Genf - das Mekka der Bücherwürmer

Genfer Buchsalon - ein Ort um zu lesen, sich zu treffen und herumzuschlendern. swissinfo.ch

Die Ehrengäste der diesjährigen Genfer Buchmesse sind Italien, die Region Rhône-Alpes und Napoleon als Begründer der Ägyptologie.

Dieser Inhalt wurde am 26. April 2005 - 19:07 publiziert

Autoren, Verleger, Medienleute, Buchliebhaber, Schaulustige und Kinder werden in den Palexpo-Hallen erwartet.

Die Präsenz von Italien ist nicht zu übersehen, am 19. Salon international du Livre et de la Presse in Genf. Das Land zeigt sich vergnügt, sonnig, schlemmend und reich an bunt gemischter Literatur, die fest in den Regionen verankert ist – hier wird deutlich, dass es mit der Einheit Italiens doch noch nicht allzu lange her sein kann.

Italien: vergnügt, doch auch besorgt: "Unsere Lebenslust wird gegenwärtig überschattet von der Situation der italienischen Sprache an den Schweizer Hochschulen", klagt Luisa Pavesio.

Sprachpolitischer Akzent

Die Verantwortliche des Italien-Stands der Messe bezieht sich auf die Entscheide in Zürich und Neuenburg, die Italienisch-Abteilungen der Hochschulen abzubauen respektive ganz aufzuheben. Der "Salon du Livre" erhält somit auch einen sprachpolitischen Akzent.

Man hat dem Genfer Salon zuweilen vorgehalten, eine riesige Buchkommerz-Maschinerie geworden zu sein, die sich weniger um Literarisches kümmert. Das stimmt und ist gleichzeitig falsch. Eine Buchmesse – das ist sowohl Literatur als auch Geschäft, Betrachtung gleichermassen wie Entspannung.

Den Kommerz-Vorbehalt entkräftet auch Pierre-Marcel Favre, Gründer und Direktor der Genfer Messe: "Solche Kritiken sind lächerlich. Sie wurden von einem von tausend oder gar 10'000 Besuchern erhoben – das interessiert mich gar nicht. Der Salon spricht für sich. Die Aussteller sind treu, die Besucher sind es auch. Und das zählt für mich als Kriterium."

Breit gefächertes Angebot

Die französische Region Rhône-Alpes, der zweite Ehrengast in Genf, will am Salon in Erinnerung bringen, dass sie innerhalb Frankreichs eine der aktivsten Regionen ist, was Verlagstätigkeiten anbelangt.

Mit diesen Aktivitäten gehen ein wachsender Bezug zur Schweiz und zu Norditalien einher.

Die Ausstellungen des Salons sind, wie immer, zahlreich. Die wichtigste ist "Bonaparte und Ägypten" gewidmet. Sie thematisiert die riesige Enzyklopädie, die im Gefolge von Napoleons Ägyptenfeldzug entstand. Die "Description de l'Egypte" umfasst 24 gigantische Einzelwerke. Eine Sammlung der Gesamtausgabe befindet sich im Besitz der Genfer Universitätsbibliothek.

Geehrt wird auch der Franko-Jurassier Bernard Clavel, thematisiert werden "Swiss press photo 2004", oder die Bilderbuch-Heldin Martine. Diese Mädchenfigur wird dieses Jahr 50 Jahre alt: In 40 verschiedenen Sprachen lässt sie seither die bücherlesenden Mädchen träumen.

Wenn Afrika die Deutschschweiz ersetzt

Das grosse Bücher-Rendez-Vous in Genf verändert sich ständig und entwickelt sich weiter. Die jüngste Errungenschaft ist die "afrikanische Messe für Bücher, Medien und Kultur", vor einem Jahr gegründet. Dieses Jahr werden Literatur, Frauen und Frauenfiguren aus dem Schwarzen Kontinent thematisiert.

"Beinahe lässt sich sagen, dass dieser Afrika-Salon den Weggang von einigen Deutschschweizer Ausstellern kompensiert..., was ich übrigens sehr bedauere", sagt Pierre-Marcel Favre.

Hintergrund: Vor zwei Jahren ist in Basel eine eigene Messe "Buchbasel" entstanden. Diese schickt sich seither relativ skrupellos an, das vielsprachige Messekonzept zu übernehmen, das Favre gerne für seinen Salon in Genf aufgebaut hätte.

Kaum Brücken nach Basel

In der Folge hat sich die Basler Messe auf den Anlass in Genf ausgewirkt: "Sicher haben wir wegen Basel einiges an Quadratmetern Ausstellerfläche verloren," gibt Favre zu und bedauert. "Doch was lässt sich dagegen machen?"

Der Direktor des Salon du Livre denkt kaum daran, Brücken nach Basel zu schlagen, eher neigt er zur helvetischen Literatur im landesweiten Format. So treffen sich am 29. April Autoren, Verleger und Literaturkritiker aller drei wichtigen Sprachregionen der Schweiz in Genf.

Der Schriftstellerverband "Autorinnen und Autoren der Schweiz" wird im Übrigen seine Generalversammlung während der Genfer Buchmesse abhalten.

Wem solche Gedanken zur nationalen Identität weniger liegen, kann statt dessen am Büchersalon bei "Orchydia" mitmachen – einem Atelier für erotische Schreibkunst.

swissinfo, Bernard Léchot in Genf
(Übertragen aus dem Französischen von Alexander Künzle)

In Kürze

Der 19. Salon du livre et de la presse findet vom 27. April bis am 1. Mai im Palexpo in Genf statt.

Innerhalb dieser Messe finden weitere Anlässe statt, wie der Salon Europ'Art, der Salon de l'Etudiant, de la Musique oder das inzwischen bekannte "Village alternatif".

Jüngeren Datums ist die "afrikanische Messe für Bücher, Medien und Kultur".

Zahlreiche Ausstellungen sind zu besichtigen. So "Bonaparte et l'Egypte", die zeigt, was für grosse Folgen Napoleons Abenteuer-Feldzug in Ägypten nach sich zog.

Ehrengäste sind das Land Italien und die Region Rhône-Alpes.

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