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Deutsch-schweizerische Freundschaft am Bildungsmarkt

Lernen macht Spass: An der deutschsprachigen Schule Bangkok unterrichten Lehrer aus Deutschland und der Schweiz.

Beide Länder sind mit deutschsprachigen Schulen im Ausland präsent. Aber Bonn forciert den Auftritt am internationalen Bildungsmarkt stärker als Bern. Jetzt wollen Deutschland und die Schweiz enger zusammenspannen.

Ende 2007 erhöhte das eidgenössische Parlament den Beitrag für die Schweizer Schulen im Ausland auf 20 Mio. Franken. Zuvor hatte der Bund 16 Millionen beigesteuert.

Es handelte sich jedoch nicht um ein Geschenk, sondern um ein Signal der Parlamentarier zur Stärkung der 17 Schweizer Schulen im Ausland. Und noch wichtiger: Der Entscheid zeugt von einem gestiegenen politischen Bewusstsein dafür, dass Schulen eine nachhaltige Präsenz der Schweiz im Ausland darstellen.

Zu dieser Sensibilisierung trug Nationalrat Pius Segmüller wesentlich bei. Mehr Mittel heisst aber auch mehr Anstrengungen, so die Botschaft des ehemaligen Kommandanten der päpstlichen Schweizergarde in Rom an der Jahreskonferenz der Koordinationsstelle der Schweizer Schulen im Ausland (KAS) in Bern.

"Schweizer Schulen als Bildungsprodukt von hoher Qualität sind Teil der Marke Schweiz, und die könnte man besser vermarkten", sagt Segmüller. Leistung und Qualität der Auslandschulen müssten auch im Inland mehr hervorgehoben werden, gemäss dem Motto: Tue Gutes und sprich darüber.

Offene Türen

Segmüller, der während seines Einsatzes in Rom auch der Leitung der dortigen Schweizer Schule angehört hatte, rennt bei Toni Wunderlin offene Türen ein. "Wir müssen uns vermehrt überlegen, wie wir das Bildungsprodukt Schweiz im europäischen Raum einbringen", sagt der Leiter der Schweizerschule in Barcelona gegenüber swissinfo.

Wunderlin ist zuversichtlich: Die KAS als Dachorganisation sei in den letzten Jahren sehr aktiv gewesen; dank Lobbying hätten sich die Schweizerschulen bei Politikern einen Namen geschaffen und würden wahrgenommen.

"Wir müssen diese Arbeit weiterführen und die Dachorganisation professionalisieren und mit mehr Mittel ausrüsten, um Ressourcen für diese Präsenz zu schaffen", so der Schulleiter aus der spanischen Metropole.

Baustein der Aussenpolitik

Was Auslandschulen betrifft, ist Deutschland der Schweiz voraus. Auch dank der Initiative "Schulen: Partner der Zukunft", die der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier lanciert hat, wie Reinhard Löchelt von der Zentralstelle für das Auslandschulwesen im deutschen Innenministerium sagt.

Damit wird die Friedenspolitik als dritte Säule der deutschen Aussenpolitik gefördert. Erfreuliche Folge der Steinmeier-Initiative: Der Etat von Löchelts Behörde hat sich in diesem Jahr deutlich erhöht.

Dazu kommt das Bekenntnis seines Landes, im hart umkämpften Wettbewerb auf dem internationalen Bildungsmarkt mitzumischen. "Es ist unser Auftrag, deutsche Sprache und deutsche Kultur und Präsenz für deutsche Experten in der Welt zu stärken", sagt der ehemalige Leiter der Deutschen Schule in Johannesburg.

Einheitlicher Abschluss

Marketing und Positionierung überlässt Löchelt den einzelnen Schulen. Seine Amtsstelle ist für die Corporate Identity des deutschen Auslandschulwesens besorgt. Dies geschieht unter anderem mit einem gemeinsamen Auftritt auf der Internetseite des Aussenministeriums. Den Auslandschulen wird auch eine Internetplattform als Rahmenvorgabe für den Webauftritt zur Verfügung gestellt.

Zentrales Produkt der deutschen Auslandschulen ist die Deutsche Internationale Abiturprüfung, bei der mindestens zwei Fächer in Englisch geprüft werden. Mit der DIAP räumt die deutsche Zentralstelle für das Auslandschulwesen mit der Vielzahl der deutschen Hochschul-Zugangsberechtigungen auf.

Die Marktposition von deutschsprachigen Schulen wird mit einem Qualitätsmanagement gesichert, das von der Unterrichtsqualität über die Schulleitung bis zur Ausstattung der Schulen reicht. Regelmässige Inspektionen spornten die Schulleitungen an, noch besser zu werden, so Löchelt.

Aufgrund dieser Unterschiede von einer "Wettbewerbsverzerrung" zu sprechen, wäre aber verfehlt. Denn meist konkurrenzieren sich die Auslandschulen Deutschlands und der Schweiz nicht, sondern sie kooperieren und ergänzen sich.

Lokale...

Ein Beispiel: In Barcelona arbeitet der Schweizer Schulddirektor Toni Wunderlin eng mit seinen Kollegen von der deutschen Schule und einer deutschsprachigen katalanischen Institution zusammen. "Wir bieten alle ein Nischenprodukt an, von dem wir gut leben können", sagt er.

Sie teilten sich eine Psychologenstelle und setzten gegenseitig Lehrpersonal und Prüfungsexperten ein. Handlungsbedarf sieht Wunderlin bei der Lehreraus- und -fortbildung, "da müssen wir die Zusammenarbeit intensivieren".

... und institutionelle Kooperation

Löchelt sieht Potenzial für Kooperation auch auf institutioneller Ebene. Eine Option betrifft die von Deutschland eingesetzten Schulkoordinatoren, die vor allem in Asien den Bedarf für eine deutsche Schule abklären. "Über sie könnten wir gemeinsam versuchen, Eltern aus beiden Ländern für eine Schulkooperation zu gewinnen."

Für ihn ist klar, dass Kooperation auf einer pragmatischen Basis entstehen und funktionieren muss. "Dazu haben wir heute den Auftakt gemacht", freut sich Löchelt. Die Pläne sollen schon in den nächsten Wochen und Monaten mit den Schweizer Partnern konkretisiert werden.

swissinfo, Renat Künzi, Bern

SCHWEIZER SCHULEN im Ausland

Zur Zeit existieren 17 anerkannte Schweizerschulen. Insgesamt bilden sie rund 6700 Schülerinnen und Schüler aus.

Für 2008 hat das Parlament gegen den Antrag des Bundesrates einen Kredit von 20 Mio. Franken gesprochen (2007: 16,7 Mio. Fr.)

In den vergangenen Jahren mussten die Schulen Einsparungen über sich ergehen lassen. Zwischen 2004 und 2007 betrugen diese 12%.

Dies führte zu Lohnkürzungen bei der Lehrerschaft, höheren Schulgebühren und einem Aufschub von nötigen Investitionen.

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