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Auch Godard in Cannes

Altmeister Godards "Notre musique" in Cannes.

(Les Films du Losange, Jean-Luc Godard)

Mit dem jüngsten Film des Spaniers Pedro Almodóvar haben am Mittwoch die 57. Internationalen Filmfestspiele von Cannes an der Côte d'Azur begonnen.

Die Schweiz ist im Wettbewerb nicht vertreten, doch ausser Konkurrenz ist unter anderem Jean-Luc Godards "Notre musique" zu sehen.

Von 12. bis 23. Mai wird der Strandboulevard von Cannes, die Croisette, einmal mehr zum Mittelpunkt der internationalen Filmwelt. Almodóvars "La Mala Educación" (Schlechte Erziehung) eröffnet am Abend das renommierte Festival.

Versöhnungsangebot an Hollywood



Unter dem Jury-Vorsitz von US-Regisseur Quentin Tarantino konkurrieren am diesjährigen Wettbewerb 18 Filme um die "Goldene Palme" (im letzten Jahr waren es 20 Filme gewesen). Allein die USA stellen vier Titel. Und auch der Abschlussfilm und fünf weitere Titel, die ausser Konkurrenz laufen, kommen aus den USA.

Der grosse US-Auftritt an der Croisette kann als Versöhnungsangebot des künstlerischen Leiters Thierry Fremaux an Hollywood interpretiert werden, das im Vorjahr - neben kleinen und unabhängigen Produktionen wie "Brown Bunny" und "Elephant" - nur mit einer Studioproduktion ("Mystic River") vertreten gewesen war.

Mit dieser Geste der Aussöhnung will Fremaux aber auch auf eine neue Vitalität hinweisen, die sich ausserhalb der Studiomaschinerie entwickelte. Entsprechend sind neun der geladenen Filmemacher Cannes-Novizen, drei weitere befinden sich erstmals im Wettbewerb.

Neue Namen und alte Bekannte



Erstmals hält ein thailändischer Film, "Tropical Malady", Einzug in den Wettbewerb. Deutschland ist nach elf Jahren Absenz mit dem Film "Die fetten Jahre sind vorbei" von Hans Weingartner erstmals wieder vertreten.

Neben den neuen Namen stellen sich in Cannes aber auch wieder bereits preisgekrönte Regiegrössen ein: Emir Kusturica mit "Life is a Miracle" und die Brüder Ethan und Joel Coen mit der schwarzen Komödie "The Ladykillers".

Ebenfalls im Rennen um die "Goldene Palme" stehen zwei Trickfilme: Aus den USA stampft das grüne Monster "Shrek 2" über die Leinwand, und als intellektuelles Gegengewicht kommt aus Japan das Manga "Innocence" von Mamoru Oshii.

Schwierigkeiten der Schweizer Produktionen

Die Schweiz ist auch dieses Jahr im Wettbewerb nicht vertreten. Jean-Luc Godard, Léa Fazer, Georg Schwizgebel repräsentieren zwar unter anderen den Schweizer Film in Cannes. Aber der einheimische Film hat Mühe, sich am weltweit grössten Treffen der Filmindustrie durchzusetzen, sagt der Direktor von Swiss Films.

"Dieses Jahr ist die Schweizer Präsenz sogar noch stärker als in den vergangenen Jahren", sagt Micha Schiwow, Direktor von Swiss Films, der Organisation, die mit der Promotion des Schweizer Filmschaffens im In- und Ausland betraut ist.

Seit rund fünfzehn Jahren werde "die Schweiz im Ausland nicht mehr als kreatives Filmland wahrgenommen". Cannes richtet sich nach Schiwows Einschätzung mehr nach Asien als nach Europa oder der Schweiz aus.

Im Bereich Spielfilm gebe es in der Schweiz zudem nicht die materiellen Rahmenbedingungen, die eine erfolgreiche Produktion möglich machten. Aus diesem Grund sei man, wie bereits in den vergangenen Jahren, vor allem mit minoritären Koproduktionen in Cannes vertreten.

Zu diesen - insgesamt sieben Ko-Produktionen - gehören "Bienvenue en Suisse" von Léa Fazer in der Reihe "Un Certain Regard" sowie "Un crime étrange" von Robert Ando im Rahmen der "Semaine de la critique".

Politischer Film



Nicht zuletzt zollt das 57. Cannes-Filmfestival der neuen Politisierung der internationalen Filmgemeinde Tribut: Allen voran mit Michael Moore und seiner Dokumentation "Fahrenheit 9/11".

Bereits im Vorfeld schlug Moores Werk, das die geschäftlichen Beziehungen des Bush-Imperiums mit Bin Laden ausleuchtet, hohe Wellen. Vor allem seit bekannt wurde, dass der Disney-Konzern seiner Tochter Miramax den Verleih des Films in den US-Kinos verbot.

Politisches Kino bietet auch der Brasilianer Walter Salles mit "Diario de motocicleta", einem Film, der die Laufbahn von Che Guevara illustriert.

Neben dem Festival findet in Cannes auch wieder der Filmmarkt statt. Zu diesem Anlass werden rund 8500 Vertreter aus der Filmindustrie erwartet.

Störaktionen befürchtet

Von Brad Pitt bis Charlize Theron werden zudem wieder Dutzende von Stars für Glamour an der Croisette sorgen. Die Veranstalter erwarten unter anderen Cameron Diaz, Penelope Cruz, Uma Thurman, Naomi Watts und Gong Li sowie Tom Hanks, Sean Penn, Kevin Kline und Nick Nolte.

Als Damoklesschwert hängen über dem Festival mögliche Störaktionen der so genannten Intermittents, der nicht fest angestellten französischen Regisseure, Schauspieler und Techniker. Sie wollen das Festival als Tribüne nutzen, um gegen den Abbau bei ihrer Sozialversicherung zu protestieren.

Im letzten Jahr hatten die Intermittents in Frankreich die Absage wichtiger Sommerfestivals erzwungen, etwa in Avignon. Jetzt haben sie zumindest zugesagt, das Filmfestival nicht sprengen zu wollen, nachdem Premierminister Jean-Pierre Raffarin Anfang Woche Kompromissbereitschaft angedeutet hatte.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Cannes 2004: 18 Filme laufen im Wettberb um die Goldene Palme.

56 Spielfilme kommen insgesamt zur Aufführung, davon 46 Weltpremieren. 1325 Spielfilme aus 85 Ländern waren eingereicht worden (2003:908, 200: 681).

Insgesamt waren 3562 Spiel- und Kurzfilme eingereicht worden; 2003 waren es 2498 gewesen, im Jahr 2000 nur 1397. Der Anstieg um gut 42% zwischen 2003 und 2004 wird mit der rasanten Entwicklung der digitalen Technik erklärt.

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