Beznau – vom Symbol für Fortschritt zum Zankapfel

Im März 2014 besetzten Greenpeace-Aktivisten vorübergehend das Gelände des Kernkraftwerks Beznau, um dessen Schliessung zu verlangen. Keystone / Urs Flueeler

Mit seiner Inbetriebnahme vor fünfzig Jahren begann die kommerzielle Nutzung der Atomenergie in der Schweiz. Heute ist das Kraftwerk Beznau I eines der ältesten thermonuklearen Kraftwerke der Welt, die noch in Betrieb sind.

Dieser Inhalt wurde am 09. Dezember 2019 - 13:54 publiziert

Nur wenige Kraftwerke in Indien und den USA sind etwas älter als der Schweizer Reaktor Beznau I. Dieser befindet sich auf einer kleinen Insel in der Aare, zusammen mit seinem Schwesterwerk Beznau II. Die offizielle Inbetriebnahme von Beznau I war am 9. Dezember 1969.

Die Schweiz hatte damals ihre Versuche aufgegeben, einen eigenen Reaktor zu bauen. Der schwere Vorfall im Versuchsreaktor Lucens im Januar desselben Jahres hatte die Träume einer Autarkie der Schweiz im Nuklearbereich definitiv zerschmettert.

Die Inbetriebnahme des Reaktors aus US-Produktion schlug eine neue Seite in der Geschichte der Schweizer Energiepolitik auf. In den nächsten 15 Jahren wurden die Kernkraftwerke Beznau II (1972), Mühleberg (1972), Gösgen (1979) und Leibstadt (1984) in Betrieb genommen. Damit konnte die Schweiz 40% ihrer Stromproduktion mit Kernenergie abdecken.

Zunehmende Opposition

Das Kraftwerk Beznau wurde am Ende der letzten zwei Jahrzehnte (1950er- und 1960er-Jahre) gebaut, in denen die Kernenergie noch eine breite öffentliche Unterstützung gefunden hatte. Überall auf der Welt hatte die Aussicht auf eine friedliche Nutzung dieser neuen Energiequelle euphorische Visionen für eine Zukunft ohne Angst vor Energieknappheit ausgelöst.

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Anfang der 1970er-Jahre allerdings drehte sich der Wind. Es bildete sich eine organisierte Opposition gegen den Bau von Kernkraftwerken. Die Risiken der Atomenergie und die Besorgnis über das ungelöste Problem der Entsorgung des radioaktiven Abfalls gerieten immer mehr in den Fokus.

1975 besetzten Tausende von Menschen die Baustelle des geplanten Kraftwerks Kaiseraugst im Kanton Aargau. Ab diesem Zeitpunkt wurde in der Schweizer Gesellschaft heftig über die Atomfrage gestritten.

In den folgenden Jahrzehnten wurde das Schweizer Stimmvolk mehrmals zum Thema an die Urnen gerufen. Das letzte Mal 2017, als die Stimmberechtigten einem neuen Energiegesetz zustimmten, das den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie vorsieht.

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Noch weitere zehn Jahre

Zum Zeitpunkt seines Baus gab es keine Proteste gegen Beznau. In den letzten Jahren allerdings geriet das Kraftwerk immer öfter in die Schlagzeilen. Im März 2014 besetzte eine Gruppe von Greenpeace-Aktivisten vorübergehend das Gelände des "ältesten Reaktors der Welt" und verlangte seine Schliessung. Bereits 1993 waren Aktivisten dieser Umwelt-Organisation in das Areal des Kraftwerks eingedrungen.

Im März 2015 musste Beznau I abgeschaltet werden, weil Unregelmässigkeiten im Material des Reaktor-Druckbehälters entdeckt worden waren. Nach Kontrollen durch den Kraftwerkbetreiber, die Firma Axpo, wurde ausgeschlossen, dass die Unregelmässigkeiten zu Sicherheitsproblemen führen könnten.

Das Eidgenössische Nuklearsicherheits-Inspektorat (ENSI) akzeptierte diese Schlussfolgerungen und genehmigte die Wiederinbetriebnahme des Reaktors im März 2018. Der Entscheid wird aber angefochten: Die Atomgegner behaupten, die Sicherheit eines so alten Kernkraftwerks könne nicht mehr gewährleistet werden.

Axpo hingegen erinnert an die millionenschweren Investitionen in die Sicherheit und erwartet, die Anlage noch einige Jahre in Betrieb halten zu können. Im Juni berichtete die NZZ am Sonntag, dass Experten des Bundesamts für Energie (BFE) es für möglich halten, dass Kernkraftwerke 60 Jahre lang in Betrieb bleiben.

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