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Bruno Ganz Gross

Auch als Filmschauspieler feierte Bruno Ganz (hier in "Pane e Tulipane") grosse Erfolge.

(Keystone)

Bruno Ganz ist einer der ganz grossen Schauspieler. Ob auf der Bühne oder im Film, der Mann besticht durch eine Präsenz und Intensität, die ihn unvergleichlich macht. Am 22. März feiert Bruno Ganz seinen 60. Geburtstag.

Zürich-Seebach. Endstation der Tramnummer 14. Lau und ruhig fliesst der Katzenbach dahin. Flugzeuge am Himmel, der Flughafen ist nah. Ein alter Dorfkern ist keiner mehr auszumachen. Die wenigen Bauernhäuser sind umgebaut und umgenutzt. Der Friedhof ist schön gelegen, mit Waldrand und Weite. Fast könnte man meinen, dass wenigstens die Toten Aussicht und Himmel haben sollen. Seebach ist Stadtrand. Seebach ist Übergang. Seebach ist nicht wirklich schön.

Genossenschaften, viel gesichtslose Architektur, ein Freibad. Ein bisschen Wald, ein bisschen Hügel, ein bisschen Stille. Ein Autobahnanschluss. Ein Gemeinschaftszentrum, welches in den 70 Jahren den Ruf besass, den groovigsten Sound in Town zu spielen. Aber da war er schon lange weg: Bruno Ganz, geboren am 22. März 1941 als Sohn einer Italienerin und eines Schweizers. Bruno Ganz, aufgewachsen in Zürich-Seebach.

Auf die Bretter

Es war keine leichte unbeschwerte Jugend. Der Junge Bruno scheint ein schwieriger Knabe gewesen zu sein; vielleicht zu wild, vielleicht einfach nur unverstanden. Der junge Mann dann, will auf die Bühne und bewirbt sich an der Schauspiel Schule Zürich. Er hat Talent, er wird erkannt. Er spielt in zwei Spielfilmen mit, und absolviert die Rekrutenschule als Sanitäter. Dann nichts als weg.

1962 folgt das erste Engagement am Jungen Theater Göttingen. Weiter geht's nach Bremen. Danach wieder Zürich. Ende 1967 steht er erstmals unter der Regie von Peter Stein auf der Bühne. Der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit. Bruno Ganz zieht nach Berlin und wird ein Mitglied der Schaubühne.

Vor dem Hintergrund der 68er-Bewegung erhalten die Theaterschaffenden Mitspracherecht bei der Stückauswahl und der Spielplanpolitik. Das Schauspielerensemble, dem auch Namen wie Otto Sanders, Jutta Lampe, Edith Clever angehören, schreibt in der Folge Theatergeschichte.

Viele Inszenierungen sind grossartig, Theater vom Feinsten, Theater in Vollendung. Aischylos' "Die Orestie", Tschechows "Der Kirschgarten", Kleists "Der Prinz von Homburg" sind nur einige davon. Neben den Klassikern engagiert sich die Schaubühne auch für zeitgenössische Dramatiker.
Seine letzte Bravur-Leistung: Goethes "Faust" integral in einer umstrittenen, sehr vergeistigten, 20-stündigen (!) Inszenierung von Peter Stein.

Film und Funk

Neben der Schauspielerei steht Bruno Ganz auch immer vor der Kamera. Ob in "L'éternité et un jour" von Angelopoulos oder Soldinis wunderbarem "Pane e Tulipane" - immer macht der Mime eine gute Figur. Er spielt seine Figuren nicht, er lebt sie, er atmet sie. Durch und durch.

Meist liegt in seinen Augen jener Schleier der Melancholie, der sich um die vielen Wahrheiten, die vielen Geheimnisse des Lebens legt. Und auch wenn "bloss" seine Stimme zu hören ist, an einer Lesung, in einem Hörspiel Bruno Ganz hinterlässt bleibende Eindrücke. Er wird ausgezeichnet, immer wieder, dieses Jahr an den Filmtagen in Solothurn als bester Schauspieler.

Zudem trägt er den "Iffland-Ring", jene Auszeichnung, die seit über 200 Jahren an den jeweils bedeutensten Schauspieler deutschsprachiger Bühnen vergeben wird. Alles gut? Nicht nur. Grosse Schauspieler zahlen oft einen hohen Preis dafür, dass sie dem Publikum mehr als reine Schauspielkunst schenken. Bei Bruno Ganz hiess die wärmende Droge lange Zeit Alkohol. Bis zu bitteren Abstürzen.

Jetzt ist Bruno Ganz bei den AA (Anonymen Alkoholikern) und versucht sein Leben ohne Promille zu meistern. Und seit dem Tod seiner Eltern lebt er, neben seinem Domizil in Berlin, wieder in Zürich-Seebach.

Brigitta Javurek, Zürich

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