Camille Claudel und Rodin - Liebe und Mythos

"Das reife Alter" (L'âge mûr), erste Version. Ein Werk von Camille Claudel von ca. 1893. Keystone

Die Fondation Gianadda in Martigny erinnert in einer umfassenden Schau an das aussergewöhnliche Künstlerpaar "Camille Claudel und Rodin".

Dieser Inhalt wurde am 09. März 2006 - 07:53 publiziert

Eine einzigartige Gelegenheit, einen der berühmtesten Bildhauer und dessen Schülerin und Geliebte zu entdecken, die immer in seinem Schatten stand.

Eine skandalöse Liebesbeziehung, aber auch die Leidenschaft zur Bildhauerei verbanden Camille Claudel (1864-1943) und den weltberühmten Auguste Rodin (1840-1917). Claudel zerbrach schliesslich an ihrer Liebe zu Rodin. Und ihre Kunst geriet schnell in Vergessenheit.

Auguste Rodin aber gilt als einer der wichtigsten Bildhauer der Kunstgeschichte. Seine Figur "Der Denker" (1880) ist berühmt wie Michelangelos "David".

Die vergessene Mitarbeiterin

Mit dem "Denker" steht Rodin am Beginn der modernen Skulptur: Expressiver Gefühlsausdruck, impressionistischer Umgang mit Licht sowie Symbolismus gehen Hand in Hand.

Dass Rodin ein Jahrzehnt in enger Zusammenarbeit mit Camille Claudel arbeitete, wird oft vergessen.

Eine Zeit des Glücks

1882 lernt die nicht einmal 18-jährige Camille Claudel den bereits berühmten Rodin kennen. Er nimmt ihr Talent als Bildhauerin sofort war, und sie tritt als Gehilfin in sein Atelier ein, um ihn bei seinen Grossaufträgen zu unterstützen.

Daraus entsteht eine mehr als zehn Jahre dauernde fruchtbare und enge Zusammenarbeit und bald einmal eine leidenschaftliche Liebe. Claudel wird zum Modell, zur Gehilfin, zur Muse und zur Geliebten für Rodin, der jedoch mit einer anderen Frau liiert ist.

Die Nähe zeigt sich in den Werken

Die Werke, die in dieser Zeit entstehen, bilden den Schwerpunkt der Schau in Martigny. Allesamt sind es Meisterwerke, denn Claudel steht dem Meister in ihrem Schaffen kaum nach.

Wie nahe sie sich in ihrer Arbeit waren, zeigen Werke wie Rodins "Galatea" und Claudels "Mädchen mit der Garbe".

In "Sukuntala" zeigt Claudel die sich in sanfter Berührung ihrer Schläfen wiedervereinigten Körper zweier Liebender. Mit "Das ewige Idol" schafft Rodin ein ganz ähnliches Werk. Hier kniet der Mann vollkommen demütig vor seiner Angebeteten.

Immer wieder lassen sich derartige Korrespondenzen im Schaffen des Künstlerpaares entdecken.

Ruhm und Vergessenheit

Da Rodin sich nicht zwischen Claudel und seiner Lebensgefährtin entscheiden kann oder will, endet diese Beziehung um 1892.

Sein Ruhm wird weiter steigen, während Claudel nach einer kurzen kreativen und von Rodin unabhängigen Zeit von ihrer Familie in eine psychiatrische Anstalt abgeschoben wird.

Dreissig Jahre verbringt sie dort und schafft kein einziges Werk mehr - sie gerät in Vergessenheit. Zu Unrecht, wie die Ausstellung in der Fondation Gianadda eindrücklich zeigt.

swissinfo und Dominik Imhof, sfd

In Kürze

Die Ausstellung "Claudel et Rodin, la rencontre de deux destins" (Claudel und Rodin, die Begegnung zweier Schicksale) in der Stiftung Gianadda in Martigny, Kanton Wallis, dauert bis 11. Juni 2006.

Die Stiftung hat Rodin schon früher zwei Retrospektiven gewidmet (1984 und 1994 über die Sammlung seiner Schweizer Zeichnungen), ebenso eine Ausstellung über Claudel (1990).

Zur gegenwärtigen Ausstellung haben die Kuratoren Yves Lacasse und Antoinette Le Norman-Romain einen 497-seitigen Katalog publiziert. Er enthält Aufsätze von 14 internationalen Experten und präsentiert erstmals zahlreiche Briefe, Bilder und Zeitzeugen.

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Fakten

Camille Claudel wurde am 8. Dezember 1864 in Fêre-en-Tardenois geboren.

Im Alter von 12 Jahren beschloss sie, Bildhauerin zu werden. Mit 18 wird Claudel Geliebte, Muse und Schülerin von Auguste Rodin (1840-1917).

1913 wird sie in eine Irrenanstalt interniert, wo sie 1943 stirbt.

Erst lange nach ihrem Tod erlangt Claudel 1984 mit einer Grossausstellung im Musée Rodin in Paris Berühmtheit. Ihr Werk umfasst heute knapp 80 Skulpturen.

1987 macht ein Film mit Isabelle Adjani den Mythos Camille Claudel einem breiten Publikum bekannt.

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