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#WeAreSwissAbroad Laura Scholl: "Wie ich zur 'Heimweh-Japanerin' wurde"

Junge Frau an traditionellem japanischem Fest

Seit etwa 5 Jahren macht Laura Scholl sehr aktiv an verschiedenen Matsuri (traditionelle japanische Feste) mit: "Ein Aspekt den ich hier in der Schweiz jetzt schon sehr vermisse."

(zVg)

Während ihres Studiums lebte die 34-jährige Laura Scholl mehrere Jahre in Japan – und wanderte danach in den Inselstaat aus. Für ein Nachdiplom-Studium ist sie nun während einem Jahr als "Heimweh-Japanerin" wieder in der Schweiz und blickt wehmütig auf ihre Zeit in Tokio zurück.

swissinfo.ch: Wann und weshalb haben Sie die Schweiz verlassen?

Laura Scholl: Ich habe ostasiatische Kunstgeschichte, Japanologie und Sinologie studiert. Während der Uni-Zeit war ich insgesamt drei Jahre in Japan.

"Yukata - Ich besitze mehrere davon und ziehe sie im Sommer auch gerne an. Neulich habe ich auch meine Passion für alte Kimono entdeckt."

(zVg)

Bereits das erste Mal in Japan – ein Kurzaufenthalt von sechs Wochen an einer Sprachschule in Okazaki in der Präfektur Aichi – wusste ich, dass ich in Japan leben und arbeiten wollte.

Direkt nach meinem Lizenziats-Abschluss im Frühling 2012 bin ich dann nach Japan ausgewandert, um im Bereich HR/Recruiting anzufangen.

Schritt für Schritt habe ich meine Karriere weiterentwickelt, von einer vierköpfigen Boutique Headhunting-Firma zur Talent Acquisition Spezialistin bei Johnson & Johnson.

Im September 2017 bin ich vorübergehend in die Schweiz zurückgekommen, um ein einjähriges Full-Time MBA an der Universität St. Gallen (HSG) abzuschliessen. Nach dem Abschluss habe ich vor, wieder nach Japan zurückzukehren. Ich bin zwar in der Schweiz aufgewachsen, verbrachte aber schon einen Viertel meines Lebens in Japan.

swissinfo.ch: Was waren Ihre ersten Eindrücke von Japan?

L.S.: Die ersten Monate habe ich einerseits als sehr aufregend in Erinnerung, weil alles noch sehr neu war. Auf der anderen Seite waren sie auch herausfordernd, weil ich mich mit der japanischen Arbeitswelt (inklusive überfüllte Züge) auseinandersetzten musste.

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(swissinfo.ch)

swissinfo.ch: Was sind Ihre Ziele mit dem Nachdiplom-Studium in St. Gallen?

L.S.: Zurzeit bin ich MBA Kandidatin an der HSG. Vorher war ich im HR, mehrheitlich im Bereich Recruiting tätig. Das MBA sehe ich als Möglichkeit, meine Karriere neu zu orientieren.

Essen mit Freunden in Tokio.

(zVg)

Ich bin mir noch nicht im Klaren, was genau, aber vielleicht etwas in Richtung Business (New Business Development, Strategie). Im Idealfall sollte es ein Beruf sein, der mir ermöglicht, die Schweiz und Japan zu verbinden.

swissinfo.ch: Sie leben gegenwärtig in St. Gallen. Vermissen Sie das japanische Essen?

L.S.: Ja, ich vermisse die japanische Küche sehr. Und auch das Auswärtsessen! Es gibt nichts, was ich nicht mag. Angefangen vom Reis, über guten Fisch (besonders Sashimi und Sushi) bis zu Yakitori (gebratene Geflügelspiesse), Nabe (Eintopf), Miso (Suppe), Yakiniku (gebratenes Fleisch), usw.

Auswärts essen zu gehen, ist ein Hobby von mir. Japan hat so viele tolle Restaurants, die auch bezahlbar sind. Ich liebe es, mich mit meinen Freunden zu treffen, bei Wein, Sake, Bier und gutem Essen.

swissinfo.ch: Was ist in Japan attraktiver als in der Schweiz?

L.S.: Was mir sehr an Tokio gefällt, sind die Sicherheit, der Service, die Convenience, das Essen (!) und die vielen Möglichkeiten, auswärts essen zu gehen, die Kultur und die Sportmöglichkeiten (Meer und Berge)...

Sensoji-Tempel in Tokio in der Nacht

"Asakusa by night - das letzte Jahr habe ich genau hinter dem Sensoji-Tempel gewohnt, so dass ich jeden Abend nach der Arbeit an ihm vorbeigegangen bin."

(zVg)

swissinfo.ch: Welches ist der grösste Unterschied zur Schweiz?

L.S.: Ich empfinde Japan und die Schweiz als ähnlich. Allerdings ist Japan (immer noch) viel abgeschlossener und homogener als die Schweiz. Im Business-Bereich sind die Japaner nicht sehr risikofreudig.

Auch sind die Japanerinnen und Japaner etwas distanziert. Es dauert eine Weile, bis man mit Japanern befreundet ist. Aber wenn es geklappt hat, sind es enge Freundschaften.

Auch in Tokio schneit es im Winter und kann sehr kalt werden.

(zVg)

Sauberkeit, Sicherheit, Pünktlichkeit und Genauigkeit sind Werte, die beide Länder hochschätzen. Zudem haben beide Bevölkerungen eine Vorliebe für Reisen und Berge.

swissinfo.ch: Wie dachten Sie, als Sie in Tokio lebten, aus der Ferne über die Schweiz?

L.S.: Sie ist ein tolles, kleines Land mit einer sehr guten Work-Life Balance und guten Löhnen. Zudem ist meine Familie in der Schweiz. Negative Punkte sind das "Bünzlitum", kaltes Wetter und viel Regen...

swissinfo.ch: Wie ist die politische Lage in Japan? Interessieren Sie sich für die Politik in Ihrem ehemaligen und vielleicht auch zukünftigen Wohnland?

L.S.: Ja, ich interessiere mich für die japanische Politik, wie ich mich auch für dessen Sprache, Kultur, Leute, Essen, usw. interessiere.

swissinfo.ch: Nahmen Sie an Schweizer Wahlen und Abstimmungen teil, als Sie in Japan lebten? Per Brief oder E-Voting?

L.S.: Ja. Soweit es ging, per E-Voting, sonst per Brief.

swissinfo.ch: Was vermissten Sie von der Schweiz am meisten?

M.W.: Meine Familie und Freunde sowie die tolle Work-Life Balance.

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Die in diesem Artikel geäusserten Ansichten, unter anderem zum Gastland und über dessen Politik, sind ausschliesslich jene der porträtierten Person und müssen sich nicht mit der Position von swissinfo.ch decken.

swissinfo.ch (das Interview wurde schriftlich geführt)

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