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Der Bernina Express auf dem Weg in die UNESCO

Der 360-Grad-Kehrviadukt bei Brusio: Ein Highlight für Bahnfans und Touristen aus aller Welt. (Rhätische Bahn)

Die Bündner Bahnlinie ist ein Wunder der Technik. Auf steinernen Viadukten und durch enge Kurven gehts durch schönste Schweizer Alpenlandschaft.

Der Bernina Express soll als dritte Bahnlinie der Welt in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen werden, inklusive Teilstrecke im Puschlav.

Die Bahnreise beginnt in der Stadt Chur und endet im italienischen Tirano.

Sie ist nur etwa 100 Kilometer lang, dauert aber vier Stunden, denn die Züge müssen tiefe Schluchten überqueren, steile Rampen erklimmen und hohe Bergpässe überwinden.

Die Linie gilt seit langem als ein Wunder der Ingenieurkunst des frühen 20. Jahrhunderts und die Bahnfahrt als eine der schönsten überhaupt. Denn die Streckenführung wurde so angelegt, dass sie den Bahnpassagieren beste Sicht auf Bündner Lanschaft und Bergwelt ermöglicht.

Die steinernen Viadukte allein sind einmalig für den Westen. "Sie wurden in ungewohnte Landschaften gebaut, in Kurven und auf Abhängen. Der Steinbau stiess damit an seine Grenzen", erklärt Tom F. Peters, der mehrere Bücher über Bautechnologie verfasst hat.

Halbherzig



Bis vor Kurzem aber wollte die Rhätische Bahn nur die Hälfte der Linie – die Albulastrecke – ins Weltkulturerbe aufnehmen lassen.

Der Vorschlag, der von der Schweizer Regierung abgesegnet werden muss, bevor er an die UNESCO weitergeleitet werden kann, stiess bei den Menschen am zweiten Teil der Strecke im Puschlav auf Empörung.

"Wir waren schockiert, denn diese Bahnlinie ist für das gesamte Tal sehr wichtig", sagt Cassiano Luminati, Mitglied einer Vereinigung, welche die Region des Puschlav vertritt.

Luminati beschuldigte die Rhätische Bahn der Arroganz, weil sie diesen Beschluss allein fassen wollte. Aber, so Luminati, die Linie gehört nicht nur der Bahn, sondern auch der Region, durch die sie führt.

Überlebenswichtig

Die Bahn ist für das Puschlav überlebenswichtig, denn sie ist die einzige Verbindung des italienischsprachigen Valle di Poschiavo zum Rest der Schweiz, welche das ganze Jahr offen ist.

Sie schafft auch Einkommen, denn sie bringt jährlich rund 350’000 Besucherinnen und Besucher ins Puschlav.

Laut Luminati würde das UNESCO-Label deren Zahl noch erhöhen und damit in der Randregion dringend nötige Arbeitsstellen schaffen.

Mit Unterstützung des Veltlin, der italienischen Nachbarregion, in der die Bahnlinie endet, setzte man die Schweizer Regierung unter Druck, damit diese die Rhätische Bahn zu einer Kehrtwende bewog.

Ernst Bachmann, einer der Vizepräsidenten der Rhätischen Bahn, räumt ein, dass die Strecke St. Moritz–Puschlav-Tirano genauso aussergewöhnlich ist wie der Albula-Abschnitt (Chur-St. Moritz).

"Zunächst ersuchten wir um die Aufnahme der Albulalinie in der Liste", führt Bachmann aus. "Aber nachdem wir die Frage im Detail diskutiert hatten, beschlossen wir, das Gesuch auf die gesamte Linie auszudehnen."

Höhere Kosten?

"Wir zögerten, weil wir nicht sicher waren, welche Bedingungen an das Label geknüpft sind, ob es zu höheren Unterhalts- und Renovationskosten führen würde."

Laut Bachmann versicherte die Schweizer Regierung der Bahn, dass keine zusätzlichen Kosten entstehen werden. Er ist nun sicher, dass es richtig ist, die ganze Linie einzuschliessen.

Die vielen Kehrtunnels und die hohen Viadukte seien die Höhepunkte der Linie im Albulatal, so Bachmann weiter. Die grösste Attraktion des zweiten Teils der Strecke sei die Überquerung des Berninapasses vor der langen, steilen Fahrt hinunter ins Puschlav und nach Italien.

"Diese Überquerung auf 2253 Meter über Meer macht sie zur höchsten Reibungsbahn (d.h. ohne Zahnrad) in den Alpen, die Maximalsteigung beträgt unglaubliche 7 Prozent", begeistert sich Gian Brügger, ein Bahnfan, der im Hauptsitz der Rhätischen Bahn arbeitet.

"Die beiden Linien haben sich seit ihrem Bau kaum verändert", erklärt er. "Es wäre grossartig, wenn sie in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen würden!"

Falls Brüggers Wunsch in Erfüllung geht, wird die Bahn ab 2008 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören.

swissinfo, Dale Bechtel auf dem Bernina Express
(Übertragung aus dem Englischen: Charlotte Egger)

Fakten

Die Schweizer Regierung will die UNESCO darum ersuchen, die Bernina-Express-Bahnlinie in die Liste des Weltkulturerbes aufzunehmen.
Zur Zeit sind zwei Bahnlinien auf dieser Liste: Die Semmeringbahn in Österreich und der Darjeeling Himalayan Railway.

Infobox Ende

In Kürze

Der Bernina Express startet in Chur auf einer Höhe von 584 m.

Die Strecke führt über reine Steinbau-Viadukte und durch Kehrtunnels ins Albulatal und anschliessend ins Engadin.

Von St. Moritz oder Samedan führt sie weiter über den Berninapass (2253m) ins Puschlav und endet in Tirano (Italien, 429 m).

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