Blauer Dunst sorgt für rote Köpfe

Rauchfreie Beizen oder nicht, das ist hier die Frage. Keystone

75% der Schweizer wollen rauchfreie öffentliche Räume. Die Weltgesundheits-Organisation in Genf geht noch weiter: Sie stellt keine Raucher mehr an.

Dieser Inhalt wurde am 02. Dezember 2005 - 14:05 publiziert

Laut einer Umfrage ist vor allem umstritten, ob Restaurants, Bars und Cafés rauchfrei werden sollen.

Egal ob Raucher oder Nichtraucher - die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung will rauchfreie Räume: Drei von vier Personen unterstützen ein Rauchverbot in Räumen, die öffentlich zugänglich sind. Das geht aus einer Umfrage hervor, welche die Krebsliga Schweiz am Freitag in Bern vorgestellt hat.

Die meisten Menschen erachten es nicht mehr als normal, den Rauch anderer ertragen zu müssen, so ein Ergebnis.

Insgesamt sind 77% der Befragten (62% Raucher, 80% Nichtraucher oder ehemalige Raucher) für ein Rauchverbot in geschlossenen, öffentlich zugänglichen Räumen. Etwas weniger, aber noch immer eine Mehrheit von 62% spricht sich auch für ein Rauchverbot am Arbeitsplatz aus.

Umstrittene Beizen

Geteilt sind die Meinungen, wenn es um ein Rauchverbot in Cafés und Restaurants geht. Insgesamt befürwortet zwar eine Mehrheit (64,%) ein solches Verbot. Aber unter den Rauchern steht nur eine Minderheit (34%) dahinter.

Die Umfrage wurde vom italienischen Meinungsforschungsinstitut Doxa im Auftrag des Institutes für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Lausanne durchgeführt. Im vergangenen September wurden 2000 in der Schweiz wohnhafte Personen im Alter zwischen 15 und 74 Jahren befragt.

Zeit ist reif

Fabio Levi, leitender Arzt am Lausanner Institut für Sozial- und Präventivmedizin, fordert, dass nun gehandelt wird. Die Bereitschaft zur Einführung eines Rauchverbots an Arbeitsplätzen und in öffentlichen Einrichtungen sei vorhanden, sagte er. Jetzt müsse es auf nationaler Ebene vorwärts gehen.

Verschiedene Kantone wollen oder haben bereits entsprechende gesetzliche Bestimmungen verabschiedet. Am weitesten ging bisher der Kanton Tessin. Das Parlament erliess im Oktober ein Gesetz, das ein Rauchverbot in Restaurants, Bars und Diskotheken vorsieht.

Gegen das Gesetz ergriff die rechtsgerichtete Lega dei Ticinesi das Referendum. Bis Freitag hatte die populistische Partei Zeit, Unterschriften zu sammeln. Die Tessiner Staatskanlzei wird voraussichtlich in der nächsten Woche mitteilen, ob die nötigen 7000 Unterschriften zusammengekommen sind.

Drastische WHO

Am Vortag der Präsentation der Studie hatte die in Genf angesiedelte Weltgesundheits-Organisation (WHO) angekündigt, ab sofort keine Raucherinnen und Raucher mehr einzustellen. Begründung: Die WHO stehe an vorderster Front des weltweiten Kampfes gegen den Tabak-Konsum und müsse daher auch dafür sorgen, dass dies im eigenen Umfeld berücksichtigt werde.

Selbst Organisationen, die sich dem Kampf gegen den Tabak verschrieben haben, sprachen von Diskriminierung. Rechtlich aber ist die neue Richtlinie der WHO nicht anfechtbar, sagte der Arbeitsrechtler Thomas Geiser gegenüber dem Schweizer Radio. "Man kann jemanden nicht anstellen, weil einem dessen Nase nicht passt, denn es gilt die Vertragsfreiheit."

Raucher könnten sich aber legal wehren, in dem sie im Anstellungsgespräch das Rauchen verschweigen würden, so der St. Galler Professor für Arbeitsrecht. "Werden sie angestellt, kann ihnen daraus kein Nachteil entstehen."

swissinfo und Agenturen

Fakten

80% der Nichtraucher oder ehemaligen Raucher sind für ein Rauchverbot in öffentlich zugänglichen Räumen.
Unter den Rauchern sind 62% für ein Rauchverbot.
64% wollen den blauen Dunst aus Cafés und Restaurants verbannen, von den Rauchern dagegen nur 34%.

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In Kürze

An der Umfrage beteiligten sich im September 2005 rund 2000 Personen zwischen 15 und 74 Jahren.

Die Erhebung wurde von einem italienischen Institut durchgeführt, im Auftrag des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Lausanne.

Die Ergebnisse wurden am Freitag von der Krebsliga Schweiz vorgestellt.

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