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Der Fantasie auf die Sprünge helfen

Besucherinnen vor einem Werk von Sigmar Polke im Kunsthaus Zürich. Keystone

Das Kunsthaus Zürich widmet dem 64-jährigen deutschen Maler Sigmar Polke die Ausstellung "Werke & Tage".

Dieser Inhalt wurde am 08. April 2005 - 16:48 publiziert

Im Mittelpunkt der 70 Werke umfassenden Schau stehen 35 neue Bilder.

Der Teufel muss Polke geritten haben. Wie sonst wäre zu erklären, dass der Künstler in seinem Kölner Atelier allein in den letzten drei Monaten gut 20 Bilder geschaffen hat, die er nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert?

Es sind nicht irgendwelche Bilder, sondern zumeist riesengrosse, wobei sich Polke auch einer neuen Technik bediente. Er hat violettes Pigment auf eine Kunststofffläche gehaucht, gepustet, gewischt und poliert und so gold-violett schillernde Landschaften kreiert.

Alchemistische Malerei

Eine Sonne versinkt am Horizont, am Himmel treiben Wolkenfetzen. "Achsenzeit" oder "Neobyzanz" heissen diese Bilder, die das Sehen herausfordern und gerade dank ihrer Abstraktion der Fantasie auf die Sprünge helfen.

Zusammen mit Polke hat die Kuratorin Bice Curiger diese neuesten goldenen Bilder zum Kern der Ausstellung erklärt. So neu, wie sie sind, haben sie zwar im Katalog keinen Platz mehr gefunden.

Mit ihrem Glanz jedoch dominieren sie die Mitte des Bührle-Saals, der mit Stellwänden übersichtlich unterteilt worden ist.

Polkes "goldenes Zeitalter" weht allerdings durch die ganze Ausstellung. Denn Ausgangspunkt sind "die alchemistischen Malereieien" überhaupt, die - so Curiger – "rätselhaften, dunklen und violett schimmernden Werke von wilder Schönheit", womit sich der Künstler schon seit den frühen 80er Jahren beschäftigt.

Sie heissen rätselhaft "Negativwert I: Alkor" (1982) oder gut nachvollziehbar "Komet" (1982) und "Gespenst" (1982).

Fotografie und Mischtechniken

Doch Polkes Werk beschränkt sich nicht auf diese Bilder. Im Eingangsbereich zeigt sich seine ganze mediale Vielfalt. Neben den berühmten Zeitungsbildern mit den Rasterpunkten, die der Künstler jeweils von Hand aufträgt und die sein Werk seit den 60er Jahren leitmotivisch überziehen, spielen die Fotografie, verschiedene Mischtechniken, die Collage und die reine Malerei zentrale Rollen.

Im riesigen Gemälde "In Lünen umsteigen" (2003) kombiniert Polke in bekannter Manier Malerei und Fotografie, während die beiden Bilder "Zinnober" (2005) nichts weiter wollen, als wunderbar rot zu leuchten.

Wie ein riesiger Scherenschnitt wirkt das "Schattenkabinett" (2005). Zu erkennen sind ein Pferd, ein Elefant, Silhouetten von Personen, ein schreiender Kopf. Aber wo steckt der Betrachter? Man entdeckt ihn am rechten Bildrand. Wie andere Gemälde wirkt das Bild wie ein Vexierbild, ein Suchbild, das seine Geschichte, vielleicht Geschichten erst bei längerem Betrachten preisgibt.

Vorliebe für Zirkus

Voller Erzählungen stecken auch manche anderen Bilder. Während diejenigen der Gemälde "Lotus-Mantra" (2005) oder "Die Trennung des Mondes von den einzelnen Planeten" (2005) rätselhaft bleiben, ist die Couache "Die Erfindung des Lachgas" (1999) so klar wie eine historische Fotografie.

Deutlich kommt auch Polkes Vorliebe für zirzensisches Leben zum Ausdruck, so im mischtechnisch ausgeführten Triptychon "Zirkusfiguren" (2005), das die Ausstellung zusammen mit dem kleineren Bild "Hütchenspieler" (1998) farbenfroh beschliesst.

swissinfo und Karl Wüst, sfd

In Kürze

"Werke & Tage" ist bis am 19. Juni im Kunsthaus Zürich zu sehen.

Die Ausstellung zeigt 70 Bilder von Sigmar Polke.

Davon 35 neue Werke.

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