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Biene kennt Gentech nicht

Die Bienen verbreiten Pollen, egal ob gentech-verändert oder nicht.

(swissinfo.ch)

Greenpeace kämpft mit Hilfe von kanadischen Imkern gegen die Verbreitung des Gentech-Anbaus in der Schweiz.

Die Umweltschützer kritisieren die Koexistenz-Verordnung des Bundesrates: Die angestrebte "50-Meter-Sicherheitsdistanz" sei naiv und unrealistisch.

Was hat Bienenzucht mit dem Anbau von Gentech-Pflanzen zu tun, dem man jetzt auch in der Schweiz den Weg bereiten will?

Die Bienen bestäuben auf ihrem Pollenflug alle Kulturpflanzen, ob diese nun gentechnisch veränderte Organismen (GVO), konventionelles oder biologisches Saatgut sind.

"Das Verhalten der Bienen veranschaulicht das Problem der Koexistenz von genetisch veränderten und konventionellen Pflanzen", sagt Bruno Heinzer, Gentech-Kampagnenleiter von Greenpeace, gegenüber swissinfo.

Ihr Pollenflug macht die Bienen als Insekten einerseits zum kaum verzichtbaren Zwischenglied agroindustrieller Saatgut-Produktion und natürlicher Vermehrung, aber auch zum kaum vorhersehbaren Akteur und heiklen Indikator des Zustands der Landwirtschaft.

Der Anbau von Gentech-Pflanzen ist aus grossen Teilen der Dritten Welt und Nordamerikas nicht mehr wegzudenken, zumindest im Bereich der Massenprodukte wie Soja, Mais, Raps und Weizen.

Bienen halten sich nicht an Verordnungen

Bienen tragen die Pollen nämlich auch dorthin, wo dies weder von Agrospezialisten noch Juristen in ihren behördlich vorgedachten Regulierungen vorgesehen ist – und dies ganz sicher über die vom Bundesrat in seiner Koexistenz-Verordnung vorgesehene Sicherheits-Distanz von 50 Metern hinaus, wie Heinzer sagt:

"Der Verordnungsvorschlag ist derart löchrig, dass er einer Kontamination, also einer gentechnischen Verunreinigung des konventionellen oder biologischen Saatguts, Tür und Tor öffnet."

Gemäss der bundesrätlichen Koexistenz-Verordnung soll ein landwirtschaftlich separates Nebeneinander von Gechtech- und biologischer Agroproduktion möglich sein, wenn man gewisse Vorgaben einhält, wie den 50-Meter-Sicherheits-Abstand.

Doch gemäss Greenpeace machen die Bienen solchen Wunsch-Vorgaben einen Strich durch die Rechnung.

Zwar haben sie bisher die männlichen Pollen gratis in die weiblichen Blüten verfrachtet und nebenbei noch lukrativen Honig produziert. Dafür sorgen sie auch innerhalb derselben Pflanzensorte für eine gesunde Durchmischung, ungewollt nun zwischen GVO, konventionell und biologisch.

Mit dem Resultat, dass sich die Pflanzenqualitäten unkontrolliert mischen und eine reine, also gentechnisch nicht vermischte Bio-Sorte immer rarer wird.

Kein direktdemokratisches Bioreservat

Den Bioproduzenten droht auf diese Weise das Aus, ganz egal, ob sie sich an die Qualitätsstandards bei der Produktion halten oder nicht, warnen der kanadische Imker Anicet Desrochers und die Bioberaterin Anne-Virginie Schmidt gegenüber swissinfo. Sie könnten auf ihre Ausgangsprodukte keinen Einfluss mehr nehmen.

Und die Konsumenten müssen sich mit der Zeit langsam an zunehmende GVO-Anteile in ihren Nahrungsmitteln abfinden, egal wie sie jetzt in direktdemokratischen Referenden darüber befinden.

Denn die Schweiz ist kein direktdemokratisches Bioreservat, wie auch Bruno Heinzer einräumt. Ziel des Gentech-Moratoriums sei es, die schleichende GVO-Entwicklung zeitlich aufzuhalten, und die Schweiz so GVO-frei wie möglich zu halten.

Doch da Schweizer Bienen ohnehin über den Rhein und den Jura fliegen, verunreinigen sie mit ausländischen Pollen mit der Zeit automatisch einheimische Blüten.

Warnung vor "kanadischen Zuständen"

Die beiden von Greenpeace eingeladenen Experten Desrochers und Schmidt warnten nun am Montag in Zürich vor "kanadischen Zuständen", wo "die Übersicht verloren gegangen ist und wo für die Bauern das Saatgut gar nicht mehr als GVO und GVO-frei deklariert wird", wie Schmidt sagt.

Damit würden im Gentech-Land Kanada die biologischen Standards erodieren. Die Folge sei, so Schmidt, ein Preiszerfall bei den Bioprodukten. Diese würden zwar wie bisher aufwändig hergestellt, aber sie könnten die Zertifzierung "Bio" nicht mehr beanspruchen, weil die Qualitäts-Laboratorien regelmässig GVO-Rückstände feststellten.

GVO-Rückstände entstehen nicht nur beim Pollenflug, sondern auch während der Verarbeitung. "Produzenten benutzen oft gemeinsam teure landwirtschaftliche Maschinen aus dem Genossenschafts-Park", erklärt Schmidt.

"Verarbeitet ein Bauer beispielsweise seine GV-Maisernte mit der Maschine, bleiben für den nächsten Bauer Rückstände, wenn die Maschine nicht gereinigt wurde."

Heute Honig, morgen Fleisch

Schmidt und der Imker Desrochers haben bereits die Folgen zu spüren bekommen: Die EU lässt den Import von Desrochers' Bio-Honig als solchen nicht mehr zu, weil er GVO enthielt.

"Die Konsequenz dieser Politik ist, dass bald auch Fleischproduzenten den Futtermais ebenfalls selber anpflanzen müssen, um ihren Tieren GVO-freies Futter garantieren zu können", so Desrochers. "Sonst werden sie ihr Tier nicht mehr unter dem Bio-Label verkaufen können."

swissinfo, Alexander Künzle

In Kürze

Am Pollenflug der Bienen veranschaulicht sich die Problematik der so genannten Koexistenz von genetisch veränderten Pflanzen (GVO), konventionellen und biologischen Pflanzen.

Die Biene befruchtet als Insekt jede Pflanze und unterscheidet nicht zwischen GVO oder nicht.

Dies hat eine Durchmischung der Sorten zur Folge. Bioproduzenten zum Beispiel können keine absolut reinen, das heisst GVO-freien Ausgangsprodukte, mehr garantieren.

In der Folge wird ihnen das Bio-Label aberkannt, was die Preise fallen lässt.

Den Konsumenten kann nicht mehr garantiert werden, dass ein Produkt GVO-frei ist.

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