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Auslandschweizerin Sara Lisa Schäubli: Auswandern war zuerst ein Fehler für die Laufbahn

Sara Lisa Schäubli

Sara Lisa Schäubli vor dem Popup-Store "ABC Magazin-Laden" in Hamburg.

(Norman Hoppenheit)

Die Zürcherin Sara Lisa Schäubli lebt in Hamburg und arbeitet dort als freie Journalistin. Den Einstieg ins Berufsleben ausser Landes hatte sie sich einfacher vorgestellt. Inzwischen hat sie ihre Nische gefunden – nicht zuletzt dank geschicktem Networking.

Ausgewandert ist sie aus Liebe. Vor drei Jahren zog Sara Lisa Schäubliexterner Link zu ihrem Mann nach Hamburg. Das Ziel war von Anfang an klar: In Hamburg als Journalistin zu arbeiten. "Und ich dachte auch, dass das total einfach wird", sagt die 28-Jährige heute. "Hamburg, Medienstadt, unzählige Verlage, da wird sich schon was finden, malte ich mir aus."

Es kam alles anders. Erst musste Schäubli ihr Studium an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) abschliessen. Den Kommunikations-Bachelor (Vertiefung Journalismus) im Sack, jobbte sie weiterhin als Barkeeperin.

Daneben verfolgte sie diverse Projekte. Letztes Jahr eröffnete sie zum Beispiel einen Pop-Up-Store für Printmagazine. "Im ABC Magazin-Laden bot ich während zwei Monaten einen Raum für unabhängige Printmagazine." Man konnte die Magazine, zum Beispiel "Reportagen" aus der Schweiz, kaufen, oder sich für fünf Euro pro Stunde quer durch das Angebot lesen.

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(swissinfo.ch)

Das Projekt, durch Crowdfunding finanziert, zog viele Leute an. Einmal veranstaltete sie zum Beispiel eine Lesung mit einer Autorin von "Reportagen". "Das alles war super spannend und ideal, um neue Kontakte in der Medienszene zu knüpfen." Aber finanziell sei es ein "totales Verlustgeschäft" gewesen.

Erinnerung an die Schweiz

Während dem Skype-Interview für diesen Text sitzt Schäubli in ihrer Küche. An der Wand hinter ihr hängt der Durchlauferhitzer für das warme Wasser. Küchengeräte und Vorräte sind auf vier Regalbretter an der Wand verstaut. Ganz oben steht ein Überbleibsel aus der Heimat: Eine Büchse Ovomaltine. "Ja, das ist mein Arbeitsplatz, und es ist total nervig." Die Sitzhaltung am Küchentisch sei fern jeglicher Ergonomie.

Denn seit einiger Zeit sitzt Schäubli oft am Computer. Seit Anfang 2017 arbeitet sie als freie Journalistin. "Seit zwei, drei Monaten kann ich sagen, dass es mit den Aufträgen wirklich gut läuft."

Schäubli entschied sich aus mehreren Gründen für den freien Journalismus: "Ich fühlte mich mit dem Gedanken, hier jeden Tag in einer Redaktion zu sitzen, nicht wohl. Das habe ich zum Glück früh genug gemerkt." Aber sie räumt auch ein, dass es, trotz Medienstadt, nur sehr wenige freie Stellen gibt.

Die Konkurrenz sei gross, sagt sie und fügt an: "Im ersten Moment war das Auswandern für meine Laufbahn ein Fehler." Denn ihr Studium an der ZHAW sei in Deutschland kaum bekannt. "Potenzielle Arbeits- oder Auftraggeber kann man hier mit diesem Papier nicht beeindrucken", so Schäubli.

Der Schritt in die Selbständigkeit

Mit dieser Ausgangslage drängte es sich auf: "Plötzlich merkte ich, dass der freie Journalismus genau das ist, was zu mir und meiner Situation passt." Und so baute sie sich eine eigene Webseite, druckte Visitenkärtchen "Sara Lisa Schäubli – freie Journalistin".

"Im Moment, als ich diese Visitenkärtchen das erste Mal in den Händen hielt, wurde es wahr. Freie Journalistin. Weil ich das mit genug Selbstvertrauen angegangen bin, hat sich der Rest fast von alleine ergeben."

