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Die Affäre im Zeitraffer

Die Affäre um Thomas Borer und den Ringier-Konzern hat am vergangenen Ostersonntag begonnen und zur Abberufung des Schweizer Botschafters in Berlin sowie nun zum sofortigen Abgang des Chefredaktors des "SonntagsBlicks" geführt.

Dieser Inhalt wurde am 11. Juli 2002 - 14:10 publiziert

31. März:

Der "SonntagsBlick" berichtet, Thomas Borer habe in der Schweizer Botschaft in Berlin in der Nacht zum 21. März Besuch der Visagistin Djamile Rowe erhalten, und veröffentlicht Fotos, die Rowe angeblich in einem Auto vor der Botschaft zeigen. Das Ehepaar Borer bestreitet den Sachverhalt und spricht von einer Rufmord-Kampagne des Ringier-Konzerns. Der Sprecher des Aussenministeriums, Ruedi Christen, sagt, Bundesrat Joseph Deiss erwarte eine schnelle und klare Darstellung des Sachverhalts durch Borer.

1. April:

Rowe lässt durch ihre Anwältin mitteilen, die vom "SonntagsBlick" veröffentlichte Geschichte gebe einen unrichtigen Sachverhalt wieder und sie werde falsch zitiert.

2. April:

Rowe wird vom "Blick" mit der Schilderung der Begegnung mit Borer zitiert. Sie gibt an, in die Tiefgarage der Botschaft gefahren worden zu sein. Borer habe ihr die Botschaft und auch die Privaträume gezeigt und sie für einen Liebeskummer getröstet. Später ergänzt sie, sie habe eine sexuelle Beziehung mit Borer gehabt.

4. April:

Borer will mit rechtlichen Schritten gegen die Enthüllungen über sein Privatleben vorgehen. Ringier hält an den Darstellungen fest. Das EDA begrüsst die Klage.

6. April:

Deiss kündigt eine rasche Aussprache mit Borer an.

9. April:

Verleger Michael Ringier verteidigt das Vorgehen von "SonntagsBlick" und "Blick", auch wenn er persönlich anders entschieden hätte.

10. April:

Der Bundesrat beschliesst, Borer auf Ende April von seinem Posten in Berlin abzuberufen. Borer könne unter den gegebenen Umständen seine Mission in Berlin nicht mehr wirkungsvoll erfüllen. Borer habe sich in der schwierigen Situation nicht optimal verhalten und sei der Aufforderung nicht nachgekommen, aus den Ferien nach Bern zurückzukehren, sagte Deiss. Ein Angebot für eine Versetzung in eine andere Botschaft habe Borer abgelehnt.

11. April:

Die aussenpolitische Kommission des Ständerats stellt sich hinter den Entscheid des Bundesrats, Borer abzuberufen. Sie verurteilt zugleich den "Fertigmacher-Journalismus" von Ringier.

14. April:

Ringier-Verwaltungsratspräsident Uli Sigg kritisiert das Vorgehen der Journalisten seines Hauses und schliesst interne Konsequenzen nicht aus.

15. April:

Bundesrat Moritz Leuenberger bezeichnet den Angriff des "SonntagsBlicks" auf Borer als moralisch und wohl auch rechtlich nicht legitim.

27. April:

Borer gibt bekannt, dass er den diplomatischen Dienst Ende April quittiert und als Wirtschaftsberater tätig sein wird. Er wirft dem EDA mangelnde Unterstützung und Loyalität vor.

29. April:

Die aussenpolitische Kommission des Nationalrats stellt sich hinter Deiss.

30. April:

Ringier kündigt an, den in verschiedenen Medien geäusserten Verdacht, die vom "SonntagsBlick" veröffentlichten Fotos seien gefälscht, von externen Experten prüfen zu lassen.

3. Juli:

Ringier gibt bekannt, die bisherige Untersuchung der Fotos des "SonntagsBlicks" habe vorerst keine Fälschung an den Tag gebracht. Die Untersuchung geht aber weiter.

7. Juli:

Rowe dementiert frühere Aussagen, wonach sie mit Borer eine sexuelle Beziehung gehabt habe. Sie sei in der fraglichen Nacht auch nicht in der Schweizer Botschaft gewesen. Sie sei von Ringier massiv unter Druck gesetzt worden; Verleger Ringier habe ihr einen sehr hohen Geldbetrag angeboten. Der Ringier-Verlag weist die Darstellung in allen Teilen zurück und kündigt rechtliche Schritte gegen Rowe an.

10. Juli:

Borer kündigt an, Ringier in den USA zu verklagen.

11. Juli:

Ringier trennt sich von "SonntagsBlick"-Chefredaktor Mathias Nolte und von der Autorin des ersten Berichts über die angebliche Affäre Borers.

swissinfo und Agenturen

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