Die Swatch Group expandiert in Mexiko

Reception des Schweizer Uhrenunternehmens Swatch Group in Mexiko City. swissinfo.ch

Schweizer Uhren gibt es in Mexiko seit über hundert Jahren. Seit drei Jahren bearbeitet die Swatch Group den riesigen Markt mit einer eigenen Infrastruktur.

Dieser Inhalt wurde am 28. Dezember 2004 - 12:18 publiziert

Schweizer Uhren ticken immer lauter in Mexiko.

Als die Swatch Group vor drei Jahren in Mexiko City einen Firmensitz suchte, stellte das Management vier Bedingungen. Die Räume der neuen Niederlassung mussten sicher, funktional, am richtigen Ort und inspirierend sein.

Aus der Idee ist eine Pyramide geworden. Der Besucher steigt eine Treppe hinab in einen Glasbau, der den Namen eines Mayatempels im Gliedstaat Campeche trägt: "Pirámide Calakmul."

In drei Jahren hat die Swatch Group Mexico rund 100 Arbeitsplätze geschaffen. "In Mexiko gibt es viele qualifizierte Berufsleute. Sie sind wie Rohdiamanten. Wichtig ist, die richtige Wahl zu treffen", sagt Alexander Kull, der Generaldirektor des Schweizer Uhrenunternehmens gegenüber swissinfo.

Riesiges Land mit großem Marktpotential

Obwohl Mexiko wirtschaftlich seit Jahren kaum vom Fleck kommt, glaubt Kull an das große Potential des Landes für Schweizer Qualitätsuhren. "40 der rund 120 Millionen Einwohner können sich unsere Uhren leisten. Der Markt ist riesig", schätzt Kull, der schweizerisch-mexikanischer Doppelbürger ist.

Schweizer Uhren werden in Mexiko seit mehr als hundert Jahren vertrieben. Von den 18 Marken, welche zur Swatch Group gehören, werden in Mexiko deren neun vermarktet: Swatch, Breguet, Omega, flik flak, Longines, Mido, Tissot, cK watch und Rado.

"Traditionell ist Mexiko ein Mido-Markt", erklärt Kull. In Mexiko-Stadt ist die Uhr mit dem großen Namen aus dem Mittelpreissegment neben Tissot in fast jedem seriösen Uhrenlanden zu haben.

Im Prestige- und Luxusbereich sind in Mexiko die Marken Breguet und Omega die Renner. "Wir kreieren das Umfeld und die Ambiance für jedes Produkt. Bisher haben wir 20 Swatch-Boutiques in Mexico City, in Guadalajara, Cancun, Puebla, Veracruz und Puerta Vallarta sowie ein Netz von Service-Centers im Land aufgebaut", so Kull.

Alles unter einem Pyramidendach

Die Calakmul-Pyramide ist das Herz und das Zentrum der Swatch Group Mexico. Der Besucher tritt jedoch nicht in Büros, sondern in offene Räume, wo Uhrmacher ihrem Handwerk nachgehen.

In einem nur 15 Quadratmeter großen Raum werden zwei Millionen Ersatzteile wie Zahnräder, Schrauben, Plättchen, Dichtungen, Stifte und Gläser aufgewahrt. "Wir brauchen dieses große Lager, weil wir in Mexiko auch Uhren reparieren und warten, die wir lokal nicht vermarkten", erklärt Kull.

Die Pyramide, zwanzig Meter unter der Erdoberfläche, beherbergt auch das Zentrallager. Der Uhrentresor ist 75 Kubikmeter groß, und der Zugang zum tickenden Tresor ist mit einer dicken Betontür abgeriegelt.

Mit der Öffnung der mexikanischen Wirtschaft, den Freihandelsabkommen mit Kanada, den USA (NAFTA) und mit der Europäischen Union hat sich der Markt für Uhren und Schmuck markant verändert. Mexikanerinnen und Mexikaner reisen häufiger, und neue Mode- und Design-Trends erreichen Mexico-City gleichzeitig wie Tokio und New York.

"Das Bild des kleinen Mexikaners, der mit dem breitkrempigen Sombrero neben dem Kaktus döst, ist längst Karikatur und Vergangenheit", meint Kull.

Uhrenkultur verbessern

Trotz der neuen Trends und der wirtschaftspolitischen Öffnung haben die Schweizer Uhrenmacher in Mexiko noch einiges zu tun. "Die Uhrenkultur ist noch schwach ausgebildet", erklärt Kull. "Langsam sinkt in die Köpfe der Konsumenten, dass eine Uhr nicht nur die Zeit misst, sondern auch ein Kultobjekt und ein Statement ist. Die Leute lernen den inneren Wert einer schönen Uhr schätzen."

Vieles passiert in Mexiko im Zeitraffer. Vor zehn Jahren gab es im Land noch kein Uhrenmagazin. Heute gibt es deren drei. Die Nachfrage nach teuren Uhren steigt in der 11. größten Wirtschaft des Planeten.

"Heute verkaufen wir in Mexiko Uhren, die 100'000 Franken kosten. Vor ein paar Jahren war das noch kein Thema. Heute gibt es im Land einen Markt für Uhren aus allen Preissegmenten der Swatch Group. Alles ist möglich", beschreibt Kull die Marktaussichten von Mexiko.

Wo es Prestige gibt, wird auch gefälscht

Wo es teure Markenuhren gibt, zirkulieren auch Fälschungen. Das ist in Mexiko nicht anders.

Alexander Kull räumt ein, dass in Mexiko sowohl Marken wie auch Designs gefälscht werden: "Immer wieder kommen Kunden zu uns, die wir darüber informieren müssen, dass sie eine Fälschung gekauft haben. Es fließen Tränen. Die gefälschte Ware können wir nach geltendem Gesetz nicht konfiszieren."

Bei den in Mexiko zirkulierenden Fälschungen handelt es sich um Produkte aus China und aus Korea. Es sei nicht einfach, gegen Fälschungen vorzugehen, sagt Kull. "Wenn wir in unserem Kampf gegen Fälschungen erfolgreich sein wollen, müssen wir der Justiz hieb- und stichfeste Fälle vorlegen können. Das braucht Zeit und ist aufwändig."

Die Swatch Group Mexiko hat grosse Ziele: Mittelfristig wollen die Uhrenmacher aus der Schweiz Nummer Eins werden im Land.

swissinfo, Erwin Dettling, Mexico City

Fakten

In 3 Jahren hat die Swatch Group Mexico ca. 100 Arbeitsplätze geschaffen

Von den 18 Swatch Group-Marken werden in Mexiko deren 9 vermarktet

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In Kürze

Die Swatch Group ist seit drei Jahren in Mexiko tätig. Das Unternehmen glaubt an das Potential des Landes für Schweizer Qualitätsuhren.

In Mexiko gibt es heute einen Markt für Uhren aus allen Preissegmenten. Die Swatch Group Mexico will die Nummer eins werden im Land.

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