Dank ihrem Magazin-Laden hatte sie schon diverse Kontakte geknüpft. Auch zu anderen freischaffenden Journalisten. Die ersten Aufträge erhielt die Journalistin vom Magazin "Szene Hamburg". Dort schrieb sie zum Beispiel die Reportage "St. Pauli – zwischen Dorf und Metropole".

"Das 'Szene Hamburg' war für mich der ideale Einstieg. Das Magazin ist vom Stil und Inhalt nahe beim Berner Magazin 'Bewegungsmelder', wo ich in meinen Anfängen in der Schweiz geschrieben habe."

Lausige Bezahlung

Mittlerweile kann Schäubli für weitere Auftraggeber schreiben. Am Anfang wurde sie teilweise, selbst für deutsche Verhältnisse, miserabel bezahlt. "Ich muss sagen, die Verhandlungen um das Honorar fielen mir am Anfang sehr schwer. Als Berufseinsteigerin, die wenn überhaupt nur Schweizer Zahlen kannte, hatte ich null Ahnung, was ich verlangen kann."

Für eine Reportage ziemlich am Anfang führte sie sechs verschiedene Interviews und schrieb knapp 12’000 Zeichen. Honorar: 300 Euro. "Solche Aufträge nehme ich nicht mehr an. Ich verlange jetzt mindestens 250 Euro pro Tag."

Und es kommen jetzt auch Aufträge aus der Schweiz dazu. Schäubli hilft beim Aufbau des Lifestyle-Portals NZZ Bellevue. Sie ist für das Ressort Reisen und Entdecken zuständig und kann momentan regelmässig Texte liefern.

1500 Euro reichen aus

Sara Lisa Schäubli braucht momentan auch nicht viel zum Leben. An den gemeinsamen Haushalt mit ihrem Mann steuert sie im Monat 1500 Euro bei. "Von diesen 1500 Euro kann ich dann auch noch sparen und etwas für die Ferien zur Seite legen."

Als Schweizer denkt man sofort, dass man sich verhört hat. Aber: "Ja, tausendfünfhundert. Das reicht. Unsere Wohnung ist aber mit 700 Euro schon sehr günstig." Ihr Mann lebt schon seit 8 Jahren in der Zweizimmerwohnung – ohne Mietzinserhöhung.

Darum kann sich Schäubli jetzt auch ein externes Büro leisten. In einem Haus, in dem diverse Ateliers untergebracht sind, wird bald ein Schreibtisch frei. "Ich freue mich wirklich sehr darauf, nicht mehr daheim arbeiten zu müssen."

Arbeite sie nämlich daheim in der Küche, könne sie kaum zwischen Arbeit und Freizeit trennen: "Viele sagen ja, dass sie im Homeoffice ständig abgelenkt seien und kaum zum Arbeiten kämen. Bei mir ist das Gegenteil der Fall."

Es komme vor, dass sie abends um 23 Uhr merke, dass sie immer noch am Arbeiten sei und vielleicht langsam eine Pause bräuchte. "Ich muss lernen, mich abzugrenzen, denn ich habe so viel Leidenschaft für das, was ich tue und bin noch am Anfang und voller Energie."

Ein eigenes Magazin

Aber auch mit externem Bürotisch wird es Schäubli schwerfallen, sich abzugrenzen. In ihrer Freizeit baut sie momentan mit einer Freundin ihr eigenes Magazin auf. Es soll ein "Fanzine" über St. Pauli werden, sagt sie. Das Ziel sei es, dass sich die Leute, die dort wohnen und arbeiten, neu in ihr Viertel verlieben.

"Es passiert schnell, dass man als Bewohner ins Nörgeln kommt, es gibt auch viel, um sich aufzuregen, aber wir wollen lösungsorientiert an die Sache gehen." So soll es ein Reisemagazin für Einheimische werden, in dem die Bewohner aus St. Pauli zu Wort kommen. "Wie Lokaljournalismus, nur ohne Einschränkungen. Weil man nicht von Anzeigekunden abhängig ist, kann man es genauso machen, wie man es sich vorstellt."

Das Magazin soll gratis verteilt werden. Darum arbeiten auch alle Beteiligten kostenlos. "Ich finde es wichtig, dass man sich nicht nur fragt, 'was bringt mir Geld?', sondern auch überlegt, 'was macht mir Spass?'."

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Medienwoche

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