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Es gibt auch Expo-Verlierer

Das Technorama in Winterthur (Bild aus der Ausstellung) fürchtet im Expojahr um die Besucher.

(Keystone)

Expo.02 hat auch Kehrseiten. Für einige Museen und Tourismusanbieter könnte die Landesausstellung negative Folgen haben.

In diesen Tagen spricht man überall von der Expo. Optimismus herrscht und die Medienberichterstattung ist überwiegend positiv. Aber nicht allen gefällt diese mediale und werbemässige Allgegenwart der Landesausstellung.

"Wir riskieren wegen der Expo einen Besucherrückgang von 60'000 Personen", klagt der Pressesprecher des Verkehrshauses Luzern, Hans Syfrig. Aufs Jahr umgerechnet könnte der Rückgang 13-15 Prozent betragen. Die Billett-Einnahmen gingen entsprechend um 1,5 Mio. Franken zurück. 20-40'000 Zuschauerinnen und Zuschauer könnten zudem im Imax-Kino ausbleiben.

Ähnliche Sorgen machte man sich auch am Ballenberg Museum und beim Technorama in Winterthur, wie das Fernsehen SF DRS in einem Beitrag des Magazins "Rundschau" unter dem Titel "Die Expo-Verlierer" aufgezeigt hat.

Weniger Schüler

Walter Trauffer, Direktor des Ballenberg-Museums: "Wir fühlen uns nicht als Verlierer." Trotzdem dürfte sich die "Landi" auf die Besucherzahlen des Heimatmuseums auswirken: "Wir rechnen mit 10 bis 15 Prozent weniger Eintritten."

Trauffer unterstreicht, dass es sich nur um Schätzungen handelt. Die Reservierungen liefen bis anhin noch gut. Ausbleiben würden wahrscheinlich zahlreiche Schulklassen, da sie für Expo-Besuche Subventionen erhielten.

Ins selbe Horn stösst der Direktor des Technoramas in Winterthur, Remo Besio: "Normalerweise erreichen uns in diesen Tagen viele Anfragen von Schulen. Im Moment rührt sich aber nichts."

Besio fürchtet, dass der Rückgang an Schülerinnen und Schüler 50 Prozent erreichen könnte. Insgesamt könnte der Besucherschwund demnach 20 Prozent gegenüber einem normalen Jahr betragen.

Erfahrungen von Hannover

Um die Auswirkungen der Expo auf den Museumsbesuch besser abschätzen zu können, hat sich das Verkehrshaus von Luzern an einige deutsche Museen gewandt. Diese hatten im Jahr 2000 mit der Weltausstellung in Hannover ein ähnliches Problem. "Der Expo-Effekt war je nach Museum aber sehr unterschiedlich", bilanziert Hans Syfrig seine Nachforschungen.

Denn: Kunst- und Architekturmuseen konnten einen Besucherzuwachs verzeichnen. "Hannover 2000 hat bei vielen Besuchern die Lust auf Kunst geweckt", ist Syfrig überzeugt. Andere Museen stellten hingegen einen teils drastischen Besucherschwund von bis zu 40 Prozent fest.

Ängste und Zuversicht

Die Ängste vor einem Expo-Effekt beschränken sich nicht auf die deutschsprachige Schweiz. "Ganz klar, dass wir Auswirkungen erwarten," sagt Bernard Aegler, kaufmännischer Direktor der Schifffahrtsgesellschaft auf dem Genfer See (CGN).

Die Konkurrenz der Seen rund um die Expo wird sich bemerkbar machen, auch wenn die CNG hofft, die Besucherzahl halten zu können. Aegler: "Eine Umsatzsteigerung liegt dieses Jahr nicht drin. Eine Familie, die eine Arteplage besucht, gibt schon eine Menge Geld aus."

Der Vizedirektor des Basler Zoos, Roland Bordmann, ist hingegen vollkommen ruhig. "Vergangenes Jahr hatten wir über 1 Mio. Besucherinnen und Besucher. 1964, bei der letzten Expo, betrug der Besucherschwund nur 2,4 Prozent. Damals handelte es sich zusätzlich um ein verregnetes Jahr."

Ungleichbehandlung

Einige Institutionen ärgern sich allerdings über die Ungleichbehandlung, die ihnen gegenüber der Expo widerfährt. 800 Mio. Franken habe der Staat für die Expo locker gemacht, aber die Erweiterung des Technoramas in Winterthur sei an mangelnder Unterstützung durch den Bund gescheitert, klagt Remo Besio. Geradezu "obszön" findet er die flächendeckende Expo-Werbung, finanziert aus Steuergeldern: "Daneben nichts mehr Platz."

Walter Trauffer gibt sich diplomatischer. Er habe nicht gegen die Expo-Werbung, doch missfalle ihm das Ungleichgewicht der Mittel. Das Museum Ballenberg habe kaum Finanzen, um für die eigenen Sonderausstellungen zu werben.

Auch Bernard Aefer von der Schifffahrtsgesellschaft kann nicht auf Mittel zurückgreifen, um in einer Werbekampagne Madame Wenger & Co. Stirn zu bieten. "Wir können uns nicht an dem Expo-Budget messen."

Das Verkehrshaus in Luzern hat im September eine Werbekampagne geplant. "Aber wir wollen zuerst noch sehen, wie sich die Sommermonate entwickeln", sagt Hans Syfrig. Aber auch er fürchtet, nicht die nötige Aufmerksamkeit zu finden.

Zwischen Expo und Parlament

Für das Verkehrshaus in Luzern könnte die Expo-Konkurrenz fatale Folgen haben. Eventuell müssen sogar die Öffnungszeiten verkürzt werden. Für einige Angestellte würde dies kürzere Arbeitszeiten und weniger Lohn bedeuten.

Dazu kommt, dass 2003 die Bundessubventionen für das Verkehrshaus auslaufen. Obwohl nur etwas mehr als 10 Prozent des Budgets von der öffentlichen Hand stammen, ist die Zukunft des Verkehrs- und Technikmuseums alles andere als sicher.

Eine parlamentarische Motion, die im Juni in den eidgenössischen Räten beraten wird, fordert, dass das Verkehrshaus in Luzern mit nationalen Museen gleichgestellt wird und mehr Zuschüsse erhält.

Gemäss einer Studie müsste das Verkehrshaus jährlich über zusätzlich 8 Mio. Franken verfügen, um langfristig überleben zu können.

Andrea Tognina
Übertragen aus dem Italienischen von Gerhard Lob

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