Coaster: bestechende Idee mit Anlaufschwierigkeiten

In drei Minuten vom Hotel ins Skigebiet: Der Tschuggen-Coaster. Coaster GmbH

Zuerst als Achterbahn-Erlebniswelt konzipiert, hat es sich zu einem Verkehrssystem der Zukunft entwickelt: Das Schienentaxi Coaster kann im urbanen oder im alpinen Raum eingesetzt werden.

Dieser Inhalt wurde am 21. Dezember 2006 - 16:44 publiziert

Das System funktioniert bislang erst auf einer Teststrecke in Österreich. In Arosa konnte die erste Publikumsanlage wegen Fahrplan-Problemen vorerst nicht eröffnet werden.

Bereits in der 1960er-Jahren tauchte die Idee regelmässig in Fachzeitschriften auf: Selbstfahrende Kabinen auf Schienen bringen Passagiere auf Abruf von einem Ort zum andern.

Sie sind weder an Fahrpläne noch an fixe Routen gebunden und vereinen damit die Flexibilität des individuellen Privatverkehrs mit der Stau- und CO2-Freiheit von Bahnsystemen.

Nach jahrelangen Optimierungsprozessen auf einer Teststrecke in Österreich wurde das weltweit erste Coaster-System in der Schweiz gebaut. Im Wintersportort Arosa überwindet der Tschuggen-Coaster auf einer Länge von 530 Metern 150 Meter Höhendifferenz.

Die Kabinen sind als Zubringer für Hotelgäste ins Skigebiet vorgesehen. Kürzlich hätte die Anlage offiziell eröffnet werden sollen. Wegen fehlerhaften Schweissnähten müssen die Schienen jedoch ein zweites Mal installiert werden.

Florian Oberforcher, Leiter Projekt-Management der Coaster GmbH, räumt gegenüber swissinfo ein, dass die Schienenbau-Firma für den Fehler verantwortlich sei. "Doch für den Coaster ist das natürlich ein Rückschlag."

Machbarkeitsstudie für Ostschweiz

Oberforcher hatte sich von Arosa eine Werbewirkung und weitere Aufträge versprochen. "Wir haben potentielle Interessenten aus der ganzen Welt, doch die wollen zuerst eine Anlage sehen, die sich im täglichen Betrieb bewährt." Die Eröffnung der Anlage in Arosa ist nun im Sommer 2007 geplant.

Andere Schweizer Wintersportorte planen den Bau von Coaster-Systemen zum Transport von Hotelgästen zu den Talstationen der Bergbahnen, so das autofreie Zermatt oder die Bündner Winter-Station Laax.

Das bisher grösste Coaster-Projekt ist eine 47 Kilometer lange Verbindung zwischen Buchs und Wattwil im Toggenburg, einer Region mit lückenhaftem öffentlichem Verkehr.

"Die Anlage wäre eine touristische Attraktion mit weltweiter Ausstrahlung. Wir könnten damit auch unsere Verkehrsprobleme lösen", sagt Rolf Syz im Gespräch mit swissinfo.

Der Gemeindepräsident von Wildhaus ist Initiant der geplanten Bahn. "Zurzeit laufen die Abklärungen zur Finanzierung und die ETH Zürich wird eine Machbarkeitsstudie erstellen."

Verwandtschaften mit Achterbahn

Technisch basiert das System auf einer Achterbahnschiene. Der Antrieb der Fahrzeuge erfolgt nicht über die Räder, sondern über ein Zahnrad, das in einen - zwischen den Schienen montierten - Treibstock eingreift.

"Durch den Zahnradantrieb ist die Position jedes Fahrzeugs ständig exakt bekannt. Ausserdem benötigen wir kein Blocksystem und können eine sehr enge Taktung erreichen", erklärt Oberforcher.

Die Teststrecke in Bürserberg (Österreich) erinnert an eine Achterbahn. "Das hat damit zu tun, dass der Coaster ursprünglich als Tourismus-Attraktion in den Alpen gedacht war. Deshalb weist die Anlage auch alle Finessen auf, die möglich sind."

Finessen, das heisst eine maximale Steigung von 60%, eine Steilkurve mit einer Neigung von 45% und ein minimaler Kurvenradius von lediglich sechs Metern. Damit kann der Coaster auch im urbanen Raum praktisch jedes Hindernis umfahren oder überwinden.

"Natürlich sind im Stadtbetrieb Steilkurven nicht angebracht, das wäre dem Komfort abträglich", relativiert Oberforcher.

Vorbild: Lifte in Hochhäusern

Die Kabinen haben acht Sitzplätze. Zwei extrem drehmomentstarke Elektromotoren werden von Akkus gespiesen, die sich an den Stationen und beim Bergabfahren aufladen.

Theoretisch kann ein Coaster-Netz ohne Begrenzung gebaut werden. Die Fahrzeuge erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von rund 60 Kilometern in der Stunde und eignen sich damit für Distanzen bis zu 50 Kilometern.

Auch steuerungstechnisch und bezüglich (elektronischer) Ticket- und Bezahl-Systeme sind Hunderte von Applikationen denkbar. "Auch die Logistiksysteme haben wir nicht selber entwickelt", führt Oberforcher aus. "Dazu gibt es weltweit genügend Liftfirmen mit dem entsprechenden Know how.

In Hochhäusern sind längst elektronisch gesteuerte und lernfähige Liftsysteme montiert, welche beispielsweise zu unterschiedlichen Pausenzeiten genügend Lifte in die entsprechenden Stockwerke entsenden.

swissinfo, Andreas Keiser, Bürserberg

Coaster

Die Coaster GmbH wurde 2001 von Rainer Perprunner gegründet und hat ihren Sitz in Nüziders (Österreich).

Die Firma beschäftigt 16 Angestellte.

Sie ist zuständig für Entwicklung, Zusammenbau und Verkauf des Verkehrssystems.

Für die Komponenten sind vor allem Schweizer Firmen zuständig.

Die Brusa Elektronik in Sennwald (St. Gallen) liefert den Elektroantrieb und die Leistungselektronik.

CWA in Olten (Solothurn) baut die Kabinen.

Die Batterie stammt von Mes Dea in Stabio (Tessin).

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Tschuggen-Coaster

Das Schienen-Taxi ist Bestandteil des renovierten und erweiterten Tschuggen Grand-Hotels in Arosa.

Der Bau der Transportanlage kam auf rund 3 Mio. Fr. zu stehen.

Zur renovierten Hotelanlage gehört auch eine vom Tessiner Architekten Mario Botta konzipierte Wellness-Anlage.

Besitzer des Hotels ist der deutsche Milliardär Karl-Heinz Kipp.

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