Gegen tiefe Löhne in der Landwirtschaft

Arbeit in der Schweizer Landwirtschaft soll besser entlöhnt werden. Keystone

Die rund 35'000 Angestellten auf Schweizer Bauernhöfen haben extrem lange Arbeitszeiten und verdienen schlecht. Das findet die Gewerkschaft Unia.

Dieser Inhalt wurde am 12. Juli 2005 - 15:29 publiziert

Sie fordert, der Bund müsse einen nationalen Normalarbeitsvertrag erlassen. Der Bauernverband gibt zu bedenken, dass Bauernhöfe keine Industriebetriebe seien.

Dem "kantonalen Wildwuchs" und der "Lohndrückerei" in der Branche müsse endlich der Riegel geschoben werden, schreibt die Gewerkschaft Unia. Sie habe deshalb einen Entwurf für einen landwirtschaftlichen Normalarbeitsvertrag ausgearbeitet und ihn dem Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) unterbreitet.

In diesem Entwurf fordert die Gewerkschaft eine schrittweise Erhöhung des Mindestlohns auf 3500 Franken pro Monat bis ins Jahr 2009. Gleichzeitig soll die wöchentliche Arbeitszeit auf höchstens 45 Stunden pro Woche gesenkt werden.

2915 Franken pro Monat

Heute weisen viele Kantone bezüglich der Löhne in der Landwirtschaft auf die unverbindliche Lohnrichtlinie des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) hin. Der SBV empfiehlt 2915 Franken Bruttolohn pro Monat für 55 Wochenstunden. Laut Unia schreiben einzig einzelne Westschweizer Kantone etwas höhere Ansätze vor.

Diese an sich schon tiefen Lohnrichtlinien würden aber bei rund einem Viertel aller Beschäftigten unterboten, und zwar zum Teil massiv, schreibt Unia. Das habe eine Erhebung des Bauernverbandes vom vergangenen Jahr ergeben.

Sauer auf Berner Bauern

Besonders sauer stösst der Gewerkschaft die Lohnpolitik der Landwirtschaftlichen Organisation Bern und angrenzende Gebiete (LOBAG) auf. Die Berner Bauern wollten für eine Arbeit von mindestens 55 Wochenstunden nur noch einen Bruttolohn von 1775 Franken pro Monat bezahlen.

Damit würden nach Berechnungen der Unia dem Beschäftigten nach Abzug von Kost, Logie und Sozialversicherungsbeiträgen weniger als 500 Franken in der Lohntüte bleiben - und das bei Arbeitszeiten von bis zu 70 Stunden pro Woche.

Solche Zustände dürften in einem zivilisierten Land im 21. Jahrhundert nicht möglich sein. Die Gewerkschafter versammelten sich deshalb am Dienstagmorgen vor dem Sitz der LOBAG in Ostermundigen zu einer Protestaktion.

Über das Ziel hinausgeschossen

Die LOBAG, Ziel der Gewerkschaftskampagne, findet die Aktion verfehlt, wie sie in einer Stellungnahme schreibt. Die Berner Organisation habe aktiv an den Lohnempfehlungen des Schweizerischen Bauernverbandes mitgearbeitet und trage diese auch mit.

Die von der Unia kritisierten Lohnrichtlinien umfassten im Gegensatz zu den schweizerischen Richtlinien auch sogenannte "nicht voll leistungsfähige Angestellte", deren Ansätze tatsächlich tiefer seien.

In den USA gibt es den Slogan rund um den Country-Sänger Willie Nelson, der sich für die Sache der Bauern einsetzt. Nelson sagt: "Farms are not firms" - und dieser Meinung ist auch Urs Schneider, Vize-Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes. "Ein Bauernhof ist nicht mit einem Industrie-Betrieb zu vergleichen", deshalb sollte es möglich sein, dass den produktionsspezifischen und regionalen Verhältnissen auch in der Lohnfrage Rechnung getragen werden könne.

Der Bauernverband wolle geordnete Verhältnisse und anständige Löhne für Angestellte auf dem Bauernhof. Schwarze Schafe würden auch gerügt. "Doch müssen die Löhne auch in Relation der Einkommen in der Landwirtschaft stehen", sagt Schneider gegenüber swissinfo.

Komme dazu, dass es die unterschiedlichsten Arbeiten gebe in der Landwirtschaft. Einen Tag lang Salat oder Karotten ernten sei sicher härter als Tiere betreuen.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Der Verdienst pro Familienkraft eines Landwirtschaftsbetriebes stieg im Vergleich zum Mittel der Jahre 2001/2003 um fast 10'000 Franken auf 41'200 Franken.

Die Durchschnittliche Betriebsgrösse in der Schweiz beträgt gut 15 Hektaren.

Die meisten Länder der EU weisen weit höhere durchschnittliche Betriebsgrössen auf; nur gerade die südlichen Länder liegen unter dem schweizerischen Mittel.

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