Bestandesaufnahme nach der Flut

Schweizer Armeeangehörige entfernen Schwemmholz vom Aareufer im Mattequartier in Bern. Keystone

Nach den schweren Unwettern wurden am Donnerstag in den betroffenen Gebieten die Aufräumarbeiten mit voller Kraft angepackt.

Dieser Inhalt wurde am 25. August 2005 - 21:04 publiziert

Mit dem Rückgang der Pegelstände stieg die Zahl der Toten auf fünf. Versicherungen schätzen die volkswirtschaftlichen Kosten der Katastrophe auf rund 1 Mrd. Franken.

Die ausbleibenden Niederschläge und der Rückgang der Pegel wurden am Donnerstag in den Unwettergebieten für Schutz- und Räumarbeiten genutzt.

Die nach den Unwettern in Brienz vermisste Frau wurde am Donnerstag tot geborgen. Sie wurde in der Nähe ihres vom Glyssibach zerstörten Wohnhauses gefunden. Damit erhöht sich die Todesopfer-Bilanz auf fünf, eine Person gilt noch als vermisst.

In vielen Unwettergebieten blieb die Lage angespannt. Im Berner Oberland gab es neue Evakuationen wegen drohender Hangrutsche und des einsetzenden Regens. Schwemmholz bedrohte die Schleusen in Thun.

Die Berner Matte bleibt weiterhin nicht bewohnbar. Dort wurden die letzten Bewohner per Helikopter evakuiert. Der maximale Wasserpegel in der Matte lag um rund einen Meter höher als während des "Jahrhundert-Hochwassers" 1999.

Leichte Besserung in der Zentralschweiz

Aus der Stadt Luzern wurde eine leichte Besserung gemeldet. Der Pegel des Vierwaldstättersees ging nach dem Höchststand von 435,22 Metern in der Nacht stündlich um einen halben Zentimeter zurück.

Noch immer waren aber Teile der Altstadt überschwemmt. 350 Helfer von Feuerwehr, Zivilschutz und Polizei waren im Dauereinsatz.

Im Kanton Obwalden bleibt Engelberg vorderhand von der Umwelt abgeschnitten. Der Bau einer Notstrasse wird rund zwei Wochen dauern. In Sarnen wurde die Bevölkerung aufgefordert, den Wasserverbauch auf das Minimum zu beschränken.

Schäden an Kulturgütern

Das Wasser ging in der Nacht weiter zurück und fördert das riesige Ausmass der Schäden zu Tage. So wurden im Frauenkloster Sarnen Kulturgüter von nationaler Bedeutung beschädigt. In Lungern wurde ein 160 Kubikmeter grosser Fels gesprengt, der Wohngebiete bedrohte.

Im Kanton Schwyz machte in Brunnen die aufkommende Föhnlage Sorgen, die mit dem Wind noch mehr Wasser in den bereits überfluteten Dorfkern treiben könnte. Die Absperrungen wurde verstärkt. Die Axenstrasse zwischen Brunnen und Sisikon blieb gesperrt.

Verkehrswege teilweise offen

Verschiedenerorts wurden am Donnerstag Strassen wieder eröffnet: So die Brünigpassstrasse, der Klausenpass, diverse Strecken im Kanton Graubünden, die Strasse Interlaken-Brienz, teilweise die Axenstrasse. Im Kanton Uri sollte aufs Wochenende hin die Autobahn A2, die wichtigste Nord-Süd-Strassenverbindung, wieder offen sein.

Auch der Flughafen Bern-Belp funktioniert wieder. Und die SBB nahmen den Zugverkehr auf der Gotthardstrecke wieder auf, allerdings eingeschränkt. Am Freitag sollte auf der Strecke Basel und dem Tessin pro stündlich je ein Zug in beide Richtungen fahren. Andere Bahnlinien bleiben jedoch noch geschlossen.

Armee zufrieden mit ihrem Einsatz

Rund 1000 Armee-Angehörige und 12 Militär-Helikopter standen im Einsatz. Das Militär und das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) bezeichneten den Einsatz als "schnell und professionell".

Von 60 Gesuchen aus den Kantonen konnten laut der Armeeführung zwei nicht berücksichtigt werden - eines davon deshalb, weil die Armee keine Boote mit Greifern hat.

Menschen und Material stünden ausreichend zur Verfügung, wurde berichtet. Es werden jene Truppen eingesetzt, die ohnehin Dienst leisten.

Versicherungen erwarten Millionenschäden

Insgesamt dürfte sich der volkswirtschaftliche Schaden im ganzen Land auf mehr als 1 Mrd. Franken belaufen. Den versicherten Schaden in der Schweiz veranschlagt der Schweizer Rückversicherer Swiss Re auf über 500 Mio. Franken.

Betreffend des Hochwassers in Deutschland, Österreich und der Schweiz insgesamt erwartet Swiss Re selbst Schadenforderungen von rund 100 Mio. Franken.

Bäuerlicher Solidaritäts-Appell

Der Schweizerische Bauernverband (SBV) appellierte angesichts der Unwetterschäden in der Landwirtschaft an die Solidarität der Mitglieder. Besonders gravierend sei der Verlust der Futtervorräte für den Winter.

Im Kanton Bern, wo im Oberland 500 Betriebe betroffen sind, wurde bereits eine Futtermittelbörse eingerichtet.

Starke Regenfälle lösten Erdbebenserie aus

Der Schweizerische Erdbebendienst hat in der Zentralschweiz während den Unwettern eine ungewöhnliche Häufung von Erdbeben registriert. In der ersten Wochenhälfte wurden 47 Beben gemessen, die meisten davon mit einer Stärke zwischen eins und zwei auf der Richterskala.

Die Beben der letzten Tage konzentrierten sich auf Regionen im Kanton Schwyz sowie Ob- und Nidwalden. Vereinzelt waren die Beben von der Bevölkerung als lauter Knall wahrgenommen worden.

Mit Schäden ist laut Erdbebendienst aber wegen der geringen Stärke der Erdbewegungen nicht zu rechnen. Eine Gefahr für die Bevölkerung habe nicht bestanden.

Man geht davon aus, dass die Beben von den starken Regenfällen der vergangenen Tage ausgelöst wurden. Dafür spreche die Häufung in der Zentralschweiz sowie die geringe Tiefe der Erdbebenherde.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Die Glückskette führt am 31. August einen nationalen Sammeltag für die Hochwasser-Opfer durch. Von sechs Uhr morgens bis Mitternacht können dann in sechs Sammelzentralen telefonisch Spenden angemeldet werden.

Bis am Donnerstagnachmittag waren bei der Glückskette bereits Spenden in Höhe von rund einer halben Mio. Fr. eingegangen.

Das Sammelkonto der Glückskette trägt die Nummer 10-15000-6. Der Sammelvermerk lautet "Unwetter Schweiz".

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen