Das Handy kommt im Video-Zeitalter an

TV und das Herunterladen von Videoclips und Musikstücken wird mit den UMTS-Handys Realität. Keystone

Die Swisscom läutet am Dienstag das UMTS-Zeitalter in der Schweiz ein. Frage ist, ob die Kunden auf das neue Angebot eingehen.

Dieser Inhalt wurde am 15. November 2004 - 14:01 publiziert

Videotelefonie, Videoclips und Videospiele sowie Fernseh-Sendungen: Die neueste Generation der Mobiltelefone setzt ganz auf Bilder.

"Die Killer-Applikation von UMTS wird das Bild sein", prophezeite Didier Quillot, Chef von Orange Frankreich, am Filmfestival von Cannes im vergangenen Mai.

Hinter den vier ominösen Buchstaben verbirgt sich das "Universal Mobile Telecommunications System", in der Fachsprache auch 3G genannt, was die dritte Übertragungs-Generation in der Mobilfunktelefonie bezeichnet.

In der Tat: Die Videokommunikation ist die grosse Neuerung zwischen dem gegenwärtigen GSM- und dem neuen UMTS-Standard, der Mobiltelefonie der dritten Generation.

Videophonie, also den Gesprächspartner nicht nur hören, sondern auch sehen, sowie das einfache Herunterladen von Musikdateien via Handy werden so Alltag.

Überwachung

Weitere neue Anwendungsgebiete: Videoüberwachung im öffentlichen oder privaten Raum und "Push to talk", eine Art Funkverkehr mit einer festen Verbindung zwischen zwei oder mehreren Teilnehmern. Oder ein "Premium"-Abonnement für jene Kunden, welche die "Löcher" im aktuellen GSM-Netz zur Verzweiflung treiben.

Die neue Technologie macht auch Fernsehen ab Handy möglich: Wer beispielsweise gerade im Zug oder Bus unterwegs ist, muss nicht mehr auf das Skirennen oder die Tagesschau verzichten.

Games, Goals and Girls

Die dritte Handy-Generation läutet tatsächlich ein neues Zeitalter der Mobiltelefonie ein. Spiele und Videos per Handy gibt es zwar schon heute, aber UMTS ermöglicht ganz neue Dimensionen.

Ausschlaggebend dafür ist der im Vergleich zum GMS-Standard mindestens 40 Mal höhere Datenfluss.

Games, Goals and Girls, lautet die Devise der Anbieter. Sie gehen davon aus, dass bei den Kunden für Spiele, Sport und Sex die grösste Nachfrage besteht.

Voraussetzung für das Nutzen solcher Dienste sind allerdings grosse und farbige Bildschirme, die einerseits erschwinglich sein müssen, andererseits aber auch wenig Strom verbrauchen.

Weiterer Knackpunkt ist die Geschwindigkeit der Datenübertragung: Sie beträgt in der Startphase zwischen 200 und 400 Kilobytes pro Sekunde. Das ist lediglich ein Bruchteil der vor vier Jahren versprochenen zwei Megabytes pro Sekunde.

Fragezeichen Rentabilität

So verlockend die Aussichten auf die neuen Angebote für Kunden sein mögen, auf Betreiberseite herrscht grosse Ungewissheit, was den wirtschaftlichen Erfolg von UMTS betrifft.

"Die Übertragung von TV-Sendungen auf Handys ist sehr attraktiv. Was aber die Kosten solcher Dienstleistungen angeht, müssen die entsprechenden Geschäftsmodelle erst entwickelt werden", so ein Mitarbeiter eines Schweizer Mobilfunk-Anbieters.

Das Szenario aus dem Jahr 2000 jedenfalls ist schon lange Makulatur. GSM wird nicht mit einem "Big Bang" von UMTS abgelöst, der Übergang erfolgt vielmehr sanft und schrittweise.

Als erstes müssen die Kunden die Mobiltelefone der dritten Generation einmal kaufen. Dann bleibt abzuwarten, welches denn überhaupt die Bedürfnisse der Kunden sind und welche Preise sie dafür zu zahlen bereit sind.

Was die Inhalte betrifft, wünschen 28% der Kunden Erotik, gefolgt von News (22%), Musik (13%) und Sport (11%), wie eine Erhebung von Orange Frankreich ergab.

In Asien der Renner

In Asien seit dem Jahr 2000 aufgeschaltet, hat UMTS in Japan und Südkorea heute 35 Millionen Abonnenten. Der Start war aber harzig verlaufen. Es hatte zwei Jahre gebraucht, bis sich die neuen Geräte beim Publikum allmählich durchzusetzen begannen. Dies vor allem dank spielerischen und praktischen Angeboten.

Die Einwohner Tokyos und Seouls benützen ihr Handy zum Herunterladen von Musikstücken oder Videoclips, als kleine Spielkonsole oder zur Übertragung von Fernseh-Sendungen.

Daneben ist das Handy aber auch elektronisches Portemonnaie und Billet für den öffentlichen Verkehr. Der japanische Anbieter NTT DoCoMo beispielsweise verkauft Handys, die auch persönliche Agenda und Kreditkarte sind.

Elektronischer Geldbeutel

So wird es für Kunden möglich, im Restaurant, Hotel, Einkaufsladen oder dem McDonald’s per Handy zu bezahlen.

In Europa dagegen werden noch ein paar Jahre vergehen, bis sich UMTS durchsetzen werde, so die Annahme von Experten. Das Problem: Die Entwicklung der multimedialen mobilen Kommunikation ist äusserst komplex und deshalb kaum voraussehbar.

Das Institut Forrester Research neigt eher zu einer pessimistischen Einschätzung: Im Jahr 2008 werden erst 21% aller europäischen Handybesitzer ein UMTS-fähiges Gerät besitzen.

Die Prognose für die Mobiltelefonie-Anbieter fällt noch düsterer aus: Die UMTS-Netze werden nicht vor 2014 Gewinne abwerfen.

swissinfo, Luigino Canal
(Übertragung aus dem Französischen: Renat Künzi)

Fakten

Im Zentrum des neuen UMTS-Angebots stehen die drei G's, die für Games, Goals and Girls stehen.
Gemäss einer Umfrage von Orange Frankreich verlangen 28% der Kunden Erotik, 22% News, 13% Musik und 11% Sport.
Die Übertragungs-Geschwindigkeit liegt am Anfang bei 200 bis 400 Kilobytes pro Sekunde.
Gemäss einer Studie werden 2008 erst 21% der Kunden ein UMTS-fähiges Handy besitzen.

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In Kürze

In Asien erfolgte der UMTS-Start im Jahr 2000. Bereits sind 35 Mio. Japaner und Koreaner Abonnenten der dritten Generation der Mobiltelefonie.

Für Europa gehen Experten dagegen von mehreren Jahren aus, bis sich UMTS etabliert hat.

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