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Die halbe Welt drängt sich in die Städte

Installation für den Schweizer Pavillon.

(Bernard Tschumi Architects)

Die 10. Internationale Architekturausstellung von Venedig ist dem Thema "Stadt" gewidmet. Der Architekt Bernard Tschumi vertritt offiziell die Schweiz.

Tschumis "Elliptic City" zeigt am Beispiel eines konkreten Projekts, wie er architektonische Lösungen entwirft. Das Zentrum ist für 12'000 bis 30'000 Personen vorgesehen und genügt strengen Umweltschutz-Vorschriften.

Die Städte gewinnen immer mehr an Bedeutung. Mittlerweile lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung dicht gedrängt in Städten, wie der Engländer Richard Burdett, Direktor der Internationalen Architekturausstellung von Venedig, betont. Vor einem Jahrhundert lebten gerade mal 10% der Weltbevölkerung in Städten.

"Das 21. Jahrhundert steht für die Urbanisierung des Lebens. 75% der Weltbevölkerung leben in urbanen Räumen, viele Menschen in Mega-Metropolen mit mehr als 20 Millionen Einwohnern, vor allem in den Schwellenländern Asiens, Afrikas und Südamerikas", sagt Burdett.

Umgekehrt verläuft die Entwicklung laut Burdett in westlichen, europäischen Städten, die tendenziell schrumpfen und neue Wege suchen, um sich im postindustriellen Zeitalter behaupten zu können.

Die Utopie der neuen Stadt

Trotz vieler urbanistischer und architektonischer Projekte sowie guter Absichten der Politiker verläuft die städtebauliche Entwicklung der heutigen Mega-Cities zumeist chaotisch und unkontrolliert. Diese Entwicklung ist ein Schwerpunktthema der Ausstellung.

Das Projekt von Bernard Tschumi im Schweizer Pavillon zeigt einen ganz anderen Aspekt von Städteentwicklung auf. "Es zeigt, wie eine Stadt aus dem Nichts entstehen kann", sagt Andreas Münch vom Bundesamt für Kultur (BAK).

Tschumis "Elliptic City" wird in der Dominikanischen Republik den "Independent Financial Center of the Americas" beherbergen, ein internationales Finanz- und Dienstleistungszentrum für 12'000 Personen. Eine Erweiterung auf 30'000 Personen scheint sogar möglich.

Das Publikum zeigte schon während der Eröffnungstage grosses Interesse für den Schweizer Pavillon, insbesondere bei einer Podiumsveranstaltung, an der neben Bernard Tschumi auch der Italiener Pier Vittorio Aureli und der Amerikaner Jeffrey Kipnis teilnahmen.

Andreas Münch hat in Venedig nur Komplimente über den Schweizer Pavillon gehört. "Aber normalerweise kommen die Leute ja auch nicht zu einem Kurator, um ihn zu kritisieren", fügt er mit etwas Selbstironie an. Münch weiss aber, dass die Schweiz in Venedig wegen ihrer grossartigen Architektur-Tradition besonders aufmerksam beobachtet wird.

Lösungen für Schweizer Städte

Die Schweiz ist an der Biennale nicht nur mit dem offiziellen Pavillon vertreten, sondern auch mit Projekten urbaner Geografie, die vom Studio Basel/Contemporary City Institute ausgeführt wurden. Das Basler Institut, ein Ableger der ETH Zürich, hat sich auf die Entwicklung heutiger Städte spezialisiert. Dort unterrichten grosse Namen der Schweizer Architektur wie Roger Diener, Jacques Herzog und Pierre De Meuron.

"In einer Studie, die auch in Buchform erschien, haben wir zuerst die aufgesplitterte Realität der Schweiz mit ihren Kantonen, Städten und Gemeinden mitsamt der jeweiligen historischen Entwicklungen aufgezeigt", sagt Sophie Rönnskog, Mitarbeiterin vom Studio Basel.

Im zweiten Teil werden konkrete Verbesserungsvorschläge für eine harmonischere Entwicklung urbaner Gegenden gemacht, beispielsweise mit Hilfe des Nahverkehrssystems in Bern uns seiner Agglomeration.

Mega-Cities unter der Lupe

Doch die Ausstellung von Venedig thematisiert vor allem die Entwicklung der Grossstädte. In den diversen Ausstellungshallen beschäftigt man sich mit Bogotà, Los Angeles, Istanbul, Berlin, Shanghai, Caracas, London und anderen Mega-Cities dieser Erde.

Vorgestellt werden aber auch Arbeiten wie eine soziologische Studie der Universität Texas in Austin über die Folgen des Hurrikans Katrina für New Orleans oder die Erweiterungspläne der antiken chinesischen Stadt Tong Li, die wegen ihrer vielen Kanale auch "Venedig des Orients" genannt wird.

Am 20. Oktober wird im Teatro dell'Arsenale ein Kongress zu den Städten der Zukunft abgehalten. "Ingenieure und Architekten im Projekt der künftigen Stadt", lautet der Titel. Im November, zum Abschluss der Ausstellung, werden die Preise für die besten Projekte vergeben.

swissinfo, Raffaella Rossello
(Übertragung aus dem Italienischen: Gerhard Lob)

In Kürze

Die internationale Architektur-Ausstellung in Venedig (Biennale) will nicht nur für ein Fachpublikum und Architekturfreaks da sein. Die Ausstellung beabsichtigt, eine umfassende Debatte über die Entwicklung von Städten auszulösen.

Im Zentrum der Diskussionen stehen 16 Metropolen, 13 internationale Forschungsinstitute, 50 Länder und 20 Architekturschulen.

Der Goldene Löwe 2006 für das Lebenswerk geht an Richard Rogers.

Das bekannteste Werk Rogers, das von den Kritikern entweder geliebt oder gehasst wird, ist das Centre Georges Pompidou in Paris (1977 zusammen mit Renzo Piano gebaut).

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Fakten

Die Abteilung für Architektur im Rahmen der Kunstbiennale von Venedig entstand 1980.

Der Titel der 10. Internationalen Architekturausstellung von Venedig lautet: "Stadt. Architektur und Gesellschaft."

Dauer: Vom 10. September bis 19. November 2006

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BERNARD TSCHUMI

Der Architekt Bernard Tschumi – 1944 in Lausanne geboren – lebt und arbeitet in Paris und New York. Er ist mit seinen theoretischen und konzeptuellen Architekturstudien weltweit bekannt geworden. Erinnert sei an seine Ausstellung und Publikation "The Manhattan Transcripts" (1981).

Grosses Aufsehen erregte Tschumi 1982, als er unter 470 Konkurrenten den internationalen Wettbewerb für den "Parc de la Villette" in Paris gewann. Nach seinen Plänen wird zur Zeit das neue Akropolis-Museum in Athen gebaut.

Von 1988 bis 2003 war Tschumi Dekan der Graduate School of Architecture, Planning and Preservation an der Columbia University in New York.

Aus Anlass der Ausstellung Elliptic City hat das Bundesamt für Kultur einen Katalog mit dem Titel "Tschumi on architecture. Conversation with Enrique Walker" veröffentlicht.

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