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Die Buchmesse Genf im Basler Gegenwind

Eine Besucherin an der Buchmesse Genf 2003

(Keystone)

Jules Verne in einer Sonderausstellung, Bücher aus Afrika und Chile als Gastland: Das sind die glanzvollen Schwerpunkte der Genfer Buchmesse vom 28. April bis am 2. Mai.

Nicht zu übersehen ist aber auch die Konkurrenz durch die Basler Buchmesse, die nur eine Woche später stattfindet.

"Zum zweiten Mal wird ein grosser Teil der Deutschschweizer Verlage nicht zu uns kommen", bedauert der Gründer und Direktor der Genfer Buchmesse, Pierre-Marcel Favre.

Favre beklagte in der Genfer Tageszeitung "Le Temps", die Buchmesse Basel zertrümmere die nationale Bedeutung der Genfer Veranstaltung und lasse sie zum Forum für Verlage aus der Romandie schrumpfen.

Die Basler Veranstalter weisen darauf hin, dass die beiden Messen ein völlig anderes Publikum anziehen. Genf habe es zudem nie geschafft, sich als gesamtschweizerische Buchmesse zu etablieren.

So kritisiert der Verleger Ricco Bilger - er moderiert in Basel einen grossen Verlagsabend - , der Genfer Salon müsse "aus seinem Reduit herauskommen und die deutschsprachigen Verlage nicht als Beiwerk missbrauchen".

Wie viele Buchmessen verträgt das Land?

Pierre Marcel-Favre hingegen ortet Aggression, die drohende Spaltung der Sprachregionen und eine Entwicklung, die "einhergeht mit derjenigen, welche die englische Sprache in der deutschen Schweiz anstelle des Französischen zur zweiten Landessprache werden lässt".

Deshalb appelliert Favre an die politischen Entscheidungsträger, welche "die Romandie immer mehr fallen lassen, um nicht zu sagen, verhöhnen."

Stephan Lips, Leiter der Basler Buchmesse, stellt hingegen trocken fest: "Wie viele Buchmessen in einem Land Platz haben, entscheidet ausschliesslich der Markt."

Der kulturpolitische Zwist entzündete sich vor einem Jahr, als in Basel zum ersten Mal und zeitgleich mit Genf eine Buchmesse stattfand.

Dieses Jahr haben die Basler ihre Messe zwar um eine Woche verschoben. Doch diese geringe zeitliche Entflechtung lässt den Wettbewerb zwischen den beiden auch geographisch nicht weit auseinander liegenden Messen bestehen.

Viele, besonders auch kleine Verlage, können sich eine Präsenz an beiden Messen finanziell schlicht nicht leisten.

In Basel nehmen dieses Jahr mehr Verlage (340 statt 270) teil. Auch die Ausstellungsfläche und die Anzahl Veranstaltungen haben zugenommen. In Genf stellen 300 Verlage aus.

Auch Pro Helvetia bleibt Genf fern

Der deutschsprachige Schweizer Marktleader Diogenes, aber auch kleinere Verlage aus der Deutschschweiz, verzichten dieses Jahr zum ersten Mal auf einen eigenen Stand in Genf und sind lediglich noch am Gemeinschaftsstand der Buchhändler und Verleger vertreten.

Die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia hat sich von der Buchmesse in Genf ganz zurückgezogen, nachdem sie dort seit der 1. Ausgabe präsent gewesen war. Und die Landesbibliothek hat ihren Auftritt reduziert.

Pro Helvetia und die Landesbibliothek begründen ihre Entscheide gegenüber swissinfo mit Sparmassnahmen.

"Die Messe in Basel ist ganz klar nicht der Grund, weshalb wir in Genf nicht mehr präsent sind. Wir sind an keiner Buchmesse in der Schweiz vertreten", betont die Leiterin Kommunikation der Pro Helvetia, Sabina Schwarzenbach.

"Wir stehen unter Spardruck und wollen uns auf Förder-Massnahmen konzentrieren. Genf jedoch ist immer mehr zu einer Verkaufsmesse geworden."

Chile als Gastland

Der allgegenwärtige Spardruck habe auch dazu geführt, dass die Genfer Buchmesse dieses Jahr keinen Schweizer Gastkanton gefunden habe, führt Messesprecher René Grüninger aus.

Dafür wurde als Gastland Chile eingeladen, das in einem eigenen Pavillon einen Querschnitt seines literarischen Schaffens zeigt. Das südamerikanische Land kündigt überdies prominente Gäste an wie Isabel Allende, Antonio Skarmeta und Raul Ruiz.

Mit einer Multimedia-Show wird zudem Chiles Nationaldichter und Nobelpreisträger Pablo Neruda zu seinem 100. Geburtstag geehrt. Daneben werden die Gäste auch touristische Attraktionen vorstellen und qualitativ hochstehende Weine versteigern.

Das frankophone Afrika als Schwerpunkt

Die akzentuierte internationale Öffnung der Genfer Veranstaltung unterstreicht auch die erstmals stattfindende Messe für Bücher, Kultur und Presse aus dem frankophonen Afrika.

Einige afrikanische Autoren, darunter Tanella Boni (Elfenbeinküste), Ken Bugul (Senegal) und Aminata Sow Fall (Senegal), werden in Genf anwesend sein. Ihre Werke sind auch in deutscher Sprache erschienen.

Im Zusammenhang mit dem Afrika-Schwerpunkt wird am 29. April zum ersten Mal ein mit 5000 Franken dotierter Literaturpreis verliehen. Er trägt den Namen des kürzlich verstorbenen Schriftstellers Ahmadou Kourouma (Elfenbeinküste).

Mit dem Preis soll ein historisches, soziologisches oder politisches Essay über Afrika ausgezeichnet werden.

Jules Verne, Publikumsmagnet

Ein Publikumsmagnet der Genfer Buchmesse ist jedes Jahr die Sonderausstellung. Dieses Jahr ist sie dem französischen Autor Jules Verne gewidmet, dessen Todestag sich 2005 zum 100. Mal jährt.

Verne hat nicht nur die Science-Fiction vorweggenommen. Er ist auch der weltweit am häufigsten übersetzte Schriftsteller.

swissinfo, Andreas Keiser

In Kürze

Die 18. Internationale Messe für Buch, Presse und Multimedia findet vom 28. April bis am 2. Mai in Genf statt.

Eine Woche später, vom 7. bis 9. Mai, findet in Basel zum zweiten Mal ebenfalls eine Buchmesse statt.

In Genf stellen auf einer Fläche von 30'000 m2 300 Aussteller aus.

In Basel sind es auf einer Fläche von 6150m2 340 Aussteller.

Die Organisatoren der Genfer Messe erwarten auch dieses Jahr rund 120'000 Besucherinnen und Besucher.

Im vergangenen Jahr verzeichnete die erste Ausgabe der Buchmesse Basel 28'000 Besucher.

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