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Fünf Jahre Memoriav:Rettung des audiovisuellen Kulturgutes in der Schweiz

Die Cinémathèque Lausanne: Eines der Gründungsmitglieder von Memoriav.

(Keystone)

Seit fünf Jahren koordiniert der Verein Memoriav Projekte für die Erhaltung von Bild- und Tondokumenten. Dadurch soll das audiovisuelle Kulturgut der Schweiz gerettet werden.

Ob alte Schallplatten, Tonbänder, Fotos oder Filme: An unzähligen audiovisuellen Dokumenten nagt der Zahn der Zeit. Werden sie nicht fachgerecht behandelt, werden sie ein für alle Mal verschwinden.

Memoriav bemüht sich seit 1995 um die Erhaltung solcher Dokumente. "Wir haben seither mit relativ wenig Mitteln viel erreicht, aber es ist immer noch wie ein Tropfen auf einen heissen Stein", sagt Kurt Deggeller, Direktor von Memoriav. Die Schweiz sei in diesem Bereich nach wie vor "ein Entwicklungsland".

Netzwerk für Initiativen

Wer beim Besuch von Memoriav im Gebäude von Schweizer Radio International in Bern kilometerlange Regale von Filmrollen, Fotos oder Tonbändern erwartet, wird enttäuscht. Die Geschäftsstelle ist kein Archiv, auch wenn die Aufbewahrung solcher Bestände zum Kerngeschäft von Memoriav gehört.

De facto besitzt Memoriav einen Netzwerk-Charakter, verknüpft landesweit Institutionen und Initiativen, stellt Know-how zur Verfügung. Eine zentrale Mediathek wäre zwar leichter zu verstehen, aber wesentlich schwieriger zu realisieren und entspräche wohl kaum dem föderalistischen Charakter der Schweiz.

In den ersten fünf Jahren seiner Existenz hat Memoriav in 36 Projekten die Erhaltung und Zugänglichkeit audiovisueller Dokumente verbessert, darunter die "Tagesschau" (1953-1989) und die "Filmwochenschau" (1940-1975). Bisherige Kosten: zirka 15 Millionen Franken.

Grosser Nachholbedarf

Gründungs-Mitglieder von Memoriav sind die Schweizerische Landesbibliothek, das Schweizerische Bundesarchiv, das Bundesamt für Kommunikation, die SRG, die Cinémathèque Lausanne, die Landesphonothek in Lugano sowie das Schweizerische Institut zur Erhaltung der Fotografie in Neuenburg.

An den Aufwendungen von Memoriav beteiligen sich der Bund mit 1,8 Mio. und die SRG mit 200'000 Franken. Der Rest stammt aus Mitglieder-Beiträgen. Das Jahresbudget von 2,3 Mio. Franken ist eher schmal im Vergleich zu anderen Ländern.

Auch wenn die Mittel knapp sind - das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Kulturgüter-Erhaltung ist in den letzten Jahren gestiegen. So hat das Bundesamt für Kultur (BAK) eingeräumt, dass ein grosser Nachholbedarf bestehe.

Kampf gegen die Zeit

Mit gutem Willen allein lässt sich Kulturgut aber nicht retten. Gefragt sind solide Finanzen. Gemäss Memoriav bräuchte es für den Zeitraum 2002 bis 2005 rund 40 Millionen Franken, um dringende Projekte im Bereich Film, Foto, Radio und Video anzugehen. Ansonsten drohen Aufnahmen für immer verloren zu gehen.

Doch auch gesetzlich sollen neue Grundlagen geschaffen werden, um die Erhaltung des Kulturguts zu garantieren. So plant Innenministerin Ruth Dreifuss eine gesetzliche Ablieferungspflicht. Damit liessen sich wenigstens Probleme in der Zukunft einschränken.

Die Erhaltung der audiovisuellen Bestände ist ein Kampf gegen die Zeit. Viele Dokumente müssen gerettet werden, bevor sie sich auflösen oder mangels technischer Geräte nicht mehr abspielbar sind.

Digitales Zeitalter

Das heutige Schlagwort lautet: Digitalisierung. Doch auch bei digitalen Datenträgern weiss man noch nicht, wie lange sie halten. Die Erfahrungen mit CDs sind jedenfalls nicht sehr gut.

Das beste wären digitale Datenträger, die sich eines Tages von alleine erneuern, sagt Memoriav-Direktor Kurt Deggeller. Dann sei das Problem gelöst. Doch an diesem Punkt sei man noch nicht angelangt.

swissinfo und Agenturen


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