Bruch mit rebellischem Priester definitiv

Die Röschenzer Kirchgemeinde steht weiterhin hinter ihrem Pfarrer Franz Sabo. swissinfo.ch

Franz Sabo, katholischer Priester im basellandschaftlichen Röschenz, verliert definitiv seine Seelsorgeerlaubnis.

Dieser Inhalt wurde am 08. Oktober 2005 - 13:55 publiziert

Der Basler Bischof Kurt Koch hat die sechsmonatige Bedenkzeit zurückgezogen und Sabo schwerwiegende Konsequenzen angedroht.

Bischof Kurt Koch hatte dem Seelsorger auf den 1. Oktober den kirchlichen Auftrag - die Missio canonica - entzogen und ihn von seinen Aufgaben in Röschenz entbunden.

Koch hatte Sabo jedoch eine halbjährige Bedenkzeit angeboten, nach der er unter gewissen Bedingungen auf seinen Entscheid zurückgekommen wäre.

Diese Frist ist nun vorzeitig abgelaufen. Grund für den Schritt des Basler Bischofs ist die Messe, die Sabo vor einer Woche ohne kirchlichen Auftrag in Röschenz gefeiert hatte, wie Bernhard Cueni, Mitglied des Röschenzer Kirchgemeinderats sagte.

Schwere Konsequenzen angedroht

Koch habe in dem Brief zudem mit "schweren kanonischen Konsequenzen" gedroht, sollte sich Sabo weiterhin nicht an das Verbot der Seelsorgetätigkeit halten. Was damit gemeint sei, werde nicht ausgeführt, könne aber wohl bis zur Exkommunikation gehen, sagte Cueni.

Ab sofort sei nun wieder das Erzbistum Bamberg für Sabo zuständig. Dort war er geweiht worden, dorthin fällt er nach dem definitiven Entzug der Missio auch wieder zurück.

Hintergrund des Zwistes ist die wiederholte öffentliche scharfe Kritik Sabos am Bischof von Basel und an der kirchlichen Hierarchie. Im März 2005 hatte das Bistum schliesslich bekannt gegeben, dass Sabo per Ende September die Missio canonica entzogen werde.

Teilweise bröckelnde Zustimmung

In Röschenz hält die Zustimmung durch die Gemeinde unvermindert an. Anders in der Nachbargemeinde Kleinlützel. Sabo und Benediktiner-Mönche aus dem nahen Kloster Mariastein hielten bis jetzt abwechslungsweise Gottesdienste.

Ihre Tätigkeit in Kleinlützel wollen die Mönche nun aber aufgeben, wenn Sabo weiter beschäftigt werde, drohen die Ordensbrüder.

Eine Kirchgemeindeversammlung soll nun beschliessen, sich von Sabo trennen. Der Ausgang der Abstimmung ist nicht vorhersehbar. Die Kleinlützler Katholiken hatten sich noch im April mit über 90% mit Sabo solidarisiert.

Röschenzer halten weiterhin zu Sabo

Die Röschenzer Kirchgemeinde will jedoch ihren beliebten Seelsorger nicht rausschmeissen. Im April lehnte eine Kirchgemeindeversammlung mit 415 Teilnehmenden einstimmig eine Kündigung für Sabo ab. Laut Cueni ändert daran auch der jüngste Brief des Basler Bischofs nichts: "Wir machen weiter wie bisher."

Die Kirchgemeinde schreibt auf ihrer Internetsite: "Den Arbeitsvertrag mit unserem Pfarrer haben wir nicht gekündigt. Er wird weiterhin bei uns die Predigten halten, denn geweihter Priester ist und bleibt er, mit oder ohne Missio. Unsere Gläubigen werden weiterhin in die Kirche gehen können, unsere Kinder und Alten weiterhin ihre Anlässe geniessen können."

Droht auch Röschenzern die Exkommunizierung?

Laut einem Interview der "Basler Zeitung" mit dem Kirchenrechtler Erwin Tanner von der Universität Freiburg könnte nicht nur Sabo die Exkommunizierung drohen, sondern auch den Mitgliedern des Kirchgemeinderates.

Tanner begründet dies damit, dass in innerkirchlichen Fragen die Landeskirche Baselland und die Kirchgemeinden die Lehre und Rechtsordnung der Kirchenleitung anerkennen.

Wenn die Röschenzer nach der Ausschöpfung aller Möglichkeiten ihren Pfarrer Sabo nicht entliessen, könnten auch sie selbst aus der Kirche ausgeschlossen werden, so Tanner.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Der "Fall Sabo/Röschenz" ist einmalig in der Geschichte der katholischen Kirche in der Schweiz.
Die rechtliche Lage ist unklar, weil das Gesetz nur die Anstellung, nicht aber die Entlassung eines Pfarrers regelt.
Einerseits verliert der Pfarrer mit Entzug der Missio Canonica die Erlaubnis zur Seelsorge.
Andererseits ist es Sache der Kirchgemeinde, ihren Pfarrer zu entlassen.
Trotz des Entzuges der Missio sind aber die von Sabo gespendeten Sakramente weiterhin gültig.

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