Twittern für Gott, Buddha, Allah…

Kirche im Internet: Junge Mönche surfen in einem Internet Café in Laos. Peter Schatz

Kirchen und Religionsgemeinschaften in aller Welt haben das Internet als unverzichtbares Kommunikationsmittel entdeckt. Sie betreiben Blogs und eröffnen eigene Seiten in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter. Auch in der Schweiz sind neue Medien ein Thema.

Dieser Inhalt wurde am 05. April 2010 - 10:09 publiziert

Seelsorge, online Beten, religiöse Beratung oder in Dialog mit der Kirche treten: Die katholischen und reformierten Kirchen der Schweiz haben das Internet entdeckt.

Auf ihren Webseiten können sich Gläubige auf verschiedene Art und Weise informieren oder mit ihrer Kirche oder mit anderen Gläubigen in Kontakt treten, diskutieren, Einträge kommentieren.

Die neuste Aktion ist die Internet-Imagekampagne "Mehr Good News" der katholischen Kirche, die nach Ostern starten wird.

Die Kirche will ihre Kampagne trotz der Kritik wegen sexueller Übergriffe durch Priester durchziehen.

Dalai Lama zwitschert

Im Ausland allerdings gehen Kirchen und Geistliche schon einige Schritte weiter und verbreiten ihre Botschaft auf neuen Pfaden.

Ende Februar eröffnete der Dalai Lama als geistliches Oberhaupt des tibetischen Buddhismus ein Konto – inzwischen twittert er mit 157’000 Fans.

Papst Benedikt XVI. wirbt dafür, Gottes Wort auch über die neuen Medien zu verbreiten. Ein entsprechender Erlass ging Ende Januar an die Gläubigen.

Auch islamische und buddhistische Geistliche erreichen online unterdessen einen riesigen Kreis von Gläubigen. Besonders in Asien sind religiöse Gemeinschaften auf dem Web sehr aktiv.

Virtuelle Katholiken auf den Philippinen

"In Zeitungen, Radio und Fernsehen waren wir schon immer präsent. Irgendwann haben wir aber gemerkt, dass immer mehr Leute ins Internet abwandern", sagt der katholische Laienprediger Bo Sanchez. Seine virtuelle Gemeinde entstand vor fünf Jahren auf den Philippinen, wo 81 Prozent der mehr als 92 Millionen Menschen Katholiken sind.

Der "mobile Pfarrer" versendet wöchentlich Botschaften per SMS. Wer seinen Email-Newsletter abonniert, erhält sogar jeden Tag Bibelsprüche und mp3-Audiodateien mit seinen Reden zugeschickt.

Islam-Kurse für Frauen

Die in Pakistan lebende Islam-Lehrerin und Autorin Sadaf Farooqi hätte sich noch vor wenigen Jahren nicht vorstellen können, wie gross die englischsprachige muslimische Online-Gemeinde ist. Über das Internet verbreitet sie inzwischen viele ihrer Artikel.

Sie habe auf diese Weise auch Kontakte zu zahlreichen Religionsgelehrten rund um den Globus geknüpft, berichtet Farooqi, die spezielle Islam-Kurse für Frauen anbietet. Neben Facebook und Twitter nutzt sie auch Angebote wie Windows Live Spaces, LinkedIn und Wordpress.

Mönch erreicht online Tausende Buddhisten

Der buddhistische Mönch Cittasamvaro Bhikku gründete vor vier Jahren in Thailand die Website "Little Bangkok Sangha", um seine Gespräche über die Wahrheiten Buddhas (Dhamma) bekannt zu machen.

Mit einer so grossen Resonanz habe er nicht gerechnet, berichtet er. Neben einem harten Kern von rund 200 regelmässigen Website-Lesern klicken sich weitere 600 ab und zu durch sein Angebot.

Er wolle keinen Blog betreiben, sondern andere Gläubige regelmässig mit Informationen versorgen, sagt der aus England stammende Mönch, der auch unter dem Namen "Pandit Bhikku" bekannt und seit über zehn Jahren im Amt ist.

Immerhin stehen bis zu 3000 Menschen auf Bhikkus Mailing-Liste. Er finde es grossartig, dass ein buddhistischer Mönch so mit der Zeit gehe, sagt der thailändische Kinesiologe Kamonwan Khamching.

Vor allem Junge angesprochen

Sanchez und Farooqi haben die Erfahrung gemacht, dass ihre Online-Aktivitäten vor allem junge Leute ansprechen, die mit den neuen Technologien aufwachsen. Jugendliche gingen ganz selbstverständlich mit dem Internet um, sagt Sanchez, der die Websites "The Kerygma Family", "Preacher in Blue Jeans" und "BoSanchez.ph" betreibt und sich in sozialen Netzwerken tummelt.

Hunderttausende Menschen könnten erreicht werden, ohne dass Kosten anfielen, freut sich der katholische Prediger.

Farooqi findet, dass vor allem Muslime in westlichen Ländern rege Internet-Nutzer sind. Viele Einwanderer der zweiten Generation könnten nur noch Englisch lesen und informierten sich zunächst online über den Islam, sagte sie.

Für islamische Geistliche sei es nicht tabu, Konten auf Facebook und Twitter zu eröffnen, meint auch die pakistanische Journalistin Farah Zahidi Moazzam, die ebenfalls die muslimischen Lehren verbreitet.

Islamische Hardliner seien vielleicht deshalb anderer Ansicht, weil sie nicht ausreichend informiert seien und das Internet vor allem mit Pornografie in Verbindung brächten, vermutet sie.

Internet frisst auch Zeit

Pandit Bhikku hat allerdings auch festgestellt, dass die Beschäftigung mit dem Internet sehr zeitintensiv ist. Ideal wäre es seiner Meinung nach, wenn er selbst nur ein paar Stunden in der Woche online sein müsste und einige Arbeiten an andere delegieren könnte. Momentan sitzt er viel länger am Computer, weil er alle Texte selbst verfasst.

Sanchez stört sich wiederum daran, dass das Internet von Tag zu Tag unüberschaubarer wird. "Die Leute werden mit Emails überschüttet, es entstehen immer mehr Websites", bemerkte er. Da er Distanz braucht, aktualisiert er seine Website nur ein- oder zweimal pro Woche.

Lynette Lee Corporal, swissinfo.ch und InfoSüd

Glaubenszugehörigkeit

In der Schweiz bezeichnen sich über drei Viertel der Bevölkerung als Christen: 42% sind Katholiken, 35% Protestanten, 2,2% gehören anderen christlichen Glaubensrichtungen an.

Mit über 311'000 Mitgliedern (4,3%) ist der Islam die zweitgrösste Religion im Land. 12% der Muslime haben einen Schweizer Pass. Sie stammen hauptsächlich aus dem Balkan und der Türkei. Laut Schätzungen dürfte die Zahl inzwischen auf 400'000 angestiegen sein.

Die jüdische Gemeinde zählt 18'000 Mitglieder (0,2%), 80% von ihnen sind Schweizer.

Zudem leben in der Schweiz 28'000 Hindus (aktuell möglicherweise bereits 50'000) sowie 21'000 Buddhisten.

End of insertion
swissinfo.ch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen