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Ascom: weiterer Stellenabbau und Kapitalerhöhung

Ascom-Angestellte vor unsicherer Zukunft.

(Keystone)

Der hochverschuldete Berner Fernmelde-Konzern Ascom greift erneut zur Sparschere: Weltweit sollen 450 Stellen gestrichen werden.

Zusätzlich will der Konzern die dünne Kapitalbasis durch die Ausgabe neuer Aktien stärken.

Im Verlaufe der letzten beiden Jahre hat die Ascom ihre Belegschaft bereits von über 10'000 Personen auf 5200 reduziert. Grund waren Firmenverkäufe und Abbaumassnahmen wegen der Wirtschaftskrise.

Im Jahr 2003 fielen den Sparmassnahmen bisher 500 Stellen zum Opfer, erst letzten Monat war ein weiterer Abbau von 170 Stellen angekündigt worden.

Die erneuten Sparmassnahmen, darunter der Abbau von weiteren 450 Stellen, betreffen laut Mitteilung sämtliche Geschäftsbereiche und sollen bis Ende nächstes Jahr umgesetzt werden. Die zukünftige Profitabilität des Unternehmens werde dadurch markant gesteigert, hiess es.

Noch sei nicht bekannt, wie viele Angestellte in der Schweiz ihre Stelle verlieren würden, sagte Ascom-Sprecherin Bettina Cohen.

Hoher Verlust

In den vergangenen beiden Jahren erlitt Ascom einen Gesamtverlust von 677 Mio. Franken. Mitte Jahr resultierte ein Verlust von 57 Mio. Franken.

Zusätzlich zu den betrieblichen Massnahmen plant Ascom nun auch eine finanzielle Sanierung: Mit der Ausgabe von 13,5 Mio. Aktien zu einem Bezugspreis von 5,5 Franken soll die Kapitalbasis um 74,25 Mio. Franken gestärkt werden.

"Eine erfolgreiche Kapitalerhöhung ist die Voraussetzung, um das bestehende Stillhalte-Abkommen über einen Bankkredit von 100 Mio. Franken abzulösen, der im kommenden Mai ausläuft", sagte Finanzchef Rudolf Hadorn.

Damit dürfte sich die Lage um die dünne Kapitaldecke vorerst entspannen. Das Eigenkapital von Ascom betrug im ersten Semester dieses Jahres nur 75 Prozent des Aktienkapitals.

Mitte Jahr verfügte Ascom noch über 146 Mio. Franken Eigenkapital; bereits damals hatte Konzernchef und Präsident Juhani Anttila die Prüfung von Massnahmen zur Stärkung der Kapitalbasis angekündigt.

Nennwert wird gesenkt

Die nun vorgeschlagene Aktienkapital-Erhöhung sieht vor, dass der Nennwert der Namenaktie in einem ersten Schritt von 10 auf 7 Franken reduziert wird. In einem zweiten Schritt soll der Nennwert dann auf 5,5 Franken gesenkt werden.

Gleichzeitig werden die 13,5 Mio. Franken neuen Aktien ausgegeben. Nach erfolgter Kapitalerhöhung soll die Ascom Holding damit über ein Aktienkapital von 36 Mio. Namenaktien zum Nennwert von je 5,5 Franken verfügen. Dies entspricht einer Summe von 198 Mio. Franken.

Über die Durchführung der Kapitalerhöhung entscheidet eine ausserordentliche Generalversammlung (GV) am 4. Dezember. Für den Fall, dass die GV dem Antrag zustimmt, hat ein Bankensyndikat unter der Leitung von Credit Suisse First Boston (CSFB) die Kapitalerhöhung bereits übernommen.

An der Börse wurde der Handel mit Ascom-Aktien über Mittag ausgesetzt. Nach der Wiederaufnahme des Handels notierte das Papier bei 10,20 Franken, 2,0 Prozent über dem Vorabendkurs. In ersten Reaktionen begrüssten Analysten die Massnahmen.

Gewerkschaft: Hoher "menschlicher Preis"

Die Gewerkschaft SMUV begrüsst zwar die Kapitalerhöhung. Das SMUV-Geschäftsleitungsmitglied Beda Moor kritisiert aber den hohen "menschlichen Preis", der dafür zu bezahlen sei. "Pro 170'000 Franken zusätzlichem Kapital wird ein Arbeitsplatz gestrichen", sagte Moor. Falls in der Schweiz Stellen verloren gingen, müsse die Ascom über alternative Modelle verhandeln.

Die Kapitalerhöhung an und für sich beurteilt Moor positiv: Dank der Kapitalerhöhung könne mit einem neuen Konsortialkredit das bestehende Stillhalteabkommen mit den Banken abgelöst werden, sagte er. "Das gibt der Ascom wieder eine grössere Entscheidungsfreiheit, da sie nun das Wachstum selber finanzieren wird."

"Ascom vergisst vor lauter Zahlen des Wichtigste - die Mitarbeitenden", hiess es beim Verband VSAM. Er forderte einen Verzicht auf einen linearen Abbau sowie die Schaffung eines internen Arbeitsmarktzentrums für die Betroffenen.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Angestellte weltweit:
1990: 18'000
1994: 13'000
2001: 10'000
2002: 8000
2003: 5000
Aktienkurs:
12.11.03: 11,3 Fr.
2001: 130 Fr.

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