Farbschock in der Schweizer Pressefotografie

Das Siegerbild zeigt eine Verliererin. Pierre-Yves Massot, Swiss Press Photo

Zum 13. Mal zeigt das Landesmuseum die Ausstellung "Swiss Press Photo 04". Eine Jury prämierte Bilder zu Themen wie Aktualität, Alltag oder Ausland.

Dieser Inhalt wurde am 31. Januar 2005 - 09:36 publiziert

Der diesjährige Gewinner heisst Pierre-Yves Massot, ist freier Fotograf und zeigt eine Frau aus Guinea, die in einem Asylbewerberheim gestrandet ist.

131 Fotografinnen und Fotografen reichten Bilder für den Wettbewerb "Swiss Press Photo 04“ ein. Der mit 15'000 Franken dotierte Preis wird seit 13 Jahren von der Espace Media-Stiftung verliehen.

Die Jury teilte die eingereichten Arbeiten in sechs Kategorien ein: Aktualität, Alltag und Umwelt, Porträt, Sport, Kunst und Kultur, Ausland.

Die Jury hat den Walliser Fotografen Pierre-Yves Massot zum Preisträger 2004 erkoren. Der 27 Jahre alte Massot nahm mit einer Bildserie zum Thema "Porträts von Asylbewerbern und Flüchtlingen" am Foto-Wettbewerb teil.

Siegerbild zeigt Verliererin

Das Siegerbild des Wettbewerbs zeigt eine Verliererin. In einem kargen Raum eines Westschweizer Asylzentrums sitzt eine Frau mit nackten Füssen auf einem Bett. Sie deckt ihr Gesicht mit einem Globus ab, den afrikanischen Kontinent dem Betrachter zugewandt.

Das "Swiss Press Photo 04“ von Pierre-Yves Massot ist Teil einer Langzeitreportage. Der Autor konnte für die Reportage anfänglich im Mainstream-Journalismus der Schweiz keinen Auftraggeber finden. Schließlich wurde die Fotostrecke vom "Geneva English Magazin" veröffentlicht.

Langzeitreportagen haben es schwer

Pierre-Yves Massot äußert sich im Ausstellungskatalog über die beschränkten Möglichkeiten im publizistischen Markt für fotografische Reportagen mit Tiefgang: "Die People- und Illustrationsfotografie nimmt in den Medien einen immer größeren Teil ein, und Langzeitreportagen verschwinden mehr und mehr aus der Presselandschaft. Ich hoffe, dieser Preis ermutigt Magazine und Tageszeitungen, solche Reportagen wieder vermehrt zu kaufen und zu publizieren."

Die Jury hat sich mit ihrem Entscheid für eine Fotografie von Pierre-Yves Massot von den bunten und zum Teil schrillen Bildern des Wettbewerbs distanziert, welche bei den ausgestellten Arbeiten der "Swiss Press Photo 04“ dominieren.

Bilder, die aufblitzen und bald verbleichen

Die Initianten der Ausstellung versuchen abzubilden, was der Schweizer Presse im soeben abgelaufenen Jahr wichtig war. Es sind mehrheitlich Bilder, die – vom Fernsehen vorgekaut – in den Printmedien aufblitzen und dann bald in der Versenkung verschwinden.

Der Kampf um Quoten und Auflagen beeinflusst die Qualität der Fotojournalisten immer mehr, meint Pierre-Yves Massot: "Die Medien suchen heute Fotos, die lustig und sexy aber ohne viel Inhalt sind."

Tausend Worte für ein Bild?

Die Ausstellung "Swiss Press Photo 04“ zeigt, dass beim hohen Tempo der medialen Wahrnehmung der laufenden Ereignisse die Bilder austauschbar und weniger authentisch geworden sind.

Zurück bleiben oft emotional sterile Abzüge, welche die Tiefe der Zeit kaum erreichen werden. Einst sagte ein Bild mehr als tausend Worte. Jetzt braucht es manchmal tausend Worte, bis sich die Bilder dem Betrachter offenbaren.

swissinfo, Erwin Dettling, Zürich

In Kürze

Die Wanderausstellung mit mehr als 200 Bildern ist bis zum 27. Februar im Landesmuseum Zürich zu sehen.

Danach werden die Bilder an der Internationalen Buchmesse Genf, im Chateau de Prangins und im Käfigturm Bern ausgestellt.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen