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Der Sonntag soll ein Ruhetag bleiben

Gewerkschaften wehren sich gegen Sonntagsverkäufe in Bahnhöfen und Flughäfen. Keystone Archive

Das Schweizer Stimmvolk wird wahrscheinlich über die Frage der Ladenöffnungszeiten am Sonntag abstimmen. Das Referendum ist offiziell lanciert.

Dieser Inhalt wurde am 18. November 2004 - 15:24 publiziert

Die Kampagne gegen offene Läden in Bahnhöfen und Flughäfen steht unter dem Titel "Der Sonntag darf nicht zum Werktag werden".

Es gehe darum, ideologische Argumente zu widerlegen, sagten Vertreterinnen und Vertreter des Komitees am Donnerstag vor den Medien. Für den sozialdemokratischen Ständerat Alain Berset ist erwiesen, dass Sonntagsarbeit weder mehr Umsätze bringe noch neue Stellen schaffe.

"Der Kuchen wird nicht wachsen"

"Ein Franken kann nur ein Mal ausgegeben werden", sagte Berset. Die Verkaufsmengen würden deshalb nicht wachsen, sondern der Kuchen nur anders aufgeteilt.

Steige der Umsatz an Sonntagen, nehme er an den übrigen Wochentagen ab. Ebenso werde die Arbeit von den Werk- auf die Sonntage verschoben - zum Nachteil der kleinen Anbieter.

Für regelmässige Sonntagsarbeit gebe es heute von Gesetzes wegen keine Zulagen, erklärte Andreas Rieger von der Gewerkschaft UNIA. Die meisten Arbeitgeber verfügten über keinen Gesamtarbeitsvertrag und wollten auch keinen.

Und wo Sonntagszulagen bezahlt würden, machten sie die sozialen Einbussen für die Angestellten nicht wett.

Vor allem schlecht Verdienende

Vergleiche zeigten zudem, dass an Sonntagen die am schlechtesten bezahlten Angestellten zur Arbeit gedrängt würden. Der Mittelwert der Löhne von regelmässig am Sonntag arbeitenden Verkäuferinnen liegt laut Riegers Angaben bei 3500 Franken brutto.

Gemäss einer Erhebung von 2003 sei er sogar 400 Franken tiefer als der mittlere Lohn der nie sonntags arbeitenden Frauen im Detailhandel.

Das Verkaufspersonal selbst wolle am Sonntag nicht arbeiten: In einer 1998 im Auftrag des Bundes erstellten Studie lehnten drei von vier Verkäuferinnen auch gelegentliche Sonntagsarbeit ab.

Der Sonntag sei Symbol für den bewährten Rhythmus von Arbeit und Ruhe, sagte Wolfgang Büttsteiner von der Schweizerischen National-Kommission Justitia et Pax.

Würden Angestellten an Stelle des Sonntages individuell Wochentage als Freitage gutgeschrieben, "zerbricht das gesellschaftliche Gefüge".

Ausnahmebewilligungen sollen möglich sein

Das Rad zurückdrehen will das Referendumskomitee indessen nicht. Ausnahmebewilligungen für Arbeit am Sonntag seien heute möglich und sinnvoll, sagte Regula Rytz, Zentralsekretärin des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB).

Doch die vom Parlament beschlossene Änderung des Arbeitsgesetzes sei ein Schritt zur generellen Sonntagsarbeit.

Das Komitee hofft, die für das Zustandekommen seines Referendums nötigen 50'000 Unterschriften innert fünf bis sechs Wochen zusammenzubringen.

Das Parlament hatte die Änderung des Arbeitsgesetzes im September beschlossen.

Demnach sind sonntägliche Einkaufsbummel in den 24 grössten Bahnhöfen und Flughäfen mit Linienverkehr erlaubt. Läden und Dienstleister dürfen ohne Beschränkung ihres Sortiments öffnen.

Für den Ständerat könnte die Liberalisierung noch weiter gehen: Mit einer Motion forderte er einen Gesetzesvorschlag für die generelle Aufhebung des Sonntagsarbeitsverbotes für Verkaufsgeschäfte und Dienstleister.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Das Referendumskomitee hat bis am 27. Januar Zeit, um die 50'000 benötigten Unterschriften zu sammeln.

Es hofft, dieses Ziel in sechs bis acht Wochen zu erreichen.

Das Parlament hat der Liberalisierung des Sonntagsarbeits-Verbotes für Verkaufsflächen in Bahnhöfen und Flughäfen zugestimmt.

Rund 25 Bahnhöfe sind von dieser Regelung betroffen.

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