emmentalers geschützt", so Bötsch. Dem Konsumenten werde damit ein klares Qualitätsversprechen gegeben. Gleichzeitig sei der Entscheid agrarpolitisch wichtig.

Als registrierte Bezeichnung könne sich der Emmentaler im liberalisierten Käse- und Agrarmarkt besser behaupten. Die Schweiz produziert heute in rund 270 Käsereien 35'000 Tonnen Emmentaler, wobei 27'500 Tonnen für den Export bestimmt sind.

Der Entscheid sei aber auch ein notwendiger Schritt für einen internationalen Schutz, sagte Bötsch weiter. Mit der EU stünden nämlich Verhandlungen an über die gegenseitige Anerkennung der geschützten Ursprungsbezeichnungen. Mit der Registrierung könne die Schweiz in einer gestärkten Position in die Verhandlungen steigen.

Hartumkämpfter Käsemarkt

Gegen die Registrierung des wichtigsten landwirtschaftlichen Exportprodukts der Schweiz waren 64 Einsprachen aus dem In- und Ausland eingegangen. 47 davon wurden wieder zurückgezogen, wie es hiess.

Gerügt wurde insbesondere, Emmentaler sei eine Gattungsbezeichnung und als solche nicht eintragungsfähig. Ausserdem bemängelten die Einsprecher das grosse geographische Einzugsgebiet.

In der Region verankert

Die Bezeichnung Emmentaler habe keinen Gattungscharakter, begründet das BLW seinen Entscheid. Meinungsumfragen belegten vielmehr, dass mindestens 45 Prozent der Schweizer Konsumenten dem Emmentaler besondere Eigenschaften zuschrieben und dessen Herkunft direkt mit dem Emmental in Verbindung brächten.

Bislang haben in der Schweiz sieben Käse einen AOC-Eintrag. Heute bestehen bereits vereinzelte bilaterale Abkommen zum Schutz des Emmentalers. So dürfen etwa Deutschland und Frankreich zwar Emmentaler produzieren, aber nur mit dem Zusatz der Angabe des Produktionslandes. Der heisst dann beispielsweise Allgäuer Emmentaler (AOC, Deutschland) oder Emmental de Savoie (IGP, Frankreich).

Wer seinen Käse künftig Emmentaler nennen will, muss allerdings ein strenges Pflichtenheft erfüllen, das unter anderem die Verwendung von Rohmilch, die frisch - also innert 24 Stunden - verarbeitet wird sowie einen Reifeprozess von mindestens vier Monaten vorsieht. Hergestellt werden darf der Grosslochkäse künftig noch in den Kantonen Aargau, Bern, Glarus, Luzern, Schwyz, Solothurn, St. Gallen, Thurgau, Zug, Zürich und in Teilen Freiburgs.

Wer beispielsweise im Kanton Waadt Emmentaler herstellt, darf das auch weiterhin tun, den Käse aber nicht mehr unter dem Namen verkaufen.

Konsumenten und Käser gestärkt

Der Entscheid wurde bei Emmentaler Switzerland, der Produzenten-Organisation, welche das AOC-Label im Jahre 2000 beantragt hatte, erfreut aufgenommen: "Wir sind sehr erfreut, es ist ein erster Meilenstein," sagte Guido Nydegger, Marketing-Verantwortlicher von Emmentaler Switzerland, gegenüber swissinfo. Noch müsse aber die letzte Einsprachefrist abgewartet werden.

"Wir versprechen uns vom rechtlichen Schutz eine gestärkte Marktposition des Emmentalers im Hinblick auf die Marktöffnung 2007." Dannzumal werden ausländische Anbieter billigeren Industrie-Emmentaler in der Schweiz verkaufen können.

"Mit der geschützten Ursprungsbezeichnung können wir dem Schweizer Konsumenten einen qualitativ hochstehenden Käse garantieren. Das heisst: hergestellt aus frischer Rohmilch, ohne Zusätze und gentechnisch veränderten Substanzen und mit einer Mindestreifedauer."

Nydegger erhofft sich auch eine Wirkung im Inland: "Die Käser, die heute den Emmentaler in einem ganz schwierigen Umfeld produzieren, werden mit dem garantierten Qualitätsstandard sehr stark unterstützt und vor Wildwuchs geschützt."

Strenge Auflagen

Die Einhaltung der Herstellungs-Bestimmungen werden vom Branchenverband Emmentaler Switzerland überprüft. Eine unabhängige Stelle zertifiziert die 270 Käsereien, die Emmentaler herstellen dürfen. Die Qualität des Nahrungsmittels im Verkauf wird zudem von den Kantonschemikern sichergestellt.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Der Emmentaler Käse ist das wichtigste landwirtschaftliche Exportgut der Schweiz.
2003 wurden 27'551 von insgesamt über 32'000 Tonnen Emmentaler exportiert.
Der Emmentaler machte damit über 50% des gesamten Käseexports aus.
Grösster Abnehmer ist Italien mit 11'000 Tonnen.
Lange Zeit diente die Emmentaler-Produktion zum Abbau des Schweizer Milchüberschusses und wurde deshalb stark subventioniert.

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In Kürze

Bisher haben sieben Schweizer Käse haben das AOC-Label: Greyerzer, Sbrinz, Tête de Moine, L'Etivaz, Vacherin Mont-D'Or, Formaggio d'Alpe Ticinese und Berner Alpkäse.

Insgesamt haben bisher 17 Schweizer-Produkte eine geschützte AOC-Ursprungsbezeichnung.

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