Schweizer Lehrerverbände schlagen Alarm wegen Burnouts

Lehrkräfte haben einen intensiven Kontakt mit ihren Schülerinnen und Schülern sowie zahlreiche Vorbereitungsarbeit zu bewältigen. Keystone

Zeitdruck, Papierkram ohne Ende, schwierige Schüler und Eltern. Bei manchen Lehrerinnen und Lehrern kann dieser Stress zu einem Burnout führen. Die jüngste Studie aus der französischsprachigen Schweiz zeigt, dass etwa 40 Prozent des Lehrpersonals gefährdet sind.

Lehrerinnen und Lehrer verlangen Massnahmen zum Schutz ihrer Gesundheit im und ausserhalb des Schulzimmers. Dazu gehören genügend Ressourcen, damit die Schulen die Gesundheitsstandards einhalten können und die Lehrerschaft Zugang zu Unterstützung erhält, falls nötig.

Die Vorschläge kommen vom deutschschweizerischen Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), der dieses Projekt 2014 startete und dieses heute anlässlich des Schweizer Bildungstages in Bern der Öffentlichkeit vorstellte.

Über das Thema Gesundheit wurde in letzter Zeit oft diskutiert. Anfang August, kurz bevor die Schulen ihren Betrieb nach den Sommerferien wieder aufnahmen, erklärte die französischsprachige Schwester-Organisation, das Syndicat des Enseignants Romands (SER), die Gesundheit vieler Lehrerinnen und Lehrer nehme ab, was deren Arbeitsqualität gefährde.

Ein Kampf

"Die meisten Lehrer kämpfen, um nicht unterzugehen", sagte SER-Präsident Samuel Rohrbach an der Pressekonferenz vom 9. August. Einige riskierten ihre Gesundheit, um ihre Arbeit zu machen und weiterhin zu unterrichten, statt dass sie Hilfe beanspruchen würden, sagte er.

Schweizer Bildungstag

Die Gesundheit der Lehrerschaft ist das Thema des Schweizer Bildungstages, der am 31. August durchgeführt wird. Die Veranstaltung findet alle zwei Jahre statt.

Dieses Jahr in Bern fordern die Verbände LCH und SER einen besseren Gesundheitsschutz an Schulen auf institutioneller Ebene.

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Gemäss einer Studie im Auftrag des SER, an der 5500 Lehrkräfte teilnahmen, sind 40% "in einer Burnout-Situation". Doch das bedeute nicht, dass 40% unter einem Burnout leiden würden, erklärt Rohrbach auf Anfrage.

Er will die Situation mit einigen Eckzahlen der Studie erklären: 40,8% der Befragten gaben an, dass sie Mühe hätten, zwischen Arbeit und Freizeit umzuschalten, und etwas mehr als die Hälfte erklärte, dass sie sich oft oder sehr oft anstrengen müssten, um ihre Aufgaben zu bewältigen. Und 60% gaben an, dass ihre Gesundheit während des Schuljahres nachlasse.

2014 führte der LCH eine gesamtschweizerische Studie zur Berufszufriedenheit durch. Mit dem Resultat, dass sich eine von fünf Lehrpersonen "konstant überbelastet" fühlte.

Die Gründe für ein Burnout können mannigfaltig sein. Zunehmende Arbeitsbelastung für die Lehrerschaft können ein Grund sein, wie das Beispiel im Video zeigt.

Länger am Arbeitsplatz zu bleiben als nötig, wurde in der Studie ebenfalls als Grund genannt. Besonders gefährdet waren laut dieser Studie Teilzeit-Lehrkräfte – die oft zwischen der Familie und Weiterbildung jonglieren müssen – und Frauen.

Die Symptome können permanente Müdigkeit, fehlende Begeisterung für den Job oder das Gefühl sein, nicht mehr länger alles unter Kontrolle zu haben. Der Fall von Lucio, einem Sportlehrer Mitte 40, den der Dachverband als Beispiel zitierte, zeigt, wie dieser Lehrer nach einer Weiterbildung die ganze Nacht an der Schule durcharbeitete, weil er sich derart überfordert fühlte.

"Als abends alle anderen weg waren, blieb ich in der Schule, um vorzubereiten. Da begann ich zu schwitzen, mein Blick wurde enger. Ich war so überfordert, dass ich nicht nach Hause fuhr, sondern die Nacht durcharbeitete. Das hatte ich früher oft getan, doch diesmal war alles anders. Als es Morgen wurde, rief ich den Rektor an und sagte, wie es mir ging und dass ich Angst davor hatte, in der Schule zu sein", wird er zitiert.

Unterstützung

Lucio erhielt Unterstützung durch die Schule und seinen Arzt. Betroffene können sich beispielsweise auch bei speziellen Schulberatungszentren melden, die in den meisten Kantonen der deutschsprachigen Schweiz existieren. Diese können bei Burnouts helfen und die Person bei einer möglichen Rückkehr ins Schulleben unterstützen, etwa, indem sie in Teilzeit oder an einer anderen Schule wieder einsteigt.

Viele der Betroffenen erholen sich, müssen aber ihren Lebenswandel und ihre Haltung zur Arbeit verändern, sagt ein Experte gegenüber swissinfo.ch. Perfektionisten seien viel eher davon betroffen.

Generell nimmt der Stress in der Gesellschaft zu. Dabei seien Personen in sozialen Berufen mit engem menschlichen Kontakt wie Lehrer und Ärzte besonders gefährdet, ein Burnout zu erleiden, so der Experte.

Information ist dabei zentral: Je früher die Symptome erkannt werden können, desto besser kann eine Krise abgewendet werden.

Der Lehrer-Dachverband verlangt seit Jahren kleinere Klassen und eine Reduktion der Wochenlektionen pro Lehrer auf 26. Solche Massnahmen könnten einer 55-Stunden-Woche entgegenwirken könnten, wenn die Vorbereitungszeit und andere administrative Aufgaben dazugerechnet werden, so die Begründung.

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