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Filmemacher mit Vorliebe für Katastrophen

Eine gigantische Flutwelle überschwemmt New York im Film.

(Keystone)

Der Schweizer Filmer Ueli Steiger hat gerade New York zum dritten Mal zerstört. Er beteuert aber, dass er nichts gegen die New Yorker hat.

Im Interview mit swissinfo spricht Steiger über seinen letzten Hollywood-Kinohit "The Day After Tomorrow", der jetzt in den Schweizer Kinos läuft.

Im Film begraben Eis und Schnee New York, Auswirkungen eines weltweiten Klima-Desasters. Die Katastrophe hat Steiger in Szene gesetzt. Er ist "Director of Photography", also Chef-Kameramann.

Damit war er neben dem deutschen Regisseur Roland Emmerich wichtigster Mann der 140-Mio.-Dollar-Produktion. Für Emmerich ist der Schweizer bereits für "Independence Day" und "Godzilla" hinter der Kamera gestanden.

swissinfo: Wie haben sie es nach Hollywood geschafft?

Ueli Steiger: Auf der Filmschule in London habe ich den Regisseur Michael Hoffmann getroffen. Sechs Jahre später habe ich mit ihm in den USA an seinem ersten Film gearbeitet. Ich war der verrückte Schweizer Kameramann, der am Riesenprojekt arbeitete, das Robert Redford produzierte.

Ich wurde angestellt, um die Arbeit der zweiten Crew, der so genannten "second unit", zu erledigen. Also beispielsweise Landschaften zu filmen. Dann wurde der Chef der Haupt-Crew gefeuert und ich übernahm vorläufig seinen Posten. Ich machte keine Fehler, war billig und darum haben sie mich behalten. Das war mein erster Durchbruch.

swissinfo: Wie haben sie Roland Emmerich kennen gelernt?

U.S. : Ich traf ihn, als ich beim Dreh von "Independence Day" einen Kameramann ersetzte. Zehn Tage habe ich mit der Haupt-Crew gearbeitet, dann haben sie mich in der zweiten Crew behalten.

Mein zweiter Durchbruch kam, als mir Roland "Godzilla" angeboten hat. Seither arbeiten wir zusammen.

Er ist ein sehr guter Regisseur. Es ist brillant, mit einem Regisseur zu arbeiten, der sehr visuell und gemeinschaftlich denkt. Auch sind wir keine 200 Kilometer voneinander entfernt aufgewachsen und wir sind gleich alt.

swissinfo: Sie haben jetzt drei Blockbuster beendet. Werden solche Filme zu ihrem Markenzeichen?

U.S. : Ich denke nicht, weil ich auch viele Komödien wie "Bowfinger" oder den zweiten "Austin Powers" gemacht habe. Auch an Art-house-Filmen wie den letzten beiden von Dennis Hopper habe ich gearbeitet.

Ich werde nicht gerne in eine Schublade gesteckt. Auf der andern Seite ist es sehr befriedigend, im Abspann eines grossen Films zu erscheinen, weil die viel Spass machen.

swissinfo: Spezialeffekte dominieren die Kinohits. Wie viel Einfluss haben sie auf diese Filme?

U.S. : Spezialeffekte spielen eine grosse Rolle. Einige der grossen Einstellungen wie die Flutwelle in "The Day After Tomorrow" sind Spezialeffekte.

Leute denken normalerweise, dass die meisten Spezialeffekte auf dem Computer generiert werden. Aber das meiste des Films wird immer noch richtig gefilmt.

Die visuelle Wirkung eines Filmes kommt immer zuerst. Bevor die digitalen Effekte hinzugefügt werden. Darum ist der Chef-Kameramann sehr stark eingebunden, auch in die Nachproduktion.

swissinfo: Betrachten sie "The Day After Tomorrow" eher als Film mit ernstem Thema oder einfach nur als Unterhaltung.

U.S. : Es ist ein sehr spezieller Film. Es ist ein Sommer-Kinohit. Aber es ist selten, dass ein solcher Film ein spezielles Thema wie die Klimaveränderung aufgreift.

Der Film ist spannend. Ich habe ihn jetzt sieben Mal gesehen und er ist grossartig, weil er einen packt. Aber er hat eine klare politische Botschaft – und er bringt diese auch rüber.

swissinfo: Roland Emmerich zerstört in diesem Film zum dritten Mal die Stadt New York. Waren Sie nicht besorgt, dass die Bewohner Ihnen das übel nehmen?

U.S. : Ich denke nicht, dass Roland sich darum Sorgen gemacht hat. Es ist einfach die Stadt am nähesten zur Action und sie hat am meisten Wucht beim Geschichten erzählen.

swissinfo: Werden sie eher als Schweizer Filmemacher in Hollywood betrachtet oder werden sie als Teil der amerikanischen Filmindustrie gesehen?

U.S. : Ich bin wohl immer noch der Schweizer, der in Hollywood arbeitet. Es gibt viele Ausländer in diesem Business, vor allem Filmemacher. Es gibt eine lange Geschichte von nicht-amerikanischen Filmern in Hollywood.

swissinfo: Wird das als Vorteil betrachtet?

U.S. : Auf eine komische Art schon. Es gibt viele gute amerikanische Filmemacher. Aber irgendwie hatte ich das Glück am Anfang Jobs zu kriegen, denen ich gewachsen war. So konnte ich ein gutes Resumé aufbauen.

swissinfo: Glauben sie, dass die andern Schweizer in Hollywood eine Chance auf den Durchbruch haben?

U.S.: Es ist kein Nachteil, Schweizer zu sein. Man kann es schaffen in Hollywood.

Viele junger Schweizer gehen hier zur Filmschule. Ich treffe ständig wunderbare frische Talente in Los Angeles.

Es ist nicht einfach, in eine Filmschule reinzukommen, Arbeit in der Filmindustrie zu finden oder eine Arbeitserlaubnis zu kriegen. Aber ich sehe immer wieder Leute, die es schaffen und das ist ermutigend.

swissinfo-Interview: Scott Capper
(Übertragung aus dem Englischen: Philippe Kropf)

Fakten

"The Day After Tomorrow" zeigt die weltweite Katastrophe, welche durch die Klima-Erwärmung ausgelöst werden könnte.

Die Stadt New York versinkt zu Beginn des Films unter Eis und Schnee.

Regisseur ist Roland Emmerich. Schauspieler sind Dennis Quaid, Jake Gyllenhaal und Ian Holm.

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In Kürze

Der Schweizer Ueli Steiger studierte Film an der London International School.

Seit 1984 war er für über 20 Filme Chef-Kameramann. Sein erster US-Film war "Promised Land" 1986.

Drei Filme machte er zusammen mit dem Deutschen Roland Emmerich. Zuletzt "The Day After Tomorrow", der gegenwärtig in der Schweiz läuft.

Als Schweizer habe man in Hollywood keinen Nachteil, meint Steiger. Viele junge Talente aus der Schweiz schafften es dort.

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