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Gotthard-Mineure auf dem letzten Kilometer

Gotthard-Basistunnel Faido-Sedrun: Der Tunnel in Richtung Süden wird beleuchtet und bereits ausgebaut.

Gotthard-Basistunnel Faido-Sedrun: Der Tunnel in Richtung Süden wird beleuchtet und bereits ausgebaut.

(Keystone)

Countdown für den Weltrekord am neuen Gotthard-Basistunnel: In genau drei Monaten – am 15.Oktober - soll der Hauptdurchschlag in der Oströhre zwischen Faido und Sedrun erfolgen. Nur 1000 Meter fehlen bis zum historischen Ereignis.

Mit 57 Kilometern Länge wird der neue Gotthard-Basistunnel der längste Tunnel der Welt sein. Zwei Einspurröhren werden dereinst Erstfeld (Uri) und Bodio (Tessin) direkt verbinden. Die Züge können bis zu 250 km/h erreichen.

Seit den 1990er-Jahren beschäftigt das Projekt der Neuen Alpentransversalen (Neat) die Schweizer Öffentlichkeit. Es ist ein Meilenstein für den Personenverkehr Nord-Süd und die Verlagerungspolitik im Güterverkehr.

Während die Züge durch den neuen Lötschberg-Basistunnel (34,6 km) bereits fahren, befindet sich der Gotthard-Ast noch in der Entstehungsphase. Neben dem Gotthard-Basistunnel wird auch am Ceneri-Basistunnel (zwischen Bellinzona und Lugano) gebaut.

Rohbau weit fortgeschritten

Die Arbeiten am Rohbau am Gotthard-Basistunnel sind indes weit fortgeschritten. Am 1. Juli 2010 waren von den insgesamt 151,84 km Tunnels, Schächten und Stollen des Gotthard-Basistunnels 146,6 km oder 96,6 Prozent ausgebrochen.

Noch eindrücklicher ist die Tatsache, dass in der Oströhre nur noch 1000 Meter bis zur Losgrenze Sedrun fehlen. Hier arbeitet sich die gewaltige Tunnelbohrmaschine (TBM) vor. Auf der Seite Sedrun sind es nur noch 100 Meter bis zur Losgrenze Faido, die problemlos im Sprengvortrieb bewältigt werden.

Die AlpTransit Gotthard AG (ATG) als Bauherrrin hat den 15. Oktober als Termin für den Hauptdurchschlag in der Oströhre zwischen Faido und Sedrun festgelegt. "Wir fiebern alle darauf hin", sagt Daniel Spörri, Baustellenchef des Loses Bodio/Faido vom ausführenden Konsortium TAT (Tunnel Alptransit Ticino).

Medelser Granit statt Streifengneise

Der Bauingenieur erklärt auch, warum der Termin äusserst knapp ist: "Als ATG das Datum festlegte, gingen alle davon aus, dass man auf der Reststrecke bis zur Losgrenze Sedrun nur auf Streifengneise trifft und Vortriebleistungen von 15 bis 20 Meter erreicht. Doch es ist anders gekommen. Wir sind de facto nach der Borel-Zone wieder auf Medelser Granit gestossen, der uns schon letztes Jahr einiges Kopfweh bereitet hat."

Medelser Granit ist ein sehr zähes Gestein, welches die Tunnelbohrmaschine (TBM) stark verschleisst. An der Ortsbrust spalten sich grosse Brocken ab, die von der TBM zermahlen werden müssen. Es kommt zudem zu Bergschlagerscheinungen.

Die Mineure befinden sich an der Losgrenze im Herzen des Berges. Die Felsüberlagerungen erreichen 2500 Meter. Vorübergehend kam es zum Einbruch von 45 Grad warmen Wasser, was der aktuellen Felstemperatur entspricht.

Direktübertragungen

Die Zeit drängt also. Aber die ATG ist zuversichtlich, den Termin einhalten zu können. Denn der Hauptdurchschlag am 15.Oktober um 14 Uhr soll zu einem riesigen Event werden. Solch ein Grossanlass erfordert eine gewaltige Organisation und lässt sich nicht in letzter Minute verschieben.

Die Medien der SRG SSR werden den historischen Moment mit Live-Sendungen dokumentieren. Fernsehen und Radio der deutschen, italienischen, französischen und rätoromanischen Schweiz, so wie swissinfo.ch, werden den Event begleiten. Auf beiden Seiten der Losgrenze (Sedrun / Faido) werden mehrere Tausend Gäste erwartet.

Nur ganz wenige werden den Hauptdurchschlag direkt verfolgen können – darunter Verkehrsminister Moritz Leuenberger. Sie werden vom Schacht Sedrun hinunter fahren und die Losgrenze im Süden in einem Züglein erreichen. Dort wird die Tunnelbohrmaschine von Faido kommend das letzte Stück Wand durchstossen.

Ausbau bis 2017

Der Tunnel ist mit dem Hauptdurchschlag allerdings längst noch nicht fertig. Im Frühjahr 2011 wird der Durchstich in der Weströhre erfolgen, wo noch mehrere Kilometer fehlen.

Danach braucht es noch etliche Jahre, um die ganze Bahntechnik einzubauen. In Biasca ist bereits ein Werkplatz in Betrieb, welche die Bahntechnik – Kabel, Gleise, Signale - durch die Weströhre und das Südportal einbaut.

2011 wird der Einbau auch am Nordportal folgen. Wegen der aussergewöhnlichen Länge des Tunnels braucht dieser Prozess viel Zeit. Die Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels ist für Dezember 2017 vorgesehen.

Gerhard Lob, Faido, swissinfo.ch

Neuer Gotthard-Basistunnel

Gesamtlänge: 57 Kilometer

Bauabschnitte: 5 (Erstfeld, Amsteg, Sedrun, Faido, Bodio)

Länge Tunnel. Schächte, Stollen: 151, 84 Kilometer

Baufortschritt: 96,6 Prozent oder 146.6 km ausgebrochen (Stand 1.Juli 2010)

Geplanter Hauptdurchschlag in der Oströhre zwischen Faido und Sedrun: 15.Oktober 2010

Hauptdurchschlag Weströhre: Frühjahr 2011

Aushubmaterial: 24 Millionen Tonnen – entspricht dem fünffachen Volumen der Cheops-
Pyramide in Ägypten .

Geplante Inbetriebnahme: Dezember 2017

Mischbetrieb Güter/Personenverkehr: 50-80 Personenzüge/Tag, 220-260 Güterzüge/Tag

Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h (Personenzüge), 160 km/h (Güterzüge)

Nutzungsdauer: 100 Jahre

Bauherrin: AlpTransit Gotthard AG (gegründet am 12. Mai 1998), 100-prozentige SBB-Tochtergesellschaft mit Sitz in Luzern

Anzahl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AlpTransit Gotthard AG: 140

Beschäftigte auf Baustellen: zirka 2200 (Gotthard- + Ceneribasistunnel)

Tödliche Arbeitsunfälle: 8

Mutmassliche Endkosten (ganze Gotthard-Achse): 12,2 Milliarden CHF (Preisstand 1998, ohne MWSt, Zinsen, Teuerung)


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