Viele Tote bei Erdbeben auf Haiti

Die Menschen suchen in den Trümmern nach ihren Angehörigen. Keystone

Ein gewaltiges Erdbeben hat den Karibikstaat Haiti erschüttert und möglicherweise hunderte Opfer gefordert. Dem Beben der Stärke 7,0 folgten in der Nacht zum Mittwoch mehr als zehn Nachbeben. Die Schweiz entsendet ein Soforteinsatz-Team nach Port-au-Prince.

Dieser Inhalt wurde am 13. Januar 2010 - 06:50 publiziert

Mehrere Erdbeben haben am Dienstag innerhalb weniger Minuten den verarmten Karibikstaat Haiti erschüttert. In der Hauptstadt Port-au-Prince stürzten zahlreiche Häuser ein.

"Die Toten werden nach Hunderten gezählt werden müssen", sagte ein Arzt, der bei dem Erdstoss selbst verletzt wurde.

Die Sprecherin einer katholischen US-Hilfsorganisation berichtete in Washington nach einem Telefonat mit einem Mitarbeiter in Port-au-Prince, dieser befürchte gar "tausende Tote".

In der Hauptstadt Haitis sei Chaos ausgebrochen. Von dem strahlend weissen Präsidentenpalast blieben nur noch Trümmer, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Auch das fünfstöckige Hauptquartier der Vereinten Nationen wurde nach UNO-Angaben schwer beschädigt.

Haïtis Staatschef René Préval überlebte trotz der Zerstörung des Präsidentenpalasts das Beben, wie die haitianische Botschaft in Mexiko bekannt gab.

UNO-Gebäude betroffen

Das Hauptquartier der MINUSTAH-Friedenstruppe in Port au Prince sei schwer beschädigt, habe das Erdbeben aber überstanden, hiess es von der UNO in New York. Allerdings sei noch nicht bekannt, ob es auch Opfer unter den UNO-Mitarbeitenden gebe. Viele der insgesamt fast 11'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der UNO-Mission werden zur Zeit noch vermisst.

Inzwischen ist die internationale Hilfe angelaufen. Die USA schickten am Dienstagabend Ortszeit erste Rettungsmannschaften mit Spürhunden auf den Weg nach Haiti.

Die Schweiz entsendet im Verlauf des Mittwochvormittags ein Soforteinsatz-Team Richtung Port-au-Prince, wie Lars Knuchel, Informationschef des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), gegenüber der Nachrichtenagentur SDA sagte. Das Team diene als "Brückenkopf", um die Lage vor Ort zu klären.

Gemäss Knuchel hat die Schweiz der Regierung Haitis bereits ein Hilfsangebot unterbreitet. Der Einsatz der Rettungskette des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe werde geprüft.

Wie Knuchel weiter sagte, stehen die Behörden in Bern in Kontakt mit der Schweizer Botschaft in Port-au-Prince sowie mit dem Kooperationsbüro der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza).

Krisensitzung des Roten Kreuzes

Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) verfügt über Notfallvorräte in dem verarmten Land, wie Sprecher Jean-Luc Martinage sagte.

Ein sechsköpfiges Notfallteam von IKRK-Experten - darunter Logistiker, Ärzte und Rettungskräfte - solle die Insel am Morgen von Panama aus erreichen, falls der Flughafen von Porte-au-Prince geöffnet sei.

Am IKRK-Sitz in Genf wurde eine Krisensitzung einberufen. "Wir wissen bereits, dass die benötigte Hilfe für eine rasche medizinische Versorgung erheblich ist und dass es Trinkwasser braucht", sagte Martinage.

Die neun internationalen Mitarbeiter des IKRK vor Ort seien wohlauf und in Sicherheit. Keine Informationen habe die Organisation über die lokalen Mitarbeiter.

Epizentrum 16 Kilometer vor der Hauptstadt

Laut Angaben des US-Erdbebenzentrums hatte das Beben die Stärke 7,0. Es ereignete sich am Dienstag kurz vor 23.00 Uhr MEZ, um 15.53 Ortszeit.

Das Epizentrum befand sich 16 Kilometer westlich der Hauptstadt Port-au-Prince in zehn Kilometer Tiefe.

Tsunami-Warnung

Das Beben war auch in der benachbarten Dominikanischen Republik zu spüren, die sich mit Haiti die Insel Hispaniola teilt. Auch im Osten von Kuba bebte die Erde.

Der US-Wetterdienst gab eine Tsunami-Warnung für Haiti, die Dominikanische Republik und die Bahamas aus.

swissinfo.ch und Agenturen

Beziehungen Haiti-Schweiz

Das Staatsgebiet Haitis umfasst den westlichen Teil der Karibikinsel Hispaniola.

Haiti verkündete 1804 seine Unabhängigkeit vom französischen Kolonialreich.

1935 eröffnete die Schweiz ein Honorarkonsulat. 2007 wurde es zu einer Botschaft erhoben.

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern haben einen bescheidenen Umfang.

Die französische Sprache stellt ein Band dar, das vielfältige Kontakte auf religiösem, wissenschaftlichem und kulturellem Gebiet begünstigt.

Die Schweizer Entwicklungs-Zusammenarbeit erfolgt vor allem über private Hilfswerke.

Auch mit humanitärer Hilfe ist die Schweiz in dem Land präsent, das als das ärmste auf dem amerikanischen Kontinent gilt.

2007 lebten 130 schweizerische Staatsangehörige in Haiti.

1934 eröffnete Haiti ein Konsulat in der Schweiz. Ende 2008 lebten 451 haitianische Staatsbürger in der Schweiz.

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Glückskette-Spendenkonto

Die Glückskette hat nach dem schweren Erdbeben in Haiti ein Spendenkonto eröffnet.

Man bereite sich gemeinsam mit den Schweizer Partnerhilfswerken vor, in den kommenden Monaten Unterstützung von der Nothilfe bis zum Wiederaufbau zu leisten, teilte die Glückskette mit.

Haiti ist eines der ärmsten Länder in Amerika. Die Glückskette finanziert mehrere Hilfsprojekte in diesem Land.

Spenden können auf das Postkonto 10-15000-6 mit Vermerk "Haiti" einbezahlt werden.

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swissinfo.ch

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