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Funkenregen in Liestal

Die Kienbesenträger leisten Schwerarbeit, ein Besen wiegt gegen 80 Kilo.

(swissinfo.ch)

Flammen schlagen zum Himmel. Das Zentrum von Liestal scheint zu brennen. Doch keine Angst: es ist Sonntagabend nach Aschermittwoch, Funkensonntag. Der Kienbesen-Umzug zieht durch das Städtchen.

Der strömende Regen vermag den lodernden Flammen nicht das Geringste anzuhaben. Rund 200 Kienbesen-Träger schreiten mit ihren brennenden Besen durch die Gassen. Sie überragen ihre Trägerinnen und Träger bei weitem. Der Stiel ist aus einem dünnen Stamm gemacht, der Besen aus Holzscheitern gezimmert.

Die Männer und Frauen tragen ihre glühende Fracht auf der Achsel und stellen sie alle paar 100 Meter ab, um auszuruhen, denn ein Besen wiegt bis zu 80 Kilo. Die Flammen werden mehrere Meter hoch, die Funken sprühen bis zu den Zuschauern - und vor allem auf Nacken und Achseln der Träger selbst. "Jedes Jahr passieren kleinere Unfälle. Brandblasen gehören dazu", sagt Peter Schäfer, Verantwortlicher für den Umzug.

Inferno auf Rädern

Mitten unter den Kienbesenträgern: lodernde Infernos auf Rädern. Neun Feuerwagen brennen, was das Zeug hält. Rund 10 Ster Holz hat der grösste Wagen geladen. Zusammen mit den Kienbesen bilden sie ein Flammenmeer, vor dem die Zuschauerinnen und Zuschauer am Strassenrand zurückweichen. Die Hitze bringt die nassen Regenjacken des Publikums zum Dampfen, die Gesichter zum Glühen.

Die Menge steht dicht gedrängt. Um die 40'000 Leute dürften es sein. Soviele hat Hanspeter Meyer, Koordinator der Fasnachtsanlässe, erwartet. Das Publikum kommt aus der ganzen Schweiz, aber auch aus Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich. Die Leute feuern die Männer der Wagen mit lautem Johlen an, damit diese rennen, und dadurch einen richtigen Schweif an Glutlichtern in der Luft liegen lassen.

Kritisch wird's, wenn die Wagen das Stadttor passieren. Denn das Feuer ist rund doppelt so hoch wie die Toröffnung, deren Decke aus Holzbalken gebaut ist. Im Laufschritt ziehen die Männer die Wagen durchs Tor, die Flammen lecken gierig die Mauer empor und füllen während Sekunden die Öffnung ganz aus. Doch auch in diesem Jahr kommt es zu keinem Zwischenfall.

Nervenprobe für die Feuerwehr

Klar, dass die Feuerwehr am Funkensonntag voll im Einsatz ist. Zwei Kilometer Schlauch hat sie für den Anlass gelegt, gegen 20 Leitungen stehen unter Wasserdruck, neun Tanklösch-Fahrzeuge sind bereit und 83 Feuerwehrleute im Einsatz, aufgeteilt in neun Sektoren. In jedem Sektor hat es Sanitätspersonal. Für Feuerwehrkommandant Flavio Ossola ist der Umzug eine Nervenprobe: "Die Fasnacht beginnt für mich erst, wenn der Umzug vorüber ist".

Etwa um halb neun abends ist es soweit: Auf der "Allee" besprüht die Feuerwehr die Wagen unter Hochdruck, die Kienbesen brennen langsam aus. Bis am Morgen wird die letzte Glut erloschen sein.

Vom Höhenfeuer zum Kienbäse-Umzug

Ursprünglich wurde am Funkensonntag in Liestal ein Höhenfeuer entzündet. Wenn sich dann die Burschen in der Nacht auf den Heimweg machten, entzündeten sie ein Holzscheit, um damit den Weg nach Hause zu beleuchten. Diese Anfänge des Kienbäse-Umzuges liegen im 16. Jahrhundert. Die Feuerwagen kamen in der heutigen Form erst in den 60-er Jahren dazu. Es waren ein paar junge Burschen, die die Wagen entwickelten, allen voran Paul Pfaff. Er nennt sich "Pyromane", fährt in diesem Jahr zum 40. mal mit einem Feuerwagen und hat mit fast zehn Ster die grösste Ladung an Bord.

Kathrin Boss Brawand

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